Product Carbon Footprint - Pilotprojekt startet in Deutschland

Für jedes Produkt, das auf den Markt kommt, werden bei Herstellung und Transport Kohlendioxid und andere Treibhausgase in die Atmosphäre entlassen. Ihre Spur, der sogenannte Product Carbon Footprint, kann ermittelt werden. Ist der Fußabdruck besonders klein, kann das in Zukunft ein Wettbewerbsvorteil sein.
Das Projekt und seine Piloten
"Die saubere Kenntnis der eigenen CO2-Emissionen ist die Grundvoraussetzung für eine zukunftsfähige Klima- und Unternehmensstrategie. Diese Kenntnis am Produkt an den Konsumenten weiterzureichen, ermöglicht diesem dann erst klimaverträgliche Kaufentscheidungen zu treffen", fasst Matthias Kopp vom WWF Deutschland die Ziele des Projekts zusammen. Der WWF hat sich mit dem Öko-Institut Freiburg, dem Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK) und der Thema1 GmbH zu einem Konsortium zusammengeschlossen, das deutschen Unternehmen anbietet, ihren Product Carbon Footprint (PCF) zu ermitteln. Das soll ihnen helfen, die eigenen Emissionen entlang der Wertschöpfungskette besser zu kennen, diese zu optimieren und klimafreundlicher zu gestalten. Die Vorteile, so die Initiatoren der Initiative, liegen für Produzenten und Konsumenten auf der Hand: Neben Rohstoff- und Kosteneinsparungen gewinnen die einen Wettbewerbesvorteile im wachsenden Markt für klimafreundliche Angebote und die anderen können diese als solche überhaupt erst erkennen.Wohin führen die Product Carbon Footprints?
Ernährung und Konsum verursachen etwa 40 Prozent der klimarelevanten Emissionen eines jeden Deutschen, hat das Umweltbundesamt 2007 errechnet. Diese Zahl kann kleiner werden, wenn die Menschen die Möglichkeit haben, klimafreundliche Angebote zu erkennen und ihre Auswahl danach zu treffen. Eine einheitliche, standardisierte Ermittlung der Emissionen, wie ihn das Pilotprojekt anstrebt, wäre eine große Hilfe, denn sie würde Produkte miteinander vergleichbar machen. "Der Product Carbon Footprint von Konsumgütern schafft nicht nur die bislang fehlende Transparenz am Markt, die es Konsumentinnen und Konsumenten zukünftig erlauben wird, ihre Klimaschutzpräferenzen auch in tagtägliche Kaufentscheidungen umzusetzen. Es stellt darüber hinaus ein wichtiges Steuerungselement der ökologischen Modernisierung der Produktions- und Distributionsketten in Richtung Low Carbon Economy dar", erklärt Dr. Fritz Reusswig vom PIK. Ob es dafür auch ein Label geben soll, steht nicht fest. Jacob Bilabel von Thema1 erklärt, dass das nicht Ziel des Projekts sei, da die sogenannten Green Claims mehr verwirren als aufklären. Wichtig sei es, sauber und wissenschaftlich korrekt zu arbeiten, Transparenz zu schaffen, die eventuell mal an einem internationalen Label zu erkennen sein werde.Der Weg zur PCF-Einheit
"Für das Ziel, Konsumenten die Chance für klimabewusste Kaufentescheidungen auch bei Konsumgütern zu geben, sehen wir allerdings noch großen Bedarf, dass die Ermittlung des Product Carbon Footprints auf der Basis einer fundierten und glaubwürdigen Methode erfolgt", meint Christian Hochfeld, stellvertretender Geschäftsführer des Öko-Institutes. Besonders wichtig sei es, sich auf eine einheitliche Methode zu verständigen, denn nur dann können Unternehmen Werte ermitteln, die mit anderen vergleichbar sind. Als Ausgangspunkt dafür dient in Deutschland die Ökobilanz, die bei großen Firmen bereits heute die Werte zur CO2-Ermittlung definiert. Das PCF-Projekt will nun klären, welche Glieder der Wertschöpfungskette eines Produktes zusätzlich einbezogen werden sollen.
In Großbritannien hat das 2007 geklappt. Sie legten für den PCF die Kriterien des Greenhouse Gas Protocols zugrunde und entwickelten daraus den Katalog PAS 2050, mit dem sie Emissionen ebenso wie Einsparpotenziale berechneten. Inzwischen haben sich mehr als 15 Unternehmen der Initiative angeschlossen. So einen Erfolg wünschen sich die deutschen Projektleiter auch, wollen aber noch mehr: eine Einheitlichkeit auf internationaler Ebene.
Unternehmer und Kritiker
"Klimaschutz wird nur nach marktwirtschaftlichen Aspekten umsetzbar sein. Der Product Carbon Footprint stellt für die Unternehmen ein wichtiges Innovationsinstrument dar, den erforderlichen Übergang zur Low Carbon Economy operativ zu managen", meint Rasmus Prieß, von Thema1. Davon sind auch die sechs Unternehmen überzeugt, die sich dem Projekt angeschlossen haben – darunter der Drogeriemarktfilialist dm, der Tiefkühlkosthersteller Frosta, die Firma Henkel, bekannt für ihre Wasch- und Reinigungsmittel, Kosmetik und Körperpflege, Tchibo, eines der größten deutschen Einzelhandelsunternehmen, die Deutsche Telekom AG und Tetra Pak, Anbieter von Verarbeitungs- und Verpackungssystemen. Sie wollen mit diskutieren, ob und gegebenenfalls wie eine Kommunikation und Kennzeichnung für Waren und Dienstleistungen erfolgen kann.Es gibt aber auch kritischen Stimmen wie die von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), die in einer Pressemitteilung erklärt: "Eine weitere Kennzeichnung von Produkten durch einen CO2-Label lehnt die BVE wegen eines unzureichenden Kosten-/Nutzenverhältnisses ab. Der Kostenaufwand, der mit entsprechenden Erhebungen für eine CO2-Kennzeichnung versehen, wird nach Informationen aus Großbritannien (...) in einer Größenordnung von rund 70 T€ pro Produkt taxiert. Ein derartiger Aufwand ist insbesondere den kleinen und mittleren Unternehmen der Branche nicht zuzumuten." Diese Argumentation kann Jacob Bilabel nicht nachvollziehen: "Eine CO2-Bilanzierung zeigt Einsparmaßnahmen des Energieaufwands auf und lohnt sich somit für jedes Unternehmen." Und: "Die Zahl des BVE ist für mich nicht nachvollziehbar. Jeder Firma ist ihre Supply Chain klar und die meisten haben bereits eine Ökobilanz, sodass keine zusätzlichen Kosten entstehen." Nur bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen sieht er Nachholbedarf und die Politik gefordert, die Ökobilanzierung zu fördern. Wie und in welchem Ausmaß – auch das kann im Rahmen eines Pilotprojektes wie diesem geklärt werden.
Journalistin und Autorin mit den Schwerpunkten Umwelt und Soziales
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Mai 2008












