Ein Jahr mit 90 Tagen (ab 14 Jahren)

Cornelia Kurth
"Ein Jahr mit 90 Tagen"
155 Seiten
Rowohlt TB, 2001
ISBN 3-499-21151-3
Überraschungen bietet das Leben der 19jährigen Palma, die in dem Roman " Ein Jahr mit 90 Tagen" durch alle Höhen und Tiefen der Jugend gejagt wird.
Palmas Mutter hat genug von den Eskapaden ihrer Tochter, die weder Schule noch Ausbildung beendet und sich mit Feiern die Nächte um die Ohren schlägt: Ein freiwilliges soziales Jahr soll Abhilfe schaffen. Palma zieht ins Schwesternwohnheim und soll eine schwer behinderte, junge Frau betreuen. Palmas mehr als kritische Haltung der Arbeit mit Behinderten gegenüber eskaliert, je mehr ihre Desorientierung und Überlastung wachsen.
Gemeinsam mit ihren Flurnachbarn macht sie brutale Witze über die Patienten. Die Abwehr der täglichen Konfrontation mit Behinderungen, die ihre eigenen Probleme spiegeln, führt zu einer unverblümten Auseinandersetzung mit der Frage nach "schönem" oder "grauenhaftem" Leben. Erschreckend ist die Reaktion ihres Freundes Edward: Er rastet schier aus und offenbart so, daß seine Überdrehtheit Anzeichen einer schweren psychischen Störung ist. Dies konfrontiert Palma viel stärker mit der Konsequenz ihrer aus spontanen Gefühlen geborenen Haltung gegenüber den Behinderten, als es ein moralisierender Vortrag getan hätte.
Palma verläßt ihn. Sehr bedrückt kehrt sie in das Behindertenwohnheim, in dem sie das soziale Jahr abgebrochen hat, zurück und beendet ihre Arbeit dort.
Von anderen Pubertätsromanen unterscheidet sich "Ein Jahr mit 90 Tagen" durch den Mangel an nostalgischer Unschärfe. Das Heranwachsen ist bei Cornelia Kurth kein traurig-süßer Abschied von der Kindheit, eher schon ein zäher Kampf um Autonomie - schmerzhafte Fehler inklusive.

Nominiert für den Heinrich Wolgast Preis 2002










