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    “Yamada Tarō-Projekt”
    Nogami Katsuki

    Ausstellung
    24.02. – 24.03.2017
    Goethe-Institut Shanghai, China
    Englisch, Chinesisch
    Eintritt frei
    ©Nogami Katsuki

    © Nogami Katsuki Wenig verraten die Darsteller in Nogami Katsukis Yamada Tarō-Projekt auf den ersten Blick. In ihrem Freizeitoutfit unterscheiden sie sich nicht von anderen Menschen – doch der Blick in ihre Augen trifft nichts als den gefrorenen Gesichtsausdruck auf dem Schirm eines iPads. Bereits der Name, den Nogami seinem Projekt gibt, ist ein erster Hinweis auf dieses paradoxe Erlebnis: „Yamada Tarō“, das ist ein anonymer Eigenname, ein japanischer Verwandter all der John Smiths und Max Mustermänner weltweit. Als Motto steht er über dem Szenario leisen Unbehagens, als das Nogami Katsuki die Komplexitäten des „Techno-Ichs“ entwirft. In seinem Spiel mit virtueller, computervermittelter Kommunikation (CVK) scheint sich die unlösbar darin verflochtene Doppelhelix aus Nähe und Fremdheit nur noch schneller zu drehen.

    Vom 24. Februar bis zum 24. März 2017 sind alle Besucher herzlich eingeladen, in unseren Räumen in der Fuzhou Lu ihre eigenen Erfahrungen mit ihrem „Techno-Ich“ zu machen. Für eine reale Begegnung, Face-to-Face, werden Nogamis Cyborgs zur Eröffnung der Ausstellung auf ihre Betrachter zukommen und sie um einen Schnappschuss bitten. Die Gesichter der Freiwilligen werden dann sogleich auf den Bildschirmen erscheinen, die die neugierigen Halbmenschen anstelle eigener Gesichter tragen. Nichts an diesem kurzen Austausch ist kompliziert und wenig kann seinen erfolgreichen Ablauf gefährden. Auch die Schaufensterpuppen, die im Lauf der Ausstellung die ursprünglichen Darsteller ersetzen werden, erweisen sich als angemessenes Gegenüber. Dabei führt eine einfache Frage zu all den kritischen Punkten, die unsere Kultur der Selfies und Selbstinszenierung prägen. Denn ob sie wollen oder nicht, mit ihrer Einwilligung geben die Freiwilligen ihr eigenes Gesicht gleichsam in fremde Hände. Von dort wird es auf all die Wege der Verarbeitung und Verbreitung entlassen, die das Netz bereithält. An deren Anfang steht der spontane Beifall, den das eigene Portrait auf einem sich an menschlichen Gliedmaßen bewegenden Computer erfährt.

    Während man sich unwillkürlich dem Leuchten der Bildschirme zuwendet, bleiben die Gesichter der Yamada Tarōs dahinter unerkannt im Schatten. Puppen und Roboter, künstliche Intelligenzen, Social Bots und Menschen: Die Algorithmen sozialer Programmierung haben solche Grenzen längst verwischt. Von den abstrakten Fragen von Identität und Selbstrepräsentation in einer Gesellschaft, deren Abläufe nur mehr in den gewaltigen Datenströmen digitaler Kommunikation koordiniert werden können, führt uns Katsuki Nogami zurück zu einer einfachen, aber nicht mehr bloß zwischen-menschlichen Form der Begegnung. Er lässt dabei ein mehrdeutiges Spiel entstehen zwischen Betrachter und Betrachtetem, das den technischen Fortschritt weder platt verdammt, noch Möglichkeiten seines Missbrauchs unterschlägt. Ob man will oder nicht, als Teilnehmer dieses Spiels findet sich jeder in der Rolle eines Redakteurs des eigenen Lebens. Die unüberschaubare Zahl wohlbetreuter, und doch kaum jemals verifizierbarer WeChat- oder Facebook-Accounts zeigt es uns jeden Tag. Nogami selbst hat einer möglichen Fremdnutzung seiner Bilder Vorschub geleistet: Mit einem QR-Code können Besucher die geteilten Social Media-Inhalte des Yamada Tarō-Projekts beeinflussen. Sie selbst sind nun Darsteller im Wechselspiel der Identitäten. Ihr Pseudonym: „Yamada Tarō“.

    Info

    Eröffnung und Diskussion:
    18.30 Uhr, 24.02.2017

    Mo.-Fr. 10:30-18:00, an Wochenenden und Feiertagen geschlossen

    Goethe-Institut Shanghai

    Abteilung Kultur und Bildung
    Fuzhou Lu 318, Cross Tower 101
    info@shanghai.goethe.org

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