Falls Sie weitere Infomationen über den 1. und 2. Dokumentarfilmforen benötigen, können Sie sich an
info@shanghai.goethe.orgwenden.China Anfang 2011 stand in den Schlagzeilen mit Trockenheit, die sich über Millionen Quadratmeter Fläche ausbreitete. Pflanzen, Tiere und Menschen litten unter extremem Wassermangel. Der Yangtse unterhalb des 3-Schluchten-Staudamms sank mehrere Meter unter seinen normalen Wasserspiegel. Inseln inmitten großer Binnenseen konnte man wie nie zuvor trockenen Fußes erreichen. In Küstennähe, wo der Grundwasserspiegel durch die Trinkwasserentnahme absinkt, drang Salzwasser in die Böden vor. Ein paar Monate später ein ganz anderes Bild: ungewöhnlich starke Regenfälle setzten ein, harte Ackerböden wurden zu Seen, Verkehrsstraßen verwandelten sich in Sturzbäche, in den Bergen begruben Erdrutsche Dörfer, Häuser und Menschen unter sich. Solche extremen Naturkatastrophen sind nicht auf China beschränkt, sie passieren auch in anderen Ländern, gerade in diesen Tagen in Korea.
Wenn es bei solchen Meldungen überhaupt einen Komparativ gibt, dann war der Tsunami in Japan das schrecklichste einzelne Naturunglück in Ostasien in diesem Jahr mit den meisten Menschenopfern. Offensichtlich sind wir Menschen heute trotz moderner Technik, gigantischer Bauten in Stahl und Beton, Sensor- und Satellitentechnik schlechter gegen die Launen der Natur vorbereitet als man vermuten möchte. Wie ist also unser Verhältnis zur Natur? Wie nehmen wir Natur wahr? Wie gehen wir mit Natur um?
Folgenschwerer als die Naturkatastrophen und in den Auswirkungen nicht mehr quantifizierbar war der atomare GAU in Fukushima. Dieser Unfall ist nicht der einzige aber aktuellste zerstörerische Akt, den die Nukleartechnik mit der Menschheit verbindet. Sie zieht die Qualität technischer Meisterleistungen stark in Zweifel. Nukleartechnik ist so riskant, dass für ihre Folgen über den Ort des Unglücks hinaus eine ganze Gesellschaft, ein Staat, zukünftige Generationen haften müssen. Wer kann eine solche Abwälzung von Risiken an zukünftiges Leben noch verantworten?
Das Thema des 3.Dokfilmforums nimmt Bezug auf diese Schreckensnachrichten. Sie sind keine einzigartigen Vorkommnisse, sondern sie wiederholen sich. Wir stellen uns die Frage, wie Natur heute aussieht und wie diese Technik beschaffen ist. Die Filme tragen zur öffentlichen Diskussion bei – im Institut und in den Blogs im Internet. Es sind starke Filme. Sie lassen die Menschen zu Wort kommen und zeigen ungeschminkt Zustände, in denen sich Mensch und Natur befinden. Die Schönheit dieser Filme liegt in ihrer Ehrlichkeit begründet. Die Filme sind aus der Motivation hervorgegangen, die Wahrheit zu suchen. Das ist unauflöslich mit einer kritischen Sicht auf die Dinge verbunden. Wer aber unangenehme Phänomene und darüber hinaus, Verursacher oder Verantwortliche ins Visier nimmt, ist oft allein gelassen. Das ist überall in der Welt so, bedrohlich dort, wo der Rechtsstaat keinen Schutz gewährt.
Mit unserem Forum fördern wir die deutsch-chinesische Verständigung über Phänomene, die alle Menschen in einer globalisierten Welt angehen. Die unabhängigen Dokumentarfilmer leisten unschätzbar wertvolle Beiträge zu dieser Verständigung. Sie führen uns zu der Einsicht, dass wir nur eine Welt haben, für die wir gemeinsam Verantwortung tragen. Ihnen, den Künstlern möchte ich herzlich danken und meinen tiefen Respekt für Ihre Arbeit bekunden.
Shanghai, zum 29. September 2011
Wilfried Eckstein








