Was ist Animation? Im europäischen Kontext geht der Begriff auf lateinische Wurzeln zurück und leitet sich von dem Verb „animare“ ab. Das bedeutet „zum Leben erwecken“, „Leben schenken“, „beseelen“. Wenn wir uns die Animationsfilme der 12 Programme vor Augen führen, ist zum „Leben erwecken“ vielleicht sogar zu kurz gegriffen. Denn die mit ihren Arbeiten vertretenen deutschen und chinesischen Künstler erwecken nicht nur Materialien, Puppen, Zeichnungen zum Leben; sie erschaffen Welten, die in ihrer Gestaltung unterschiedlicher nicht sein könnten. Ihre filmischen Techniken reichen von Zeichen- Legeund Puppentrick, über Malerei, Knet- und Sandanimation bis hin zur 3D Computer- Animation. Oftmals werden verschiedene Techniken mit einander kombiniert. Dabei ist der große Aufwand der manchmal Jahre dauernden Produktion, die Ausdauer, die handwerkliche Kunstfertigkeit, der technische Erfindungsgeist oder - einzigartig im chinesischen Kontext – die kalligrafische Meisterschaft den ausgewählten Arbeiten nicht anzumerken.
Die geballte Vielfalt des Gesamtprogramms macht deutlich, dass im Animationsfilm der Kreativität und Phantasie der Filmemacher keine Grenzen gesetzt sind. So unterschiedlich die Techniken der Erschaffung verschiedenster Welten sind, so differenziert ist deren Gestaltung: opulent ausgestaltete Szenerien begegnen minimalistisch reduzierten Umgebungen, realistische Darstellungen treffen auf phantastische Bebilderungen.
Fünf Kuratoren haben eigenständige Programme zu diesem Forum ausgewählt: Li Ningchun hat für uns die Animationsfilme aus ihrem „n-minutes video art festival“ ausgewählt. Sun Lijun von der Pekinger Filmakademie stellt ein aktuelles Best-Of des größten chinesischen Animationsfilm-Festivals vor, das direkt vor der Haustüre Shanghais stattfindet. Er zeigt auch eine Auswahl von Filmen aus seiner Hochschule. Eine chinesische Künstlerin, die in Shanghai noch nicht zu sehen war, haben wir eingeladen, ihre Arbeiten exklusiv vorzustellen: Wang Qianru von der Sichuan Kunstakademie Chongqing.
Einen roten Teppich rollen wir auch einer deutschen Filmhochschule aus, der Filmakademie Baden-Württemberg, die in den letzten Jahren nicht zuletzt durch die von ihr gegründete fmx-Filmkonferenz einen ausgezeichneten internationalen Ruf in den Bereichen Kurz-, Wissenschafts- und Animationsfilm erworben hat. Das Programm stellt Gunter Grossholz vor. Von Filmschulen unabhängig und auf die gesamte Breite der Entwicklungen des deutschen Animationsfilms in den letzten Jahren bezogen ist die Auswahl des mehrteiligen Programms „Kurz und Gut“ von Detlev Gericke-Schönhagen und Robin Mallick. Dieses Programm stellt Katrin Küchler vom Filmfest Dresden vor. Sie hat es um Filme, die auf ihrem Festival in Dresden in den letzten zwei Jahren gezeigt wurden, erweitert.
Jeder Animationsfilm trägt die persönliche Handschrift des Künstlers. Als Einzelkunstwerk bringt er die individuelle und innovative Kreativität zu Ausdruck, die Antriebskraft für diese Werke ist. Ihnen, den Künstlern, den Kuratoren und Referenten, die unser umfangreiches und vielfältiges Programm ermöglicht haben, sage ich herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.
Uns allen wünsche ich unterhaltsame schöne Filmabende und inspirierende Begegnung mit Animationsfilmen aus Deutschland und China.








