Warum ich ...

Was bedeutet es für dich, ein Mitglied der Goethe-Guerillas zu sein?

Aleksandra Stošić, Belgrad
Miloš Perišić, Belgrad
Stefan Malešević, Belgrad
Goethe-Guerilla Pristina
Hilma Unkić, Sarajevo
Ana Risteska & Andrej Ančevski, Skopje
Danijel Đekić, Zagreb


© Aleksandra Stošić Mitglied der Goethe-Guerillas zu sein ist aus vielen Gründen eine ungeheuer große Erfahrung. Seit Monaten bin ich Teil eines Teams aus jungen Leuten mit unterschiedlichen Profilen und Interessen. Diese Vielfalt ist, wie in der Natur, ein großer Vorteil für die Projekte, mit denen wir uns beschäftigt haben bzw. uns noch immer beschäftigen. Unser Streben und Wunsch, Einfluss auf die Gesellschaft, in der wir leben, zu nehmen, auf Probleme hinzuweisen und zu zeigen, dass wir die Welt um uns herum anders sehen, sowie die Kreativität, mit der wir unsere Projekte realisieren, sind dabei einige unserer Leitgedanken. Dabei funktioniert eine Gruppe natürlich umso besser, je mehr sich jeder Einzelne einsetzt. Auf diese Weise kann nicht nur jeder seine eigene Individualität hervorheben, sondern auch seine Gedanken, Beobachtungen und Anschauungen ausdrücken und diese mit den anderen Gruppenmitgliedern verknüpfen.

Was mir persönlich an dem Projekt am wichtigsten erscheint ist, dass ich in der Gruppe der Goethe-Guerilla durch die Arbeit unter Freunden und mit den Guerilla-Koordinatorinnen Erfahrungen gesammelt habe und eine neue Denkweise gefunden habe, dir mir hilft, die Welt um mich herum auf eine erweiterte und wertvollere Weise zu sehen.
Aleksandra Stošić, Belgrad

© Miloš Perišić Ein Goethe-Guerilla zu sein ist eine schöne, aber auch komplexe Sache. Unterschiedliche Leute, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen, treffen sich an einem Ort und arbeiten an einer Aufgabe. Sie arbeiten an einer Aufgabe, die einzigartig und gleichzeitig mannigfaltig ist.

Wenn ich nun erklären soll, was das bedeutet und wozu es dient, fällt es mir nicht leicht und ich beginne gewöhnlich damit aufzuzählen, was wir bisher gemacht haben. Doch auch das Aufzählen der Dinge, die wir gemacht haben, ist nicht die beste Antwort auf die Frage, denn es spiegelt nicht das wider, was die Goethe-Guerillas tatsächlich sind. Einerseits sind sie etwas jenseits von uns und andererseits etwas, was nur uns gehört, da jede Generation, wie die erste, selbstständig wird. Die Goethe-Guerillas sind eine große Performance, bei der auf den ersten Blick etwas aus dem Nichts entsteht. Etwas, was für die Guerillas immer neu und spannend ist, weil es aus ihnen selbst entsteht und daher persönlich und zugleich kollektiv ist. Ja, genauso: sowohl persönlich als auch kollektiv, da sich weder jemand in der Gruppe verliert noch sich die Gruppe in Einzelteile auflöst. Zwar leitet immer einer, während ein anderer folgt, aber die Rollen ändern sich bei jeder Aktion. Auf eine gewisse Weise ist die Guerilla-Gruppe wie dieser Comic „Die Fantastischen Vier“ oder „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“: ein Zusammentreffen von besonderen Individuen für eine einzige Aufgabe. Und nun endgültig: Was ist das für eine Aufgabe? Sie ist unser Streben, die Welt, die wir sehen, die Stadt, in der wir leben, und das Leben, das wir kennen, neu zu durchdenken und wenn wir einen gemeinsamen Nenner gefunden haben, etwas daraus zu machen. Aber was wird das wohl sein? Tja, jede Goethe-Guerilla-Generation wird ihre eigene Antwort auf diese Herausforderung geben.
Miloš Perišić, Belgrad


© Stefan Malešević Was es für mich bedeutet ein Guerilla zu sein?
Da mir die Frage heute gestellt wird, muss ich sagen, dass ich als Guerilla momentan in erster Linie Verantwortung und Verpflichtungen empfinde. Es ist Sonntagabend und ich sitze vor dem Haus meiner Großeltern. Ich ruhe mich nicht aus, sondern schreibe diesen Text. Wenn ich nach Belgrad zurückkomme, habe ich sicherlich um die zehn ungelesene E- Mails von den Guerillas; das Jahr neigt sich dem Ende zu und der Druck, die angefangenen Projekte zu Ende zu bringen, wird größer....

Das klingt, als würde ich mich beklagen, aber all das sind für mich auch positive Aspekte meiner Zugehörigkeit zur Goethe- Guerilla, da sie die Persönlichkeit formen, was wiederum nützlich für zukünftige Projekte und Aufgaben ist.

Ein junger Mensch sollte spüren, was es bedeutet im Namen einer Gruppe zu handeln und Teil eines Kollektivs zu sein, dass auf freiwilliger Basis gegründet wurde und bei dem das Maß an Engagement vom Einzelnen abhängt. Was es bedeutet hat ein Guerilla zu sein?

Es bedeutete eine Menge kreativer Treffen mit inspirierenden Menschen, die gleichzeitig nützliche Mitarbeiter von morgen werden können. Durch das gemeinsame Schaffen wurden zudem besondere Freundschaften geschlossen. Wie die Familie oder die Clique aus der Grundschule haben auch die Guerilla-Kameraden einen speziellen Status.
Mit diesen Leuten und der Hilfe des Goethe-Instituts habe ich Projekte realisiert, die ich entweder nicht hätte realisieren können oder dürfen, und habe bei der Entstehung und Umsetzung der Ideen der anderen Mitglieder geholfen. Obwohl ich Teamarbeit gewöhnt bin, war ich bisher entweder Leiter (als Regisseur oder Frontmann) oder habe für jemanden gearbeitet (als Filmmontagetechniker, Tonangler, Musiker etc.), so dass es eine Lehre für mich war, in einer Gruppe auf Augenhöhe zu arbeiten, sich an Kompromisse zu gewöhnen und tolerant zu sein.
In der Guerilla trägt weder jemand die volle Verantwortung, noch erntet ein anderer die Lorbeeren alleine.
So wie im echten Guerillakrieg, stehen wir hinter oder vor dem gemeinsamen Namen und verschieben so den Fokus vom Einzelnen (und seiner Urheberschaft) auf die Aktion und ihre Folgen. Was es bedeuten wird ein Guerilla zu sein wird sich mit der Zeit zeigen.
Es bestehen Pläne für eine weitere Zusammenarbeit unter den verschiedenen Generationen und auch auf regionaler Ebene hat sich die Idee bereits ausgebreitet.
Also, bis bald!
Stefan Malešević, Belgrad


Es gibt mir die Möglichkeit, die Welt gemeinsam mit anderen Guerillas ein Stück weit zum Besseren zu verändern, sowie voneinander zu lernen und zu erfahren. Auf dieser Weise lerne ich auch verschiedene und interessante Kulturen und Menschen kennen und wir können uns gemeinsam für etwas Wichtiges stark machen.
Goethe-Guerilla Pristina


© Hilma Unkić Ein Guerilla zu sein bedeutet dazuzugehören. Es bedeutet von jungen Leuten umgeben zu sein mit denen du ein gemeinsames Ziel hast. An solchen Projekten teilzunehmen bedingt anders denken zu lernen und Bereiche deiner eigenen Kreativität zu entdecken. Ein Guerilla zu sein bereitet Freude. Manchmal hat man einfach auch nur das Gefühl an einer großen Sache teilzuhaben, an etwas Revolutionärem. Es gibt dir das Gefühl, dass du etwas bewegst, dass du nicht starr an einer Stelle stehst und auf Veränderungen wartest, sondern dass du die Veränderungen bringst. Dadurch fängst du an Kleinigkeiten zu bemerken und für sie zu kämpfen und siehst wie aus einem kleinen Projekt etwas Großes werden kann.

Ein Guerilla zu sein bedeutet manchmal auch sich über die anderen aufzuregen, die nicht einsehen können, dass deine Idee die beste ist. Aber ein Guerilla zu sein bedeutet genauso anderen zuzuhören und gemeinsam die beste Idee umzusetzen. Eine Einheit aus fünf verschiedenen Individuen zu schaffen, diese auf die Stadt wirken zu lassen, hat eine gewisse Verantwortung, da unsere Projekte tausende in sich absorbieren können. Ein Guerilla zu sein bedeutet auf sich selbst stolz zu sein, denn du beweist, dass du etwas Richtiges und Wichtiges machst. Es bedeutet gegen die Stagnierung zu kämpfen und ein Visionär zu sein!
Hilma Unkić, Sarajevo


© Andrej Ančvski Es ist eine Ehre zu den ersten Goethe-Guerillas in Skopje zu gehören, aber auch eine Herausforderung, weil wir den Weg für die kommenden Generationen in unserer Stadt bereiten, und wir freuen uns sehr darüber ein Teil dieses Programms zu sein. Es gibt uns die einzigartige Möglichkeit Erfahrungen und Ideen mit Gleichgesinnten auszutauschen und die Gelegenheit bzw. eine Plattform, um zur kulturellen Entwicklung unserer Gemeinschaft beizutragen.

© Ana Risteska Darüber hinaus erfasst die Idee der Goethe-Guerilla unseren Zeitgeist perfekt und befähigt und ermutigt uns in unserer persönlichen Entwicklung. Das hilft uns nicht nur in künstlerischen Belangen, sondern gibt uns die Fähigkeit soziale Aspekte aus neuen und kreativen Blickwinkeln zu betrachten.
Ana Risteska & Andrej Ančevski, Skopje


© Danijel Đekić Die Entscheidung mich bei der „Goethe-Guerilla“ anzumelden war ein Volltreffer – und das nicht nur, weil ich ausgewählt wurde, sondern weil ich eine Chance bekommen habe, die man heutzutage hier in unserer Region nur selten bekommt. Das Goethe-Institut hat mit diesem Projekt gezeigt, dass es auf Nachwuchs setzt, es hat damit den jüngeren Generationen sein Vertrauen ausgesprochen. Vertrauen, das rar ist in dieser heutigen Welt. Dieses Vertrauen zeigt aber auch, dass es in dieser alles umgreifenden Globalisierung und Abstumpfung doch möglich ist, einen Eindruck bei den Menschen zu hinterlassen. Gerade diese Möglichkeit, dass ich die Dinge selbst anpacken und so vielleicht etwas bewegen kann, hat mich vom ersten Moment an zur „Guerilla“ hingezogen. Mit unseren Aktionen wollen wir auf bestimmte Probleme aufmerksam machen und falls wir es schaffen, auch nur bei einzelnen Menschen unseres Umfeldes das Bewusstsein wachzurütteln, dann können wir schon von Erfolg sprechen. Viele von uns hatten schon früher Ideen für Projekte, jedoch haben die meisten an dem Punkt aufgegeben, der in dieser kapitalistischen Welt der wichtigste ist, beim Budget nämlich. Das Goethe-Institut hat uns einen, für unser Dafürhalten, beträchtlichen Geldbetrag sichergestellt, mit dem wir die Verwirklichung eines recht großen Projektes eingeleitet haben. Erst hiernach waren wir in der Lage zu erkennen, was es bedeutet an einem Projekt zu arbeiten und wie viel Wille und Zeit es erfordert. So haben wir durch die Praxis viele Schritte gelernt, die für das Kulturmanagement wichtig sind, und dabei war uns unsere Koordinatorin ganz besonders behilflich. Überdies hat es uns diese Arbeit ermöglicht, neue Bekanntschaften zu machen, von denen einige auch zu Freundschaften geworden sind. Es ist wunderschön, Menschen aus der Region kennenzulernen, die ähnlich denken und an den gleichen Zielen arbeiten und dabei kein Gefühl von gegenseitiger Feindseligkeit verspüren. Ich hoffe, das Projekt „Goethe-Guerilla“ wird fortdauern und ich hoffe auch, dass ich weiter daran teilnehmen kann und dadurch die Gesellschaft, aber auch mich selbst, weiterentwickeln kann.
Danijel Đekić, Zagreb

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