Stil in Berlin – nicht mehr und nicht weniger

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Sie fotografieren außergewöhnliche Modekreationen und schaffen auf ihren Blogs virtuelle Laufstege für den Stil ihrer Stadt. Street Style-Blogger gibt es inzwischen in ganz Europa. Die erfolgreichsten in Deutschland sind Mary Sherpe und Dario Natale. Wir sprachen mit ihnen über Stil in Berlin. Mary und Dario, seit 2006 dokumentiert und prägt euer Blog den „Stil in Berlin“. Heute findet der Nutzer auf euren Seiten auch Fotos aus Paris, London oder Kopenhagen. Gibt es denn so etwas wie einen spezifischen Berlin-Stil. Was unterscheidet ihn von dem anderer europäischer Städte? Berliner sind locker und unprätentiös, sie nehmen sich, was ihnen passt und gefällt – sei das nun Vintage, Designer- oder Massenware – und mischen es. Angenommen ich möchte es auf euren Blog schaffen, was muss ich tun? Ich meine außer euch in Berlin über den Weg zu laufen. Wie muss ich aussehen? Nach welchen Kriterien sucht ihr eure „Models“ aus? Oder läuft es inzwischen anders herum und die stylischen Berliner kommen auf euch zu? Wir haben keine Kriterien sondern versuchen, so offen wie möglich auf die Straße zu gehen – uns fällt auf, wenn jemand sich sehr wohl in seiner Kleidung fühlt und mit Mode spielt. Ein sehr persönlicher Umgang mit dem Thema Kleidung hilft – es gibt also keine Regeln. Teil des Systems Es läuft aber immer noch so, dass wir uns diejenigen aussuchen, auf uns zu kommen die Leute nur selten.
Wie reagieren die „Models“? Manche eurer Fotos entstehen auf der Straße, andere bei den Fotografierten zu Hause. Laden euch die Leute zu sich ein? Die Fotos entstehen immer auf unsere Initiative, sowohl auf der Straße als auch bei der Serie „At Home“. Verfolgt ihr die Diskussionen zu euren Fotos? Passiert dort auch etwas über Kommentare wie „gefällt mir“, oder „gefällt mir nicht“ hinaus? Wir verfolgen das natürlich und beantworten auch Fragen bzw. diskutieren auch gern mit. Manchmal kommt es zu größeren Diskussionen, oft bleibt es aber bei kurzen Gefallensbekundungen. Wir hätten gerne noch mehr Austausch, aber das Blog-Format regt natürlich auch zu kurzen Statements an. Wie seid ihr überhaupt darauf gekommen, den Blog ins Leben zu rufen? Habt ihr von Anfang an zusammen gearbeitet? | |
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Mary hat den Blog 2006 gegründet, weil es die einfachste Möglichkeit war die Idee zu „Stil in Berlin“ zu veröffentlichen. Seit Anfang 2009 ist Dario dabei. Blogs werden in den letzten Jahren heiß diskutiert. Die Meinungen von Medien wie Wissenschaftlern gehen dabei weit auseinander: Von euphorischen Lobgesängen auf die Demokratisierung des öffentlichen Diskurses bis hin zur pessimistischen Einschätzung der Blogosphäre als eine Kakophonie von Informationen mit allerhöchstens persönlichem Informationswert. Welchen Beitrag zum öffentlichen Diskurs leistet ein Street Style-Blog? Handelt es sich um eine Demokratisierung der Modewelt? Wir finden den Begriff Demokratisierung sehr schwierig, da er zwar ständig, selten aber präzise eingesetzt wird. Die Mode ist ein exklusives und hierarchisches System, das seit Jahren aufweicht, aber wohl nie ganz aufgelöst werden wird. Dieser Prozess geschieht aber nicht nur durch Steet Style-Blogs und hat auch schon viel früher angefangen. Man versteht Street Style-Blogs miss, wenn man denkt, sie würden eine ausgewogene Auswahl des in der jeweiligen Stadt vorhandenen Stils zeigen (wollen). Wir haben keinen dokumentarischen Anspruch, auch wir sind natürlich Teil des Systems und sind geprägt von verschiedenen Stereotypen und Stilen – wir begreifen uns nicht als Revolutionäre des vorhandenen Systems. Es handelt sich hier um einen spontanen Ausschnitt aus dem, was Menschen zwischen 2006 und 2010 auf den Straßen getragen haben, den wir aussuchen und porträtieren – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die richtige Idee zur richtigen Zeit „Stil in Berlin“ gilt als erfolgreichster Street Style-Blog Deutschlands. Wie wirkt sich das auf eure Arbeit aus? Werdet ihr beispielsweise von Designern oder von der Werbeindustrie angesprochen?
Da wir gerne auch von unserer Arbeit leben möchten, sind wir bereits diverse Kooperationen mit der Industrie eingegangen und haben auch Werbung auf dem Blog. Ansonsten versuchen wir – ebenso wie in der Auswahl der Fotografierten – einen kühlen Kopf zu bewahren. Wir haben das Glück, die richtige Idee zur richtigen Zeit umgesetzt zu haben. Allerdings weiß keiner, wie lange wir damit noch Erfolg haben werden. Eine letzte Frage: Ich weiß nicht, wie gut ihr die Tschechische Republik kennt? Könntet ihr euch eine Rubrik „Prag“ in eurem Blog vorstellen? Wenn ja, wie würde diese euren Vorstellungen nach aussehen? Natürlich können wir das. Mary ist in der DDR aufgewachsen und schon einige Male in Prag gewesen, allerdings vor ihrer Zeit als Street Style-Fotografin. Es wäre sicher spannend, die modischen Zustände auf den Straßen Prags zu verfolgen. |
Die Fragen stellte Martin Nejezchleba.
Copyright: Goethe-Institut Prag
August 2010
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info@prag.goethe.org













