Marta Jandová


1) Was ist für Sie „typisch deutsch“?
Typisch deutsch ist für mich das Grillen im Park, auf diesen Einweg-Grills. Und auch, wie die Leute abends durch die Straßen laufen, mit einem Bier in der Hand. Ich könnte jetzt natürlich Sachen aufzählen, die jedem sofort in den Sinn kommen. Aber ich glaube, dass sich Deutschland stark verändert hat. Gut, sie haben es gerne „ordentlich“, aber auf den Service ist in Deutschland immer Verlass, und das schätze ich sehr.Und dann fällt mir noch Bayern München und überhaupt die Liebe zum Fußball ein.
2) Was ist für Sie „typisch tschechisch“?
Typisch tschechisch ist für mich die Gemütlichkeit. Wenn ein Tscheche frei hat, dann genießt er das, dann geht er mit Freunden „auf ein Bierchen“. Als ich einmal nach einem Jahr zurück nach Prag flog, bin ich im Flugzeug in Tränen ausgebrochen, als ich die tschechische Sprache hörte. Und das, obwohl sich die Herren lautstark darüber unterhalten haben, wie sie sich auf ihr kühles Pilsener und auf Sparta Prag freuen.3) Welchen Einfluss übt Deutschland auf Ihr Schaffen oder Ihr Leben aus?
Ich habe in Deutschland viel gelernt. Vor allem im Musikgeschäft läuft es dort immer noch etwas anders als in Tschechien. Immerhin ist das Land ökonomisch noch etwas voraus. Auch wenn Tschechien schnell aufholt. Klar, ich weiß natürlich, dass Deutschland ein paar Jahrzehnte Vorsprung hat, aber ich bin stolz auf die Tschechen, wie sie in den 20 Jahren neuer Freiheit die alten Stereotypen hinter sich gelassen haben.Ich habe von den Deutschen in diesen 16 Jahren vieles abgeschaut und muss sagen, sie sind Profis durch und durch. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
4) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne einen Tag tauschen?
Da ich mit meinem Leben zufrieden bin, würde ich mir keinen völligen Rollentausch wünschen. Ich probiere aber gerne etwas Neues aus und würde deshalb gerne einen Tag im Zoo arbeiten und mich um irgendwelche süßen Tier-Babys kümmern. Typisch Frau eben. Eigentlich wäre ich lieber unsichtbar und würde Leute besuchen, aber das ist eine andere Frage.5) Was verbindet Ihrer Meinung nach Deutsche und Tschechen?
Uns verbindet immer mehr, und darüber bin ich froh. Als ich vor 17 Jahren nach Deutschland ging, reagierten die Tschechen auf meinen Umzug nicht gerade positiv. Ständig wurde ich gefragt, ob die Deutschen wirklich so kühl und humorlos sind. Und immer wieder habe ich geantwortet, dass ich solche Deutsche noch nie getroffen habe.Ich bin sowieso ein Mensch, der die Unterschiede nicht besonders analysiert. Ja gut, Amerikaner könnte ich beschreiben und bräuchte dafür mehrere Seiten. Bei uns Europäern kommt es mir jedoch so vor, dass wir im Grunde genommen gleich sind. Deutschland ist unser direkter Nachbar und die neuen Generationen von Jugendlichen sind völlig gleich. Die Jungen wollen Perspektiven, Freiheit und ihr Leben genießen – und das alles bekommen sie in Tschechien, wie auch in Deutschland.
6) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?
Wie ich aufgenommen wurde. Die Mutter meines Freundes hat versucht, wenigstens ein kleines bisschen Ersatz für meine verstorbene Mutter zu sein. Alle waren begeistert, dass ich Tschechin bin und so gut wie jeder Deutsche hat Wurzeln in Tschechien. Ich habe dort ein paar Freunde fürs Leben gefunden.Wenn ich so darüber nachdenke: Eines meiner schönsten Erlebnisse war wohl, als mich mein Vater anrief, während wir mit meiner Band auf einem Festival in Deutschland waren. Er las mir eine tschechische Rezension unseres Albums vor. Die Rezension war großartig und endete auf den Satz. „Tschechen, seid stolz auf diese Tschechin, die es in Deutschland ganz nach oben geschafft hat.“ Das hat mir ein paar Tränen entlockt.
7) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?
Als bei der Fußball-WM 2006 die Tschechen in Hamburg gegen Italien rausflogen. Ich war dort. Ja und dann noch meine letzte Trennung.8) Haben Sie einen Lieblingsort in Deutschland?
Auf jeden Fall Hamburg und die Alster.9) Auf was könnten Sie in Deutschland gerne verzichten?
Auf das ständige Gerede um den Zweiten Weltkrieg. Ich fände es auch schön, wenn die Deutschen im Ausland ein etwas positiveres Selbstwertgefühl entwickeln könnten. Es ist eine super Nation und der Krieg war im vorigen Jahrhundert.10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in Tschechien übernehmen?
Eben das Grillen im Park. Das ist in Deutschland immer wieder amüsant. Picknick-Decke, Salate, mariniertes Fleisch, ein kleiner Grill und gutes Bier. Dazu ein paar Freunde, eine Gitarre und los geht’s…Marta Jandová im Porträt
Power-Frau und Rock-Röhre. Für die deutsche Presse ist Marta Jandová geballte Energie. Wer sie einmal als Frontfrau von Die Happy auf der Bühne erlebt hat, weiß warum. Vor 17 Jahren kam die Sängerin nach Deutschland, genauer nach Ulm, und gründete die Rockband dort zusammen mit dem Gitarrist Thorsten Mewes. Inzwischen blickt Marta mit Die Happy auf 6 Studio-Alben, ein Live-Album, 2 DVDs und knapp 900 Konzerte zurück.
Neben ihren zahlreichen Musikprojekten ist sie in Deutschland vor allem als ZDF-Moderatorin bei neoMusic und als Jurorin der des Talentwettbewerbs Popstars bekannt. Eine Rolle, in der sie auch das tschechische Publikum 2009 in Československá Superstar (Tschechoslowakischer Superstar) erlebte. Neben einigen Konzerten mit Die Happy kennt man sie hier aus Musicals und als Tochter des Musikers Petr Janda. Seine Band Olympic ist eine Legende der tschechischen Popmusik. Marta Jandová lebt momentan in Prag, wo sie 1974 zur Welt kam.
Copyright: Goethe-Institut Prag
September 2010
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