10 Fragen an …

Henning Sommermeyer

Henning Sommermeyer

1) Was ist für Sie „typisch tschechisch“?

Kreative Lösungen für selbst schwierige Probleme zu finden. Tschechen können auf die letzte Minute alle nur erdenkbaren Mittel mobilisieren und lösen so die kompliziertesten Situationen.

2) Was ist für Sie „typisch deutsch“?

Der Versuch, Probleme durch vorausschauende Planung anzugehen und schrittweise eine Lösung zu erarbeiten. Kreativität wird dabei oft als störend empfunden.

3) Welchen Einfluss übt Tschechien auf Ihr Schaffen oder Ihr Leben aus?

Als jemand, der im deutschen Kulturkreis aufgewachsen ist, habe ich durch meine Arbeit im Ausland – vor Tschechien war ich in Portugal und Polen – gelernt, wie anregend es ist, mit Menschen mit anderen Kulturstandards zusammenzuarbeiten.

Es sind die verschiedenen Betrachtungsweisen und Lösungsansätze, mit denen ein multikulturelles Team Dinge erreichen kann, die in homogen zusammengesetzten Gruppen nie erreicht werden könnten. Von anderen zu lernen ist es, was mein Leben in einzigartigerweise jeden Tag zu einem wunderbaren Erlebnis macht!

4) Mit wem in Tschechien würden Sie gerne für einen Tag tauschen?

Mit Jara Cimrman, weil ich dann den ganzen Tag lang alle möglichen unmöglichen Dinge erfinden könnte, für die es keine Anwendung gibt. Außerdem wäre ich dann (beinahe) die wichtigste historische Person der tschechischen Geschichte. Vielleicht könnte ich auch zum Präsidenten gewählt werden?

5) Was verbindet Ihrer Meinung nach Tschechen und Deutsche?

Geschichte, Kultur, eine gemeinsame Grenze, starke Handelsbeziehungen …

6) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Tschechien?

Im Jahr 2004 habe ich versucht, bei den Verwaltungsdamen der Stadt Prag einen Parkausweis für das Auto meiner Frau für die blaue Zone zu erhalten. Man muss dazu wissen, dass das Auto meiner Frau eine deutsche Zulassungsnummer hatte, wir nach spanischem Familienrecht geheiratet haben – meine Frau also ihren Mädchennamen behalten hat –, ich einen englischen Mietvertrag als Wohnortnachweis vorlegte, ich mich selbst mit meinem deutschen Reisepass auswies und meine tschechischen Sprachkenntnisse sich auf „Dobrý den!“ beschränkten.

Die zwei Stunden mit den Damen vom Amt möchte ich nicht missen!

7) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Tschechien?

Die letzten fünf Minuten mit den Damen von der Parkzonenverwaltung der Stadt Prag. Zum Schluss teilten sie mir nämlich mit, dass es mit dem Parkausweis dann doch nichts werden würde: „…bei diesem Dokumentenchaos!“. Letztlich haben wir dann doch eine Garage angemietet.

8) Haben Sie einen Lieblingsort in Tschechien?

Die Deutsche Botschaft in Prag. Das Palais Lobkowicz ist nicht nur ein wunderschönes Gebäude, sondern auch ein wichtiges Symbol für die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands. Heute ist die Botschaft für mich eine Begegnungsstätte zwischen Deutschen und Tschechen, wo die Verbindung zwischen unseren Ländern gepflegt und intensiviert wird.

9) Auf was könnten Sie in Tschechien gerne verzichten?

Knödel, da ich als Norddeutscher eigentlich gar nicht weiß, wie man die isst.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Tschechien würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?

Den tschechischen Optimismus, dass es immer eine Lösung gibt, und die Zuversicht, dass man eine Lösung auch dann noch umsetzen kann, wenn man eigentlich nur noch fünf Minuten Zeit hat.




Henning Sommermeyer im Porträt

Dr. Henning Sommermeyer ist tschechischer Country Manager der Firma Nycomed, ein Pharmaunternehmen, das weltweit in über 50 Ländern agiert.

Henning Sommermeyer, geboren in der Rattenfängerstadt Hameln in Niedersachsen, ist seit 2004 in Tschechien tätig. Nach Studium und Promotion an der Universität Hannover war der 48-jährige Biochemiker zunächst einige Jahre in der Arzneimittelforschung tätig. Nach den Stationen Pharmamarketing und Strategische Planung bei der Bayer AG, übernahm er im Jahr 2000 die Leitung des Bayer-Pharmageschäftes in Portugal. In Mittelosteuropa verschlug es ihn zunächst nach Polen, als Leiter des dortigen Pharmabereichs von Bayer. 2004 wechselte er in die Tschechische Republik und wurde Geschäftsführer von Nycomed. Seit 2007 ist Henning Sommermeyer zudem Vorstandsmitglied der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer.

Henning Sommermeyer ist verheiratet. Seine Frau arbeitet als Managerin im französischen Lyon.

Copyright: Goethe-Institut Prag
Oktober 2010

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