Martin Krafl


1) Was ist für Sie „typisch deutsch“?
Sinn für Ordnung und Disziplin. Diese Eigenschaften der Deutschen bewundere ich sehr und sie sind mir sehr vertraut, denke ich. Wohl auch deswegen, weil meine Mutti deutsche Eltern hatte.
2) Was ist für Sie „typisch tschechisch“?Neid. Diese tschechische Eigenschaft kann ich nicht leiden. Leider kommt es mir so vor, als spiele sie in allen Sphären des Lebens in Tschechien eine Rolle. Typisch tschechisch sind aber auch Flexibilität und Kreativität, die ich bewundere.
3) Welchen Einfluss übt Deutschland auf Ihr Schaffen oder Leben aus?Einen grundlegenden Einfluss! Ich habe in den letzten vier Jahren in Deutschland gelebt und habe mich dort sehr wohl gefühlt. Einen noch größeren Einfluss hatte jedoch die deutsche Sprache auf mein Leben, im Arbeitsleben ebenso wie in meiner Beziehung. Aber auch deshalb, weil mich mein Weg in Zukunft nach Österreich führt, als Leiter des dortigen Tschechischen Zentrums.
4) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne einen Tag tauschen?Mit der Moderatorin Ina Müller. Ich mag ihren Humor, ihren Stil und ihre Chansons. Die Late-Night-Show „Inas Nacht“ aus Hamburg habe ich sehr gerne im Fernsehen gesehen. Gerne würde ich auch mal live dabei sein und hätte Lust, mich einmal als Moderator zu versuchen.
5) Was verbindet Ihrer Meinung nach Deutsche und Tschechen?Die Liebe zum Bier. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel: Ich trinke kein Bier. Aber beim Einkauf und in deutschen Restaurants komme ich immer wieder ob der breiten Palette an Biermarken ins Staunen. Und es macht mir Freude zu sehen, dass unter ihnen auch mehr und mehr tschechische Biere auftauchen.
6) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?Die Oper „Dido & Aeneas“ in der Berliner Staatsoper. Ich glaube sogar, das Atmen vergessen zu haben. Das war wirklich ein einmaliges Erlebnis mit einem riesigen Aquarium auf der Bühne.
7) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?Der 8. Januar 2010. Das war ein trauriger Tag. In Berlin hat mich auf immer meine treue Hündin Denny verlassen – nach 17 gemeinsam durchlebten Jahren.
8) Haben Sie einen Lieblingsort in Deutschland?Den habe ich: Die Hansestadt Bremen. Behaglich, bezaubernd und an einem wirklich schönen Ort gelegen. Ich habe dort tolle Freunde und kehre immer wieder gerne dorthin zurück.
9) Auf was könnten Sie in Deutschland gerne verzichten?Auf die unendlichen Warteschlangen auf den Postämtern. Irgendwie gerate ich immer wieder in eine, egal in welcher Stadt in Deutschland ich auch bin.
10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in Tschechien übernehmen?Verkaufsfreie Sonntage! Auf den Ladenschluss am Sonntag habe ich mich zunächst nur schwer gewöhnen können. Aber schon nach wenigen Wochen habe ich die sonntägliche Ruhe überall in Deutschland sehr genossen. Das hat etwas für sich...
Martin Krafl im Porträt:
Martin Krafl ist ein Senkrechtstarter. Mit nur 25 Jahren wurde er Pressesprecher der Präsidentenkanzlei unter Václav Havel und eilt seither von einem Erfolg zum anderen. Bis 2011 war er Leiter des Tschechischen Zentrums in Berlin, im Jahr 2012 verschlägt es ihn nach Wien, erneut als Direktor des tschechischen Kulturinstituts.
1971 im nordböhmischen Teplice geboren, studierte Martin Krafl Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt auf Internationale Beziehungen in Prag und Wien. Erfahrungen in den Bereichen Journalismus und Public Relations sammelte er neben Tschechien auch in Großbritannien, Schweden, Finnland, Belgien, Portugal und Japan. Nach sieben Jahren auf der Prager Burg wechselte er für drei Jahre als Pressesprecher zum Tschechischen Fernsehen. Er ist Mitarbeiter des Tschechischen Rundfunks und Autor der Glossensammlung „Jednou za časníky“, die im Verlag „Edice ČT“ erschienen ist.
Martin Krafl wurde 2006 mit den Titeln Pressesprecher des Jahres und Sprecher der Öffentlichkeit ausgezeichnet.
Copyright: Goethe-Institut, Prag
Dezember 2011
Übersetzung: Martin Nejezchleba
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