Miroslav Srnka


1) Was ist für Sie „typisch deutsch“?
Grünflächen die geometrisch von der umstehenden Bebauung getrennt sind, Hygiene und Schnelligkeit.
2) Was ist für Sie „typisch tschechisch“?Die Flucht in die Natur, Ironie und Unzufriedenheit.
3) Welchen Einfluss übt Deutschland auf Ihr Schaffen oder Leben aus?Einen ganz grundsätzlichen: In Deutschland befindet sich die größte Szene Zeitgenössischer Musik und mein Verlag Bärenreiter.
4) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne einen Tag tauschen?Mit dem Geiger am hintersten Pult der Berliner Philharmoniker.
5) Was verbindet Ihrer Meinung nach Deutsche und Tschechen?Eine unendliche Geschichte gemeinsamer Freuden, gegenseitig angetanen Unrechts und des Verzeihens – in etwas so wie zwischen zwei Geschwistern, der eine groß, der andere klein.
6) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?Die nächtlichen Fahrradfahrten durch Berlin zu meinem Nebenjob in einer Druckerei. Und dann als ich nach der Premiere meines musikalischen Comics auf der Bühne der Semperoper inmitten von Tausend tobenden und applaudierenden sächsischen (und zwei tschechischen) Strolchen stand.
7) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?Das Warten auf der Fremdenpolizei und das erste Treffen mit der Hausverwalterin meines Studentenwohnheims.
8) Haben Sie einen Lieblingsort in Deutschland?Die Flaucher-Auen an der Isar im Süden Münchens und die Dünen in Cuxhaven, wo ich zum ersten Mal das Meer sah. Und auch die Kurven auf der A8 vor Rosenheim, dort wo auf einmal die Seen und Alpen auftauchen. Ja und dann noch die Wasserkaskaden in Kassel-Wilhelmshöhe.
9) Auf was könnten Sie in Deutschland gerne verzichten?Auf die Frage, ob in meinem Nachnamen nicht ein Vokal fehle.
10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in Tschechien übernehmen?Das Bauen von Autobahnen ohne Hubbel und Werbetafeln.
Miroslav Srnka im Porträt:
Der Komponist Miroslav Srnka gilt als eines der vielseitigsten und überzeugendsten Talente seiner Generation. Geboren 1975 in Prag studierte er Musikwissenschaften an der Karlsuniversität und Komposition an der Akademie für musische Künste. Seine Studien setzte er in Berlin und Paris fort.
Der 36-Jährige wurde unter anderem mit dem Gideon Klein-Preis und dem Leoš Janáček-Jubiläumspreis ausgezeichnet. Außerdem nahm er 2009 den Komponisten Förderpreis der Ernst von Siemens-Stiftung sowie den der Wilfried-Steinbrenner-Stiftung entgegen.
Seine Kompositionen wurden unter anderem vom Ensamble Modern, Ensemble Intercontemporain oder dem BBC Philharmonic interpretiert. Er ist Autor der Kurz-Oper „Wall“ nach einer Vorlage von Jonathan Safran Foer, die 2005 an der Berliner Staatsoper uraufgeführt wurde. Ab 2006 war er ein Jahr lang „Komponist für Heidelberg“ am dortigen Theater und Philharmonischen Orchester. 2011 feierte seine Kammer-Oper „Make no Noise“ während der Münchner Opernfestspiele Premiere und im gleichen Jahr zeigte die Semperoper Dresden seine Kinder-Comic-Oper „Jakub Flügelbunt und Magdalena Rotenband oder: Wie tief ein Vogel singen kann“.
Miroslav Srnka ist zweifacher Familienvater.
Copyright: Goethe-Institut, Prag
Februar 2012
Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
info@prag.goethe.org










