Dagmar Pecková


1) Was ist für Sie „typisch deutsch“?
Fleiß und Respekt gegenüber den Vorgesetzten.
2) Was ist für Sie „typisch tschechisch“?Sich ständig über etwas zu beschweren, ohne zu versuchen, etwas besser zu machen.
3) Welchen Einfluss übt Deutschland auf Ihr Schaffen oder Leben aus?Ich lebe hier schon so lange, dass es mir gar nicht mehr in den Sinn kommt, es könnte anders sein. In Deutschland ist mir aber vollkommen klar geworden, dass ich mein Ziel hartnäckig verfolgen muss, um es tatsächlich erreichen zu können.
4) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne einen Tag tauschen?Also mit der Kanzlerin oder dem Finanzminister auf keinen Fall. Das sind für mich gänzlich unverständliche, schwere Berufe. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann wohl mit niemandem. Ich fühle mich wohl in meiner Haut.
5) Was verbindet Ihrer Meinung nach Deutsche und Tschechen?Mit Sicherheit die Kultur und eine lange gemeinsame Geschichte. Wir können einfach nicht so tun, als gäbe es diesen jahrhundertelangen deutschen Einfluss nicht.
6) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?Als man mich vor 26 Jahren ohne die geringsten Vorurteile an die Dresdner Semperoper engagierte, obwohl man von mir in Prag aufgrund meiner Musical-Vergangenheit nichts wissen wollte. Für mich war das ein Sprungbrett in höhere Sphären!
7) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?Nach der Grenzöffnung war ich für kurze Zeit Solistin an der Stuttgarter Oper. Als ich dort eine Wohnung suchte, wurde ich einmal wegen meiner slawischen Herkunft unschön abgefertigt.
8) Haben Sie einen Lieblingsort in Deutschland?Ja. Den Ort, an dem ich mit meiner Familie lebe.
9) Auf was könnten Sie in Deutschland gerne verzichten?Ich habe ein kleines Problem mit dem Pflichtfach Religion an deutschen Schulen. Meine Tochter büffelte unlängst für eine schriftliche Klassenarbeit zum Thema Schutzengel. Sie musste genau wissen, wovor welcher Engel wen beschützt. Als ich versuchte, ihr – Schutzengel hin oder her – zu erklären, dass man vor dem Überqueren der Straße nach links und nach rechts schauen müsse, kam ich mir vor wie ein Idiot... meine Tochter geht in die 5. Klasse! Und in der Stunde darauf folgt dann der Biologieunterricht.
10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in Tschechien übernehmen?Die Dinge in Ordnung zu haben, Höfe und Straßen zu fegen, die Häuser und ihre Umgebung sauber und gepflegt zu halten, damit Städte und Dörfer schön anzuschauen sind. Und auf jeden Fall die ICE-Züge. Sie sind sauber und bequem; ich benutze sie lieber als das Auto. Zum Beispiel die Strecke Freiburg – Berlin schafft man mit dem Zug in sechs Stunden.
Dagmar Pecková im Porträt:
Sie gehört zu den bekanntesten tschechischen Sängerinnen. Die renommierte Mezzosopranistin Dagmar Pecková begeistert das Opernpublikum seit über 30 Jahren und trat unter anderem bereits in Tokio, Madrid, New York, Paris und London auf. Prag besucht sie sowohl privat als auch beruflich gerne; an ihr Leben in Deutschland hat sie sich aber gewöhnt. Die Sängerin lebt mit ihren beiden Kindern in Freiburg.
Dagmar Pecková wurde im ostböhmischen Chrudim geboren. 1977, im Alter von nur 16 Jahren, begann sie ein Studium am Prager Konservatorium. 1981 trat sie zum ersten Mal in der Pilsner Oper auf. Obwohl sie Gewinnerin des internationalen Antonín-Dvořák-Gesangspreises war, wurde sie 1982 vom Prager Nationaltheater abgelehnt – „mangelndes Talent“, so die damalige Begründung.
Ihre erfolgreichen Engagements an der Dresdner Semperoper, in Berlin und Stuttgart machten sie international bekannt. Dagmar Pecková ist mit dem deutschen Musiker Klaus Schiesser verheiratet. Sie hat zwei Kinder: Sohn Theodor und Tochter Dorothea.
Copyright: Goethe-Institut, Prag
März 2012
Übersetzung: Ivan Dramlitsch
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