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Säcke voller Beute

© Foto: Zuzana Kruťová (Lizenz CC BY-SA)Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová

Säcke voller Beute

Zehntausende Menschen in Tschechien räumen in ihrer Freizeit Müll in der Natur auf. Dabei kommen mitunter kuriose Fundstücke zum Vorschein.

Wohin mit chemischem Abfall, Asbest, benutzten Spritzen oder der toten Ratte in einer leeren Plastikflasche? Auch darauf musste Zuzana Kruťová die Freiwilligen vorbereiten. Sie ist stellvertretende Rektorin und Koordinatorin für ökologische Erziehung an der Grundschule Horníkova in Brno-Líšeň. Gemeinsam mit ihren Schülern, deren Eltern und weiteren Freiwilligen hat sie sich am 16. April der landesweiten Aktion Machen wir die Welt sauber, machen wir Tschechien sauber! (Ukliďme svět, ukliďme Česko) angeschlossen. Es handelt sich um eine gemeinsame Initiative des Vereins Ekosmák und des Tschechischen Naturschutzbundes, der bereits seit dem Jahr 1993 die Aktion Ukliďme svět durchführt – inspiriert von der internationalen Kampagne Clean Up the World.

Illegale Mülldeponien aufräumen

Am Beginn des Projektes Ukliďme Česko steht Miroslav Kubásek mit seiner App ZmapujTo (sinngemäß etwa: Setz es auf die Karte!), mithilfe derer Bürger die Ämter über illegale Mülldeponien oder andere Probleme in ihren Städten und Gemeinden informieren können. „Die gemeldeten Lager hat vielerorts trotzdem niemand aufgeräumt, so dass wir selbst ein gemeinsames Großreinemachen organisiert haben“, erklärt Radek Janoušek, der für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die erste landesweite Aufräumaktion fand im Jahr 2014 statt. Fast 6000 Freiwillige beteiligten sich und beseitigten rund 350 Tonnen Müll. Schon ein Jahr später halfen bereits 31.000 Menschen mit, in diesem Frühjahr waren es in ganz Tschechien sogar rund 78.000 Freiwillige.

„Wir versuchen in den Medien auf das Problem der illegalen Deponien aufmerksam zu machen“, so Radek Janoušek. Vor allem deshalb sei innerhalb der vergangenen zwei Jahre eine positive Entwicklung festzustellen. „Davon zeugt nicht nur die gestiegene Zahl der beteiligten Freiwilligen, unter ihnen auch Politiker, sondern ebenso eine Novelle des Abfallgesetzes, die im Unterschied zur derzeitigen Regelung vorsieht, die Problematik der illegalen Müllhalden auch auf legislativer Ebene zu lösen.“ Der zweite Grund ist laut Janoušek der bessere Wissensstand. Denn gefährlicher Abfall endet oft gerade deshalb auf illegalen Lagern, weil die Menschen nicht wüssten, wie sie mit ihm umzugehen hätten.


  • Dem Projekt Ukliďme Česko haben sich Dutzende Schulen, Kinderheime, Firmen, Organisationen, Politiker und selbstorganisierte Gruppen angeschlossen. Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová.

  • Fundstücke unter anderem: ein einzelner Ski und ein Eishockeyschläger. Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová.

  • Aufgelöst wurde auch ein „Schlafzimmer“ in der Natur, wobei eine Matratze mit drumherum verstreuten Kondomen entsorgt wurde. Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová.

  • Frühlingsputz in der tschechischen Natur (Aktion Ukliďme svět, ukliďme Česko im April 2016). Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová.

  • Das Großreinemachen in der Natur ist auch ein geselliges Ereignis, eine Gelegenheit, Mitschüler, andere Eltern, die Lehrer der Kinder und Nachbarn zu treffen. Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová.

  • Auch in Reaktion auf Medienberichte über illegale Mülldeponien hat das tschechische Abgeordnetenhaus eine Novelle des Abfallgesetzes auf den Weg gebracht. Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová.

  • Manche Abfälle haben vor ihrer Entsorgung bereits Jahre und Jahrzehnte verborgen im Gestrüpp zugebracht. Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová.

  • Über bunten Kabelsalat freuen sich auch Altmetallhändler. Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová.

  • Schutzmaske eines pensionierten Eishockeytorwarts oder der Maulkorb eines sehr großen Hundes? Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová.

  • Frühlingsputz in der tschechischen Natur (Aktion Ukliďme svět, ukliďme Česko im April 2016). Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová.

  • Im April 2016 räumten tschechienweit rund 78.000 Freiwillige insgesamt 1760 Tonnen Müll auf - das sind 22,5 Kilogramm pro Person. Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová.

  • Autorin Ester Dobiášová (links) räumte mit zehntausenden weiteren Freiwilligen in der tschechischen Natur auf. Foto (CC BY-SA): Zuzana Kruťová.



Der Frühling und seine verborgenen Schätze

So trugen im April 2016 zehntausende Menschen Säcke voller Beute in Form von Plastiktüten, Styropor, kaputten Flaschen, abgetragenen Klamotten, zerstochenen Bällen, Bechern und anderem Gerümpel aus den Wäldern, Wiesen und Hängen der Republik. Dem Projekt haben sich Dutzende Schulen, Kinderheime, Firmen, Organisationen, Politiker und selbstorganisierte Gruppen angeschlossen mit dem Ziel die Umwelt zu pflegen, in der sie leben und aufwachsen und an der ihnen etwas liegt. Sie haben sich angeschlossen, um ihren kleinen, aber nicht bedeutungslosen Teil zu einer saubereren Umwelt beizutragen und dafür die Natur aufzuräumen.

„Ich mache mit, weil ich der Erde helfen möchte, damit sie nicht vollgemüllt ist und damit sie ein schönerer Ort wird“, erklärt eine Schülerin der Grundschule Horníkova in Brno-Líšeň ihre Motivation. Die Pädagogin Zuzana Kruťová erwähnt noch einen weiteren Aspekt: „Es gefällt mir, dass die Leute diese Aktion einerseits als nützlich für die Natur begreifen, aber oft auch als ein geselliges Ereignis, eine Gelegenheit, um sich mit Mitschülern, mit anderen Eltern, mit den Lehrern ihrer Kinder und den Bewohnern der Nachbarschaft zu treffen. Wir stellen auch fest, dass gemeinsame Bemühungen von Kindern und Erwachsenen, gemeinsame Anregungen zu Verbesserungen, hinterher auch nicht zerstört werden. Die Teilnehmenden werden nicht zu denjenigen, die ihren Müll irgendwo abladen. Und außerdem verbreiten sie diesen Gedanken weiter.“

Die Frühlingsmonate eignen sich am besten für das Reinemachen in der Natur, „denn dann zeigen sich alle im Winter zurückgelassenen Abfälle, und die Bäume und Sträucher haben noch keine Blätter, die die Sicht darauf versperren“, berichtet Zuzana Kruťová aus eigener Erfahrung. „Aber auch im Herbst macht es Sinn“, fügt sie hinzu. „Im vergangenen Jahr haben wir eine 20 Jahre alte Milchverpackung zu zwei tschechischen Kronen, die Kufe eines Schlittschuhs, eine Autokarosserie tief im Gestrüpp oder einen alten Koffer gefunden. In diesem Jahr haben wir ein Schlafzimmer in der Natur entfernt und eine Matratze mit drumherum verstreuten Kondomen entsorgt. Außerdem haben wir einen einzelnen Ski und einen Hockeyschläger gefunden“, zählt Zuzana einige der Kuriositäten auf, die „erbeutet“ wurden.

„Es war diesmal weniger Müll als im vergangenen Jahr. Denn großflächige illegale Lager, die wir schon aufgeräumt hatten, sind an diesen Stellen nicht wieder neu entstanden. In diesem Jahr handelte es sich eher um verstreuten Müll und illegale Lager, die wir im vergangenen Jahr nicht geschafft haben zu entfernen“, erwähnt Zuzana Kruťová konkrete Fortschritte gegenüber dem Vorjahr.

Für den 17. September ist das große Herbstreinemachen geplant. Wer mitmachen möchte, kann sich auf der Internetseite des Projektes informieren, an welchen Orten die Müllsammler unterwegs sein werden. Wer einmal in seiner Heimatgemeinde oder -stadt auf der Suche nach Abfall war, wird sie danach mit ganz anderen Augen wahrnehmen.

    Zur Geschichte

    September 2016
    Material
    Tschechien, diverse Orte

    Ukliďme Česko

    Autorin

    Ester Dobiášová
    ist studierte Kunstwissenschaftlerin und freie Journalistin. Sie schreibt regelmäßig für jádu, das deutsch-tschechische Onlinemagazin des Goethe-Instituts Prag. Ester lebt in Brno und entdeckt gern Unbekanntes. Beim Frühjahrsputz von Ukliďme Česko „erbeutete“ sie im April 2016 mehrere Plastiksäcke voll Müll.

    Übersetzer

    Patrick Hamouz

    Partner

    jádu

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