Future Perfect

Städtischer Schandfleck wird Park

Karin Kapotte© Karin Kapotte

Städtischer Schandfleck wird Park

Einen Spielplatz bauen. Geld sammeln. Bäume pflanzen. Die Aktionsgruppe CanalPark BXL nutzt alle Mittel, um eine No-Go-Zone in einen lebendigen Nachbarschaftspark zu verwandeln.

„In Brüssel dauert es immer sehr lange, bevor die Politik etwas verändern kann. Im Fall der Porte de Ninove wo wir diesen Park haben möchten, ist schon seit 15 Jahren nichts mehr passiert. Und nur, weil drei Behörden zuständig sind. Uns wird schon seit Jahren ein Park versprochen, aber passiert ist bisher nichts.“, sagen Bram Dewolfs und Yannick Schandené vom Aktionskomitee CanalPark. Deshalb bringen sie jetzt selbst Bewegung in die Sache.

Ihr erster Streich? Die Aktion „Picnic the Streets“ im September 2013, bei der eine der wichtigsten Verkehrsadern Brüssels durch picknickende Bürger blockiert wurde. Dort trafen sich verschiedene Aktivistinnen und Aktivisten, die Mitglieder von CanalPark und engagierte Brüsseler. Sie hatten alle möglichen Ideen, um die Betonwüste rund um die Porte de Ninove am Westufer des Brüsseler Kanals in einen öffentlichen Park zu verwandeln. „Die Nachbarschaft könnte ihn wirklich gut gebrauchen“, sagt Kreativ-Aktivist Bram Dewolfs. „Mit CanalPark hatten wir Kontakt mit Bewohnern der Gegend rund um die Porte de Ninove. Es zeigte sich sehr schnell, dass viele Menschen lieber eine Grünzone hätten als ein brach liegendes Gelände aus Beton. Hier wohnen auch viele Kinder, die nicht genug Platz zum Spielen haben.“

Aktionsführung im 21. Jahrhundert

Seit den ersten spielerischen Schwerpunktaktionen von CanalPark hat die Politik selbst einen Schritt in die richtige Richtung gemacht: Die verfallene Halle, die auf dem Gelände stand, wurde abgerissen. Das riesige Gebäude, groß wie ein Fußballplatz, war vorher jahrelang leer gestanden. Es war in akuter Gefahr, zu einer wilden Müllkippe zu werden. Nach dem Abriss begannen die kreativen Widerständler von CanalPark umgehend, die Zone aufzuräumen und mit Bäumen in Beschlag zu nehmen. Einen echten Park gibt es an der Porte de Ninove noch nicht, aber einen Pop-up-Wald, den die Aktionsgruppe CanalPark selbst gepflanzt hat. Zu diesem Zweck organisierten sie ein Growfunding: eine Geldsammelaktion, die sage und schreibe 6000 Euro eingebracht hat. „Manche Leute sponsern einen Baum. Andere Fans des Projekts haben Spielzeug und eine Rutschbahn gekauft. Ideal für die Kinder im Park“, erzählt Yannick Schandené.

Von dem Geld ist noch einiges übrig. Derzeit denkt das Komitee CanalPark über neue Aktionen nach. „Die brauchen nicht einmal viel zu kosten. Über mehrere Ecken haben wir zum Beispiel kostenlos einen Posten Grasmatten bekommen. Damit haben wir, als spielerische Aktion, diese Betonfläche bedeckt. Die Fotos davon sind wunderschön. Und über die sozialen Medien haben sie sich blitzschnell verbreitet. Das nenne ich eine effiziente Aktionsführung im 21. Jahrhundert: spielerisch, originell und unter Einbeziehung der sozialen Medien“, erinnert sich Yannick begeistert.


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Hecke

Machen Sie sich selbst ein Bild: Der improvisierte Pop-up-Park an der Porte de Ninove funktioniert. Er hat sehr schnell zahlreiche Besucher angelockt, vor allem aus der Nachbarschaft. „Im Sommer versammelten sich jeden Abend rund 15 ältere Algerier unter den Bäumen. Sie kamen dorthin, um sich zu unterhalten und ein Tässchen Tee zu trinken. Der Park wird so zu einem echten Treffpunkt“, freut sich Yannick. Die Partizipation komme dabei oft auch aus unerwarteten Ecken. Als das Komitee einmal mit ein paar Aktivisten versuchte, die Hecke rund um den Park mit drittklassigem Werkzeug zu beschneiden, schaltete sich ein pensionierter Gärtner aus der Nachbarschaft ein. Er kramte sein professionelles Werkzeug hervor und erledigte die Arbeit in einer knappen Stunde. So ist der Park wirklich ein Gemeinschaftswerk, eines, das unter anderem Yannick motiviert: „Es ist unglaublich, was sich hier seit dem Picknick alles verändert hat. Und zwar dank der Initiativen der Bürger und Nachbarn selbst. Die Ideen kommen von unten. Die Politik kann eigentlich gar nichts anderes tun als zu folgen.“

Grillzeit

Auch wenn sich die Politik langsam wieder einschaltet, ist die Arbeit der Gruppe CanalPark bei weitem nicht beendet. Zwar steht der Park seit ihren Aktionen wieder auf der politischen Agenda. Aber das Komitee kämpft weiterhin für einen vollwertigen Park, nicht nur für einen kleinen Grünstreifen. Das Gelände ist schließlich 2,5 Hektar groß und birgt enormes Potenzial. Gleichzeitig kämpfen die Aktivisten gegen Planungen, den zukünftigen Park anders zu nutzen, bzw. zu zerschneiden. So sollte eine Straßenbahnlinie durch das Gelände geführt werden, was nun aber vorläufig vom Tisch ist. So kann Bram Dewolfs weiter träumen: „Unser Endziel ist ein großer Park, der den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht. Ein Park, der Raum bietet für Begegnungen, Spiele und Entspannung. Es wäre wunderbar, wenn das gelänge.“

    Zur Geschichte

    Mai 2015
    Raum & Wohnen
    Belgien, Brüssel

    Canal Park BXL Facebook

    Autor

    Thijs Demeulemeester
    ist freier Journalist aus Gent, Belgien. Er schreibt u.a. für De Tijd, Weekend Knack und Trends.

    Übersetzung

    Goethe-Institut Brüssel

    Partner

    Oikos
    etopia

    Auf Niederländisch

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