Grenze und Spionage

Der Stoff aus dem die Träume sind

© Studiokanal
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Regie: Alfred Vohrer
BRD 1972


Frankfurt am Main/ Prag, 1968 – während in der einen Stadt der friedliche Alltag den Takt angibt, rollen in der anderen Stadt die Panzer ein. Der Film "Der Stoff aus dem die Träume sind" verknüpft Lebensgeschichten aus West- und Osteuropa mit Spionageelementen á la James Bond und shakespeareschem Drama. In einem Flüchtlingslager in Neurode treffen alle Geschichten aufeinander: der auf der Flucht verwaiste Karle, die ihrem geflohenen Verlobten, einem "Überläufer", folgende Irina (Hannelore Elsner) und die Journalisten Walter und Bertie, die in den Flüchtlingsdramen eine gute Story wittern. Nach einer versuchten Entführung und einem brutalen Mord geraten die Protagonisten immer tiefer in das Netzwerk der Spionage, denn der Mord war nur ein Puzzleteil in einer internationalen Affäre zwischen CIA, KGB und dem bundesdeutschen Verfassungsschutz. t

Undurchdringliche Grenze

© Studiokanal Die Grenze zwischen (West-) Deutschland und der Tschechoslowakei war nie so undurchdringbar wie zu dieser Zeit, das kommt auch in Stoff, aus dem die Träume sind zur Geltung. Der Film von Alfred Vohrer greift die Grenz- und Flüchtlingsthematik der damaligen Zeit auf und zeigt die vermeintliche Ignoranz des Westens gegenüber dem, was in der Tschechoslowakei geschieht. Er zeigt ein Spektrum an Charakteren zwischen leidgeprüften Flüchtlingen und der Verstrickung von Grenzüberquerern in Spionagetätigkeiten.

"Gute Tschechen" und "profitsüchtige Westdeutsche"

© Studiokanal Westdeutsche werden einseitig negativ als arrogante, ignorante und profitsüchtige Menschen gezeichnet. Dafür ist das Bild der Tschechen ein recht positives: Der gute tschechische Vater, der alles gibt, damit sein Sohn Karle in Freiheit groß werden kann, Karle, das höfliche und liebenswerte Kind, das durch die Ereignisse leicht verwirrt und verängstigt ist und Irina, die wunderschöne, gutgläubige, aufopferungsvolle junge Frau, die alles tun würde, um ihren geliebten Verlobten wiederzusehen.

Der Stoff aus dem die Träume sind versucht, eine kritische Sicht auf die Machenschaften der damaligen Politik und der Presse zu zeigen. Er ist sowohl spannend und unterhaltsam, als auch durchdacht und unberechenbar.
Tatyana Synková
hat Kulturjournalismus, Slavistik und Romanistik studiert und ist als freie Journalistin in Prag tätig.

Goethe-Institut Prag
März 2013
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