Über das Projekt

Grenzstreifen

Tauchen Sie ein in Geschichten voller Spionage, Flucht und Propaganda. Erleben Sie Prag als „Grenzort“, Besonderheiten des Lebens an der Grenze und entdecken Sie den tschechoslowakischen Mehrsprachenfilm.

Was teilt heute die deutsch-tschechische Grenze? Sprachen, Mentalitäten, kulturelle Gewohnheiten? Mit Auto, Zug oder Bus überquert man sie heute, ohne sie unbedingt sofort wahrzunehmen, Deutsches und Tschechisches bildet einen oft fließenden Übergang, keinerlei Kontrolle muss mehr passiert werden, ohne Erklärung und langwierige Dokumentprüfung kann man von einem Land ins andere fahren, sei es für einen Nachmittagsausflug oder einen längeren Aufenthalt im europäischen Nachbarland.

Schwer vorstellbar ist heute die Rigorosität, mit der eben diese Grenze einen prägenden Teil ihrer Existenz gesichert war: Was heute ein Autoausflug ist, konnte früher das Leben kosten. Sie teilte Nationalitäten in einer Zeit, in der „Volkszugehörigkeit“ ein Kriterium war, das über Leben und Tod entscheiden konnte; nach den Vertreibungen der deutschen Bevölkerung auf tschechischer Seite in der unmittelbaren Nachkriegszeit erlebte die Grenzregion einen tiefgreifenden strukturellen Wandel. Später teilte sie um globale Vorherrschaft konkurrierende Ideologien, das Land jenseits war Sehnsuchtsort oder feindliches Gebiet; Menschen, die nur wenige Kilometer voneinander wohnten, konnten sich in einer langen Etappe ihrer Existenz nie begegnen, kannten Tagesreisen entfernte Orte besser als die Gegend in unmittelbarer Nähe. In dieser Zeit war die deutsch-tschechische Grenze „eisern“, hinterm „Vorhang“ war die Welt sprachlich, ideologisch, politisch und alltagstechnisch eine ganz andere. Dennoch – oder gerade deshalb – waren die Grenze und die Bewohner „jenseits“ immer wieder Handlungsort, Thema oder implizite Fragestellung in Literatur, Kunst und Film.

Gerade das Medium Film bietet hierbei einen besonderen Einblick, wie Grenze jeweils verstanden wurde: zum einen unmittelbar durch die jeweils dargestellte Handlung, zum anderen durch Bildsprache und die Darstellung von Charakteren, vor allem der jeweils „anderen“. Wertvoll ist der Einblick unter anderem, weil er Erklärungsbausteine liefern kann für noch immer erkennbare Unterschiede, Klischees, Trennlinien und ihre dynamische Veränderung.

Grenzstreifen – die deutsch-tschechische Grenze im Film ist ein multiperspektivisches und multimediales Projekt des Goethe-Instituts Prag in Zusammenarbeit mit Antikomplex und weiteren Partnern, das Ihnen einen spannenden Einblick in Filme aus acht Jahrzehnten (nicht nur) west- und ostdeutscher und tschechischer beziehungsweise tschechoslowakischer Filmgeschichte präsentiert: Tauchen Sie ein in Geschichten von Spionage, Flucht, Propaganda, erleben Sie Prag als „Grenzort“, Besonderheiten des Lebens an der Grenze, und entdecken Sie den tschechoslowakischen Mehrsprachenfilm.

Diese Website bietet Ihnen einen Einstieg in das Thema „Grenze und Film“ durch Essays und Grundlagentexte, Überblicksartikel zu 22 ausgewählten Filmen, verfasst von deutschen und tschechischen Filmwissenschaftlern/innen und -Journalisten/innen, aus Archiven zusammengetragene Filmbilder, Trailer und weiterführende Links und Hintergrundinformationen; bald finden Sie hier auch Spannendes zum zweiten Modul, Grenzstreifen an Schulen, bei dem das Projekt aus dem Web an Schulen in die Grenzregion getragen wird.
Die deutsch-tschechische Grenze teilt Sprachen, Mentalitäten und kulturelle Gewohnheiten, sie ist eine historisch gewachsene Tatsache. Doch sie ist heute auch Ort und Sinnbild dynamischer Veränderungen, des Zerfließens klarer Linien und des lebendigen Austauschs.

Im Laufe der Projektentstehung waren folgende Personen beteiligt
(in chronologischer Reihenfolge):
Sven Grampp, Martin Nejezchleba, Klára Konečná, Alice Aronová, Barbara Bresslau.

Umsetzung 2012/2013:
Angelika Eder, Klára Hošková, Ondřej Matějka, Šárka Krtková mit den Autoren, Übersetzern und Projektpartnern.

    Magazin des Goethe-Instituts in Tschechien