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Machen wir die Welt sauber!

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jádu-Autorin Ester Dobiášová (links) räumte mit zentausenden weiteren Freiwilligen in der tschechischen Natur auf. Foto: © Zuzana Kruťová

Machen wir die Welt sauber, machen wir Tschechien sauber! (Ukliďme svět, ukliďme Česko) ist eine tschechienweite Aktion auf freiwilliger Basis. Ihr Ziel ist es, illegale Mülllager aufzuräumen. jádu-Autorin Ester Dobiášová hat im April mitgemacht. Im September wird sie wieder dabei sein.

Wohin mit chemischem Abfall, Asbest, benutzten Spritzen oder der toten Ratte in einer leeren Plastikflasche? Auch darauf musste uns Zuzana Kruťová vorbereiten. Sie ist stellvertretende Rektorin und Koordinatorin für ökologische Erziehung an der Grundschule Horníkova in Brno-Líšeň. Gemeinsam mit ihren Schülern, deren Eltern und weiteren Freiwilligen inklusive mir hat sie sich am 16. April der landesweiten Aktion Machen wir die Welt sauber, machen wir Tschechien sauber! (Ukliďme svět, ukliďme Česko) angeschlossen. Es handelt sich um eine gemeinsame Initiative des Vereins Ekosmák, dessen Kampagne Ukliďme Česko und des Tschechischen Naturschutzbundes, der bereits seit dem Jahr 1993 die Aktion Ukliďme svět durchführt – inspiriert von der internationalen Kampagne Clean Up the World.

Illegale Mülllager aufräumen

Am Beginn des Projektes Ukliďme Česko steht Miroslav Kubásek mit seiner App ZmapujTo (sinngemäß etwa: Setz es auf die Karte!) , mithilfe derer Bürger die Ämter über illegale Müllager oder andere Probleme in ihren Städten und Gemeinden informieren können. „Die gemeldeten Lager hat vielerorts niemand aufgeräumt, so dass wir selbst ein gemeinsames Großreinemachen organisiert haben,“ erklärt Radek Janoušek, der für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die erste landesweite Säuberungsaktion fand im Jahr 2014 statt. Fast 6000 Freiwillige beteiligten sich und räumten rund 350 Tonnen Müll auf. Schon ein Jahr später halfen bereits 31.000 Menschen mit, in diesem Frühjahr waren es in ganz Tschechien sogar rund 78.000 Freiwillige.

„Wir versuchen in den Medien auf das Problem der illegalen Mülllager aufmerksam zu machen“, so Radek Janoušek. Vor allem deshalb sei innerhalb der vergangenen zwei Jahre eine positive Entwicklung festzustellen. „Davon zeugt nicht nur die gestiegene Zahl der beteiligten Freiwilligen, unter ihnen auch Politiker, sondern ebenso eine Novelle des Abfallgesetzes, die im Unterschied zur derzeitigen Regelung vorsieht, die Problematik der illegalen Mülllager auch auf legislativer Ebene zu lösen.“ Der zweite Grund ist laut Janoušek der bessere Wissensstand. Denn gefährlicher Abfall endet oft gerade deshalb auf illegalen Lagern, weil die Menschen nicht wüssten, wie sie mit ihm umzugehen hätten.


Der Frühling und seine verborgenen Schätze

Wir waren nicht die einzigen, die aus den Wäldern, Wiesen und Hängen unserer Republik volle Säcke trugen mit Beute in Form von Plastiktüten, Styropor, kaputten Flaschen, abgetragenen Klamotten, zerstochenen Bällen, Bechern und anderem Gerümpel. Dem Projekt haben sich Dutzende Schulen, Kinderheime, Firmen, Organisationen, Politiker und selbstorganisierte Gruppen angeschlossen mit dem Ziel die Umwelt zu pflegen, die in der wir leben und aufwachsen und an der uns etwas liegt. Sie haben sich angeschlossen, um mit ihrem kleinen aber nicht bedeutungslosen Teil eine sauberere Umwelt zu schaffen und in der Natur aufzuräumen.

„Ich mache mit, weil ich der Erde helfen möchte, damit sie nicht vollgemüllt ist und damit sie ein schönerer Ort wird“, erklärt eine Schülerin der Grundschule Horníkova in Brno-Líšeň ihre Motivation. Zuzana Kruťová erwähnt noch einen weiteren Aspekt: „Es gefällt mir, dass die Leute diese Aktion einerseits als nützlich für die Natur begreifen, aber oft auch als ein geselliges Ereignis, eine Gelegenheit, um sich mit Mitschülern, mit anderen Eltern, mit den Lehrern ihrer Kinder und den Bewohnern der Nachbarschaft zu treffen. Wir stellen auch fest, dass gemeinsame Bemühungen von Kindern und Erwachsenen, gemeinsame Anregungen zu Verbesserungen, hinterher auch nicht zerstört werden. Die Teilnehmer werden nicht zu denjenigen, die ihren Müll irgendwo abladen. Und außerdem verbreiten sie diesen Gedanken weiter.“

Die Frühlingsmonate eignen sich am besten für das Reinemachen in der Natur, „denn dann zeigen sich alle im Winter zurückgelassenen Abfälle und die Bäume und Sträucher haben noch keine Blätter, die die Sicht darauf versperren“; berichtet Zuzana Kruťová aus eigener Erfahrung. „Aber auch im Herbst macht es Sinn“; fügt sie hinzu. „Im vergangenen Jahr haben wir eine zwanzig Jahre alte Milchverpackung zu zwei Kronen, die Kufe eines Schlittschuhs, eine Autokarosserie tief im Gestrüpp oder einen alten Koffer gefunden. In diesem Jahr haben wir ein Schlafzimmer in der Natur entfernt und eine Matratze mit drumherum vertreuten Kondomen entsorgt. Außerdem haben wir einen einzelnen Ski und einen Hockeyschläger gefunden“, zählt Zuzana einige der Kuriositäten auf, die „erbeutet“ wurden.

„Es war diesmal weniger Müll im vergangenen Jahr. Denn großflächige illegale Lager, die wir schon aufgeräumt hatten, sind an diesen Stellen nicht wieder neu entstanden. In diesem Jahr handelte es sich eher um vertreuten Müll und illegale Lager, die wir im vergangenen Jahr nicht geschafft haben zu entfernen“, erwähnt Zuzana Kruťová konkrete Fortschritte gegenüber dem Vorjahr.

Für den 17. September ist das große Herbstreinemachen geplant. Wer mitmachen möchte, kann sich auf der Internetseite des Projektes informieren, an welchen Orten die Müllsammler unterwegs sein werden. Wer einmal in seiner Heimatgemeinde oder -stadt auf der Suche nach Abfall war, wird sie danach mit ganz anderen Augen wahrnehmen.

Ester Dobiášová
Übersetzung: Patrick Hamouz

Copyright: jádu | Goethe-Institut Prag
September 2016
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