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Kunst gegen Kinderkrebs

© www.kunst-gegen-kinderkrebs.de© www.kunst-gegen-kinderkrebs.de
Ronja (links) und Janine engagieren sich für krebskranke Kinder. © www.kunst-gegen-kinderkrebs.de

Die Kreativität ausleben und damit auch ein bisschen Geld verdienen – davon träumt manch ein Hobbykünstler. Für Ronja Lutz und Janine Täufer, beide 19 Jahre alt, ist dieser Traum wahr geworden. Doch anstatt sich von den Einnahmen schicke Klamotten, Kinotickets oder öfter mal einen Cocktail zu leisten oder das Ganze für später zurückzulegen, spenden die beiden den Gewinn komplett für einen guten Zweck. Genauer gesagt: Für krebskranke Kinder.

Talente nutzen, um zu helfen

Kennengelernt haben sich Ronja und Janine auf einer Erlebnisfreizeit. Dort kamen sie miteinander ins Gespräch und stellten bald fest, dass sie diverse ähnliche Interessen und Ansichten haben. Die Schlüsselworte lauteten: Kreativität und der Dienst an den Mitmenschen. „Wir wollten anderen Menschen helfen und haben dann überlegt, wie wir auch ohne viel Geld etwas bewirken können“, berichtet Ronja.

Die Lösung war recht einfach: Die beiden entschlossen sich, etwas aus den Talenten zu machen, mit denen sie ohnehin ausgestattet sind, nämlich Nähen und Zeichnen. Im August 2012 war es dann so weit: Das Projekt „Kunst gegen Kinderkrebs“ wurde ins Leben gerufen.

© www.kunst-gegen-kinderkrebs.de
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„Ein wirklich ätzendes Schicksal…!“

Warum beschäftigen sich zwei junge Frauen, deren Leben gerade erst so richtig losgeht, ausgerechnet mit Krankheit, Tod und Sterben? Das Thema bringt einen ja nicht unbedingt spontan zum Strahlen und erzeugt selbst in einer lustigen Runde erst mal betroffenes Schweigen. Aber eben deswegen liegt es Ronja und Janine so am Herzen: „Krebs ist eine der schlimmsten Krankheiten, die einen treffen können. Und Kinder sind der schwächste und gleichzeitig wichtigste Teil unserer Gesellschaft und es ist besonders schlimm, wenn Kinder leiden und Angst haben müssen.“ Der Schriftsteller John Green drückt es in seinem Buch Das Schicksal ist ein mieser Verräter noch ein bisschen drastischer aus– wie Ronja und Janine finden, sehr treffend: „Es gibt nur eine Sache, die ätzender ist, als mit sechzehn an Krebs zu sterben, und das ist , ein Kind zu haben, das mit sechszehn an Krebs stirbt.“

Mit Kerzenkunst, selbstgenähten Textilien, Bildern, bemalten Tassen oder T-Shirts wollen Ronja und Janine betroffenen Kindern und Eltern helfen, dieses „ätzende Schicksal“ ein bisschen besser zu meistern. Vom Erlös wandert deshalb auch kein einziger Euro in die eigene Tasche der Künstlerinnen, alles geht direkt an die EKK (Elterninitiative krebskranker Kinder).

Anfangs wurden auch skeptische Stimmen laut: Mehrmals mussten die zwei jungen Frauen sich der Frage stellen, ob das Geld denn auch wirklich weiter gegeben wird. Doch nachdem die erste Spendenquittung sowie ein Bild mit der offiziellen Geldübergabe auf der Website online gestellt wurde, gaben die Kritiker Ruhe. Inzwischen fallen die Reaktionen durchweg positiv aus: Vor allem Erwachsene sind oft fasziniert, was die beiden auf die Beine gestellt haben und manche Gleichaltrige wollen sogar spontan mitmachen. Das erleichtert den jungen Unternehmerinnen so Einiges, denn natürlich blieb neben der Schule auch nicht immer so viel Freizeit für das Projekt übrig. Grundsätzlich versuchen die beiden auch, nur so viel zu arbeiten, wie ihre Verpflichtungen es zulassen. „Deshalb dauert es manchmal auch ein bisschen länger, bis ein geordertes Objekt beim Käufer eintrifft“, erklärt Janine. „Aber natürlich versuchen wir, jede Bestellung so zeitnah wie möglich zu bearbeiten.“

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Helfen statt shoppen gehen

Manch eine Neunzehnjährige wüsste mit selbstverdientem Taschengeld sicher so einiges anzufangen. Kommen Ronja und Janine nie auf die Idee, sich als Belohnung für die viele Arbeit auch selbst mal selbst eine Kleinigkeit zu leisten? „Ganz klar: Nein!“, lautet die Antwort. „Es gäbe nichts, was wir von diesem Geld kaufen könnten, was uns so glücklich macht wie krebskranken Kindern zu helfen. Das heißt, es ist gar nicht so uneigennützig, wie es vielleicht scheint. Wir haben sehr viel Freude an unserer Aktion und freuen uns über jeden Euro, den wir weiter geben können.“

Und wie geht es weiter…?

Ronja hat inzwischen ein Medizinstudium begonnen, Janine absolviert eine Ausbildung zur Modeschneiderin. Wie wird sich das Projekt gestalten, wenn Uni und Arbeitsleben die beiden demnächst noch mehr in Anspruch nehmen wird?

Eines steht für die beiden auf jeden Fall fest: „Selbstverständlich werden wir weitermachen. Inzwischen lebt Kunst gegen Kinderkrebs auch nicht mehr nur von uns. Wir bekommen auch Sachspenden aus ganz Deutschland, die wir dann weiter verkaufen.“ Außerdem soll bald ein Online-Shop eingerichtet werden.

Das Projekt Kunst gegen Kinderkrebs wird also nicht eingeschränkt, sondern, im Gegenteil, weiter ausgebaut werden. Ronja und Janine blicken jedenfalls sehr optimistisch in die Zukunft. „Wir hoffen, noch vielen kranken Kindern eine Freude machen zu können.“



Copyright: Goethe-Institut Prag
Juli 2013
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