Kultur

Detailverliebtheit off. Abstraktion on.

Foto: © Ines HerrmannFoto: © Ines Herrmann
„fog drive“, Foto: © Ines Herrmann

Ein Rausch aus Nebel, Hall und Moll. Die Dresdner Band mit dem programmatischen Namen „fog drive“ ist wie gemacht für alle, die Struktur verlieren, Gedanken durchbrechen, entgleiten wollen.

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Audioporträt der Band „fog drive“ von Ines Herrmann

Auf meinem Unterarm steht: Ungültig. Eine nette Eintrittskarte. Ich warte vor dem Ostpol in Dresden auf das Konzert einer Band, die ich nicht kenne. Denn ich will etwas Neues, anderes, Unbekanntes. Und bekomme es: Eine Vorband, deren Schwingungen sich wie eine Fusion aus Sommer- und Highway-Klängen im Raum ausbreiten. Sie lassen sich fallen in einen Rausch aus Nebel, Hall und Moll. Vor und neben mir tauchen einige schon mit ab.

Es ist fog drive, eine Band aus Dresden, für die es noch keinen Wikipedia-Artikel gibt. Bandurgestein sind Gitarrist Ronny und Drummer Philipp. Vor etwa einem Jahr hörte Philipp Deborah bei einer WG-Feier singen und sprach sie kurz darauf an. Für Deborah und Philipp war es ein Glückstreffer. „Das hat sofort geklappt. Das war krass“, sagt Deborah heute. Etwas später gesellte sich noch Bassistin Mandy dazu. Seitdem kommen sie immer öfter in den Genuss, Menschen musikalisch in ihren Bann zu ziehen. Gerne würden die Musiker bekannter werden und auch mal außerhalb von Dresden auftreten.

Mit welcher Musikrichtung? „Der richtigen“, meint Ronny. Mit dem Bandnamen „fog drive“, also einer Fahrt auf vernebelter Straße, ist motivisch viel gesagt. Wie auf einem alten Polaroid-Foto kehren undeutlich immer wieder Liebe und Schmerz in ihren Texten auf und verzerren sich zu eigenen Sphären.

Seit September 2013 gibt es eine EP mit vier Songs zum kostenlosen Download. Swoon heißt das Album – das bedeutet Ohnmacht, Schwindel – und fühlt sich tatsächlich an wie auf nächtlichem Asphalt mit eingeschränkter Sichtweite: mal gefährlich affektiv, mal apathisch, Non-Stop. Wie gemacht für alle, die Struktur verlieren, Gedanken durchbrechen, entgleiten wollen.


Copyright: jádu / Goethe-Institut Prag
Februar 2014
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