Kultur

We Are The Planet

Innovativer Post Rock aus Bayreuth

We Are The Planet (Foto: Band)
Wenn man sucht, hat Bayreuth anscheinend doch mehr zu bieten, als man denkt. Die Konzertlandschaft in der oberfränkischen Kleinstadt ist nur dünn besiedelt. Der ein oder andere musikalische Leckerbissen ist abseits der halbleeren, mit Mainstreammusik beschallten, Tanzflächen trotz allem zu finden. We Are The Planet heißt die Band, die nicht nur Bayreuth mit einem frischen Sound versorgt.

Tom, Andi, Robert und Nico kennen sich schon seit ihrer Schulzeit. „Wir haben schon in ähnlicher Besetzung als Schulband am musischen Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium in Bayreuth gespielt“, erzählt Sänger Nico. Doch es kam wie es in einer guten Band mindestens einmal kommen muss: „Ziemlich schnell haben wir uns verkracht und deshalb bis 2008 nichts mehr voneinander gehört.“ Als Nico von einem Auslandsaufenthalt in Nordirland zurückkam, meldete sich Tom bei ihm und fragte, ob er Lust hätte, in ähnlicher Besetzung wie früher eine Coverband zu gründen. „Unser damaliger Sänger ging dann aber bereits ein halbes Jahr später nach Dublin um für Google zu arbeiten. Wir hatten sowieso keine Lust mehr auf Cover und haben angefangen unser eigenes Zeug zu machen.“

Keine Schubladen

Seitdem jonglieren die vier Bayreuther Jungs mit verschiedenen musikalischen Stilrichtungen. In eine Schublade will man sich nicht stecken lassen, sagt Nico. „Klar, das sagen alle Bands, aber es ist wirklich schwierig unsere Musik zu charakterisieren. Wir sind nicht wirklich einem der zahlreichen Subgenres treu, aber als große Überschrift könnte man uns wahrscheinlich am ehesten ‚Post Rock‘ aufdrücken.“

Wo andere Bands dieser Sparte in die „Kunstfalle“ tappen, sind die Songs von We are the planet aber auch tanzflächenkompatibel. So zum Beispiel das neueste Werk Sticker. Der Song wurde erst kürzlich auf der Website der Band veröffentlicht. Das Video dazu entstand irgendwo auf den 560 Kilometern zwischen Bayreuth und Hamburg. Denn Nico, der vor einem Jahr sein Studium an den Nagel hing, um sich der Musik zu widmen, zog vor kurzem nach Hamburg. „Wir wollten ein Video machen, konnten aber nicht, weil wir nicht zusammen waren. Also hat jeder sein eigenes gemacht und ich habe die Teile zusammengebaut.“

Keine Vorbilder

We Are The Planet verfolgen einen eigenen Stil. Vorbilder haben die vier Musiker nach eigener Aussage nicht. „Das Songwriting beginnt eigentlich immer dadurch, dass entweder jemand einen musikalischen Fetzen mitbringt und wir dann einen Song drum rum bauen oder wir etwas haben, dass wir aus Überlegungen entwickeln“, beschreibt Nico die Arbeitsweise der Band. Das Ergebnis sind Songs, deren Atmosphäre We are the planet selbst als „tanzbare Melancholie“ umschreiben.

Die Entfernung bleibt aber auch weiterhin ein Thema, das es zu lösen gilt. „In Bayreuth hat die Band keine Zukunft, da hier keine Szene für unsere Musik existiert. Deshalb ist der langfristige Plan, Bayreuth zu verlassen und geschlossen nach Hamburg oder Berlin zu ziehen.“

Live abfeiern

„Wir booken deutschlandweit, was aber ein undankbarer Job ist, da man wenig Feedback auf viel Arbeit und zeitlichen Aufwand bekommt“, stellt Nico fest. „Das hat damit zu tun, dass die Clubs und Veranstalter von Anfragen überschwemmt werden.“ Im Herbst werden die Jungs auf dem Bayreuther Kneipenfestival und im Glashaus am Campus Bayreuth zu hören sein. Doch auch ein Auftritt im Sage Club in Berlin steht an. Darauf freut sich Nico besonders. „Der letzte Auftritt dort war definitiv der beste, den wir hatten. Als Newcomer Band hat man es nicht oft mit einem dankbaren Publikum zu tun, es sei denn man tourt immer mit einer Fan Base, die einem zu jedem Konzert folgt. Aber Berlin hat uns ordentlich abgefeiert.“

Wer mit We Are The Planet feiern will, besucht eines ihrer Konzerte (Termine auf der Webseite der Band) oder legt ihre EP auf, die 2011 erschienen ist. Deren Name ist Programm: Alright! Dance!

Magdalena Wagner

Copyright: Goethe-Institut Prag
November 2011
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