Rezepte à la Student

Foto: © Zuzana HorákováFoto: Rainer Stropek, CC BY 2.0
Foto: Rainer Stropek, CC BY 2.0

Warum heißen billige Würstchen „Studentenwürstchen“? Ist die Studentenküche wirklich billig, ungesund und ekelig? Ein Blick in tschechische Studentenwohnheimküchen.

Fast jeder Student beginnt zu meckern, wenn man das Wort Mensa in den Mund nimmt. Es ist deshalb schwer, jemandem zu begegnen, der besonderes Vergnügen an diesem Typ Speisestätte hätte, obwohl man dort für ein Mittagessen gerade Mal etwas über einen Euro bezahlt. Aufs Kochen angesprochen, erklärt dennoch ein Großteil aller Studentinnen und Studenten, dass ihnen selbst das Teewasser anbrennen würde. Daraus folgt, dass die jungen Menschen entweder Stammgäste in der nächsten Kneipe sein müssen, oder sich im Supermarkt über die Fertiggerichte hermachen. Schaut man jedoch genauer in die Studentenküchen, dann zeigt sich, dass die Dinge anders sind, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Wir haben ein paar Studentinnen und Studenten gefragt, was sie denn im Studentenwohnheim eigentlich so essen.


Der studentische Speiseplan sieht also gar nicht so tragisch aus wie man hätte meinen können, die Umfrage hat auch nicht allzu viele kulinarische Verbrechen enthüllt. Bemerkenswert ist, dass die Studenten relativ wenig Fleisch essen.

Wenn man sich mit dem Thema weiter beschäftigt, stößt man früher oder später auf die Initiative Studentská kuchařka (Studenten-Kochbuch). Dabei handelt es sich um eine Art Sammelband einfacher und preiswerter Rezepte, die zumeist aus einfach zu bekommenden Grundnahrungsmitteln bestehen. Man findet dort also Couscous in hundert verschiedenen Varianten, unzählige unterschiedliche Nudelsoßen und diverse Arme-Ritter-Versionen. Und das ist erst der Anfang. Man kommt wirklich ins Staunen, wieviel solcher „Spezialitäten“ es gibt. Das Niveau einiger Rezepte ist niedriger als die genannten gastronomischen Spezialitäten in unserer Umfrage. Aber jedes Rezept verfügt im Verzeichnis über eine Angabe, wie lange die Zubereitung dauert und wie teuer der Einkauf der Zutaten ist. Schauen wir also mal, wie das in der Praxis aussieht:

Süßer Couscous mit Äpfeln auf Studentenart

Wir schlagen im Kapitel schnelle Rezepte nach und entscheiden uns für ein wirklich schnelles und einfaches Gericht. Das Originalrezept sieht wie folgt aus:

Zutaten:
Couscous, ein paar Äpfel, Zucker, Öl, Zimt

Zubereitung:
In einem Topf etwa 250 Gramm Couscous nach Anleitung zubereiten. Äpfel grob raspeln, mit ausreichend Zucker und Zimt bestreuen. Die Apfelmasse mit etwas Wasser (0,05 Liter) übergießen, dann auf dem Herd das Wasser verdampfen lassen. Die Äpfel dann mit dem Couscous vermischen.

Und das Ergebnis in der Praxis: Zunächst ist auf den ersten Blick nicht klar, wozu man das Öl benutzen soll, wenn es im Rezept später nicht vorkommt. Eine Möglichkeit wäre vielleicht, die Äpfel vorher anzubraten. Was die Zubereitung angeht, wird es wahrscheinlich nicht viele einfachere Gerichte geben. In der Küche verbringt man höchstens 20 Minuten, es kommt darauf an, wie schnell man die Äpfel raspeln kann. Was den Preis angeht, so kostet eine Packung Couscous etwa 35 Kronen (ca. 1,30 Euro), aber wenn man nur für sich kocht, reicht das für drei oder vier Gerichte. Äpfel sind auch nicht besonders teuer, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie manche aus dem eigenen Garten haben können.

Geschmacklich gesehen muss jedoch gesagt werden, dass das Gericht deutlich besser schmeckt, wenn man für das Couscous statt Wasser gesüßte Milch nimmt. Es gibt auch eine Variante für Feinschmecker: das Gericht auf dem Teller mit Sahne veredeln. Abschließend steht fest, dass es sich angesichts des geringen Preises um ein wirklich gut schmeckendes Essen handelt. Fazit: Es ist nicht schwer, einfach, preiswert und lecker zu kochen. Auch im Studentenwohnheim.

Alžběta Šemrová
kämpft mit ihrer Abhängigkeit von Chicken McNuggets, und das obwohl sie mit einem Vegetarier zusammenwohnt. Abgesehen von dieser kulinarischen Fehldisposition ernährt sie sich ansonsten relativ gesund (oder sie bemüht sich zumindest darum).

Übersetzung: Ivan Dramlitsch

Copyright: jádu / Goethe-Institut Prag
Juli 2014

Foto: Haferbrei, Katrin Morenz, CC BY-SA 2.0

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