#Klartexte

Den Durchblick behalten. So lassen sich Fake News enttarnen

Foto: David Ortmann, CC BY-NC 2.0
Foto: David Ortmann, CC BY-NC 2.0

Meldungen, Bilder, Videos – Fake News können in unterschiedlichen Formaten auftreten und sind gleichzeitig schwer zu widerlegen. Einige Internetangebote haben sich deshalb der Überprüfung von zweifelhaften Informationen und Medien verschrieben.

Oft gestaltet sich die Überprüfung der Wahrheit als schwierig. Journalistinnen und Journalisten müssen schnell reagieren, Antworten haben, prüfen, was wahr oder erfunden ist – besonders im Lokalen, wo die Verbreitung vieler Falschmeldungen ihren Ursprung hat.

Dabei leisten Webseiten und Online-Tools, die sich dem Faktencheck verschrieben haben, gute Dienste. Hier werden nachfolgend ausgewählte Hilfsmittel bei der Suche nach Fake News vorgestellt.

Persönliche Checkliste

Das Impressum ansehen

  • In Deutschland gibt es eine Impressumspflicht. Einer Seite ohne Impressum sollte man daher kein Vertrauen schenken.
  • Das Impressum gibt Auskunft über den Urheber einer Nachricht. Die Adresse des Herausgebers von Fake-News-Seiten liegt oft nicht in Deutschland.
  • Ist ein Autor oder eine Autorin des Artikels angegeben? Wenn ja, recherchieren, was noch so publiziert wurde.

Die Inhalte gegenchecken

  • Grundsätzlich sollte man das Datum einer Meldung ansehen und die Überschrift in eine Suchmaschine eingeben.
  • Wurde über denselben Sachverhalt bereits von anderen Seiten und Medien berichtet? Gibt es mehrere Quellen? Nein? Dann sollte man der Nachricht kritisch gegenübertreten.
  • Quellen und Zitate überprüfen: In welchem Kontext sind diese noch im Internet zu finden?
  • Wie seriös erscheinen weitere Artikel der vermeintlichen Fake-News-Seite? Was wird noch so veröffentlicht?

Die URL kontrollieren

  • Es gibt Fälle, in denen Falschmeldungen im Design bekannter Medienmarken erscheinen.
  • Schau Dir deshalb die Webadresse in der Browserzeile an. Oftmals unterscheidet sich die URL nur durch einen Zusatz wie einen Bindestrich oder eine Endung wie .net vom Original.

In szialen Netzwerken: den Absender kontrollieren

  • Man sollte sich das Profil des Absenders genau ansehen, bevor man ein Posting teilt.
  • Wie lange gibt es den Twitter-/Facebook-Account bereits?
  • Wie viele Freunde oder Follower hat er? Wer sind die Follower / Freunde? Wenige Follower und sehr neue Profile geben Anlass zur Skepsis.
  • Die bisher veröffentlichten Beiträge sollten geprüft werden. Sind die Tweets und Postings zeitlich und inhaltlich konsistent?
  • Hat der Account einen blauen Verifizierungshaken?

Fotos und Videos überprüfen

  • Wurde das Foto tatsächlich an dem angegeben Ort aufgenommen? Werbetafeln, Verkehrsschilder und Autokennzeichen geben möglicherweise Hinweise auf den Ort.
  • Fake-News-Macher zeigen gerne nur bestimmte Bildausschnitte, wodurch der ursprüngliche Kontext der Aufnahme nicht wahrheitsgemäß wiedergegeben wird. Bedenke, dass die Aussage des Bildes dadurch manipuliert wird.

Webseiten, die sich ganz dem Fact- beziehungsweise Fake-Checking verschrieben haben:

• Hoaxmap.org

Hintergrund: Diese Seite bildet Gerüchte ab, die in Deutschland in Umlauf waren und als Fake News entlarvt wurden. Meist geht es dabei um geflüchtete Menschen oder Einwanderer.
Nutzwert: Auf einer digitalen Deutschlandkarte lassen sich Falschmeldungen nach Bundesland, Ort oder Schlagworten wie „Diebstahl“ oder „Körperverletzung“ suchen. Der User sieht sofort, aus welchem Jahr das Gerücht stammt. Außerdem gibt es einen Link zu einem Artikel, der das jeweilige Gerücht widerlegt hatte.
hoaxmap.org


• faktenfinder

Hintergrund: Die ARD-Redaktion hat es sich zur Aufgabe gemacht, vermeintliche Fakes im Rahmen des faktenfinder zu untersuchen. Die Journalist/innen stellen dafür ihre Erkenntnisse zur tatsächlichen Faktenlage dar – wahren aber dennoch Multiperspektivität. Damit soll Menschen eine Plattform zum Nachlesen von verifizierten Fakten geboten werden.
Nutzerwert: Auf tagesschau.de findet man unter faktenfinder sowohl Aktuelles aus dem In- und Ausland, sowie Hintergrundinformationen zur breiten und vertieften Darstellung der jeweilig umstrittenen Thematik. Außerdem stehen den Nutzenden Tutorials zur Verfügung, beispielsweise zum kritischen Umgang mit Statistiken.
faktenfinder.tagesschau.de


• SWR-Fakefinder

Hintergrund: Der SWR Fakefinder – nicht zu verwechseln mit dem ARD-faktenfinder – ist ein spannendes Browserspiel. Bei diesem Spiel werden Newsfeeds unter die Lupe genommen. Mit jeder beantworteten Frage wächst das eigene Repertoire zu beurteilen: Was ist Wahrheit, woran lässt sich Betrug erkennen?
Nutzerwert: Dieses Tool hilft spielerisch, in Zeiten von Fake News und Hoaxes den Überblick zu bewahren. Die Spielenden bekommen in einem Nachrichtenfeed insgesamt zehn Meldungen gepostet. Allen gemein ist, dass sie unglaublich klingen. Ein Teil davon sind seriöse Nachrichten, ein Teil ist Satire, ein Teil aber sind dreist gefakte Inhalte. Die Aufgabe ist es, treffsicher zu unterscheiden. Der Clou: Zu jeder Aufgabe gibt es einen Recherche- oder Link-Tipp, Fakes zu entlarven.
swrfakefinder.de


• First Draft News

Hintergrund: Seit 2015 stellt die gemeinnützige Vereinigung First Draft Leitlinien für den Umgang mit Gerüchten, Bildern und Videos, die sich auf sozialen Netzwerken verbreiten, zusammen. Inzwischen greift sie auf ein internationales Partnernetzwerk aus Redaktionen und Menschenrechtsorganisationen zurück. In Deutschland arbeiten beispielsweise dpa, die Zeit, ARD und ZDF mit den Initiatoren der Website zusammen.
Nutzwert: Die Seite erklärt unter anderem Schritt für Schritt, wie man Videos oder Bilder verifiziert, welche Tools sich dafür eignen oder wie Journalisten mit traumatisierenden Bildern umgehen können.
de.firstdraftnews.com


• Mimikama

Hintergrund: Nachrichten, die sich über Twitter, Facebook oder Whatsapp verbreiten, sind oft fragwürdig. User können ebendiese Meldungen zur Überprüfung an die Redaktion von Mimikama schicken. Der österreichische Verein hat es sich seit 2011 zur Aufgabe gemacht, Internetbetrug, -missbrauch und Falschmeldungen aufzudecken.
Nutzwert: Die Macher von Mimikama stellen die Ergebnisse ihrer Recherche und Artikel zum Thema Internetsicherheit online und geben darüber hinaus Tipps zur Erkennung von Fake News. Besonders praktisch: Mit der zugehörigen Suchmaschine Hoaxsearch lassen sich Fakes gezielt nach bestimmten Schlagworten finden.
www.mimikama.at
www.hoaxsearch.com

Neben Webseiten, die sich ganz dem Fact- beziehungsweise Fake-Checking verschrieben haben, gibt es auch eine Reihe kostenpflichtiger und kostenloser Online-Tools, die bei der Überprüfung von Fotos und Video nützlich sind. Nachfolgend sind besonders anwenderfreundliche Programme aufgelistet, die gratis zur Verfügung stehen.

• Google Bildersuche

Hintergrund: Der Klassiker: Google bietet die Möglichkeit, gezielt nach dem Ursprung eines Fotos zu suchen. Dabei wird die Datenbank nach Websites, die das Bild enthalten, und nach ähnlichen oder identischen Fotos durchforstet.
Nutzwert: Mit dem Klick auf das Kamerasymbol startet der Suchdurchlauf, sobald die URL oder das Foto eingegeben wurde.


• Tineye

Hintergrund: Ob es sich um ein Originalfoto handelt, können Redakteurinnen und Redakteure auch mit dem kostenlosen englischsprachigen Programm Tineye überprüfen. Laut Hersteller checkt die Rückwärts-Bildersuche momentan über 17 Milliarden Fotos auf Übereinstimmung.
Nutzwert: Mit wenig Aufwand macht sich das nutzerfreundliche Programm ans Werk. Auch hier genügt Foto-URL oder -Upload.
www.tineye.com


• Youtube Dataviewer

Hintergrund: Die Hilfsorganisation Amnesty International hat das kostenlose Online-Tool Youtube Dataviewer entwickelt, um der Verbreitung von Fake News und Videos auf der Plattform Youtube entgegenzuwirken.
Nutzwert: Nach Eingabe einer Youtube-URL bestimmt das Programm innerhalb von Sekunden Ort und Zeitpunkt der Aufnahme. Zugleich werden Thumbnails, einzelne Bilder des Videos, erstellt, die mit einem Klick einer Bildersuche unterzogen werden können.
citizenevidence.amnestyusa.org

Bundeszentrale für politische Bildung, Spezial zum Thema „Fake News“ auf bpb.de

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