Auf dem Land

Bau dir (d)eine Kirche!

Foto: © Pavel ŠtylFoto: © Pavel Štyl
Kirche St. Peter und Paul in Horní Bobrová und das Modell von Pavel Štyl, der über sein Hobby sagt: „Es ist großartig, wenn ich jemand anderem eine Freude machen kann.“

Pavel Štyl bastelt Papiermodelle von Kirchen und anderen Gebäuden seiner Heimatregion. Die Baupläne und -anleitungen bietet er gratis zum Download an. Wie macht man so ein maßstabsgetreues Architekturmodell – und warum überhaupt?

Woher kommt Ihre Begeisterung für Papiermodelle?

Ich bin mit der Zeitschrift ABC aufgewachsen. Die detaillierten Automodelle haben mich schon immer fasziniert. Oft war das Zusammenkleben der Modelle zu schwierig für mich und sie landeten im Müll. Manchmal hatte ich auch andere Quellen, aber die meisten Modelle waren aus der ABC.

Warum haben Sie begonnen, selbst welche anzufertigen, und warum Gebäude aus Tschechien und nicht etwa Raumschiffe oder so etwas?

Ich fand es immer schade, dass es nie Modelle aus meiner Region gab. Ich habe überhaupt nichts gegen Ausschneidepläne von der Burg Karlstein oder der Prager Burg. Mir ist klar, dass tausende Bastler solche Modelle bauen wollen. Aber ich wollte etwas aus meiner Region. Deshalb mache ich Kapellen und Kirchen aus der Umgebung von Žďár nad Sázavou. Ich suche eher kleinere Bauten aus, davon gibt es hier eine Menge. Ein einfaches Modell zusammenkleben können auch Anfänger, die sich noch nicht an ein kleinteiliges Modell einer großen Kirche trauen.

Wie konzipiert man so ein Modell? Ist das reine Handarbeit, Berechnen und Vermessen oder machen Sie auch viel mit dem Computer? Haben Sie von den Gebäuden, denen Sie sich bis jetzt gewidmet haben, irgendwelche Daten gebraucht, die nicht öffentlich zugänglich sind? Und haben Sie die bekommen?

Das Modell entsteht im Computer. Als erstes aber muss man das Gebäude abfotografieren und vermessen. Ich setze mich einfach aufs Rad, in der Tasche Maßband, Stift und Papier und mache mich auf ins Terrain. Ich fotografiere die Kapelle von allen Seiten und messe, was zu messen geht. Meistens entgeht den Anwohnern mein verdächtiges Verhalten nicht, und so erfahre ich von ihnen auch etwas aus der Geschichte des Baus oder sonst irgendeine Besonderheit. Manchmal lässt sich natürlich nicht alles ausmessen, was ich bräuchte. Dann schaue ich ins Grundbuch und wenn es geht, messe ich von den Fotografien ab. Ab und zu gelingt es mir auch, an Bauzeichnungen zu kommen.

Anschließend erstelle ich im Computer ein 3D-Modell. Es folgt die Anfertigung eines Faltplans, also die Übertragung des räumlichen Modells auf „flaches“ Papier. Danach kommt dann üblicherweise das Zusammenkleben eines Kontrollmodells. Dabei versuche ich eventuelle Fehler auszumerzen und gehe sicher, ob sich das Modell überhaupt zusammenbauen lässt. Dann fertige ich die Textur an. Dieser Teil nimmt die meiste Zeit in Anspruch. Denn erst die Textur macht das Modell zum Modell. Keine Wand ist steril gelb, sondern hat Risse und Schlieren. Ein Dach ist nicht gleichmäßig braun, sondern hat eine Patina. Das Fensterglas ist nicht blau, seine Färbung enthält den Widerschein der Wolken und Ähnliches.

Dann klebe ich das Modell zusammen. Wenn alles in Ordnung ist, nummeriere ich die Teile, schreibe eine Anleitung, veröffentliche das Ausschneidebild im Internet und prahle damit auf Modellbaukonferenzen.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie schon zu tun, und was war vielleicht einfacher als erwartet?

Das größte Problem ist, ein Projekt bis zum Ende durchzuziehen. Mit dem fertigen Modell endet meine Arbeit nicht. Ziemlich arbeitsintensiv ist es, die Ausschneidepläne so zu gestalten, dass jemand anderes in der Lage ist, das Modell zusammenzukleben. Es ist unentbehrlich das Modell entsprechend zu fotografieren, eine Anleitung zu schreiben, die Teile zu nummerieren, zu kennzeichnen, was man wohin aufkleben muss, was wo unterkleben und so weiter. Von Zeit zu Zeit schreibe ich einer Gemeinde, dass ich ein Modell ihrer Kapellen angefertigt habe und es ihnen zur Verfügung stelle.

Sie machen ausschließlich Modelle von Kapellen und Kirchen?

Beim Herumradeln in der Vysočina (Böhmisch-Mährische Höhe) bin ich durch so manches Dorf gekommen und habe sowohl größere Kirchen, als auch kleinere Kapellen und sehr kleine Heiligendenkmäler gesehen. Solche Objekte symbolisieren auf ihre Weise die Gemeinden, und deswegen habe ich mich für sie entschieden. Das bedeutet aber nicht, dass ich nichts anderes gemacht hätte. Ich habe den Aussichtsturm von Tišnov gemacht, das U-Boot aus dem Film die Erfindung des Verderbens (Vynález zkázy, Karel Zeman, 1958) , zurzeit arbeite ich an Žižkovs Grabhügel bei Přibyslav und ich plane das Landemodul eines Raumschiffs aus der Comicreihe Guardians of the Galaxy.

Warum stellen Sie die Baupläne zum freien Download ins Netz? Verdienen Sie nicht eine Belohnung dafür, dass Sie Menschen eine Freude machen?

Ich hatte nie die Ambitionen, die Ausschneidepläne zu verkaufen. Das ist mein Hobby. Auch wenn ich die meisten Vorlagen selbst auswähle, meldet sich ab und an jemand mit dem Wunsch, ein Modell seiner Kirche zu bekommen. Es ist schön, sich selbst einen Traum zu erfüllen, aber es ist großartig, wenn ich jemand anderem eine Freude machen kann. Wenn es irgend geht, bemühe ich mich solche Wünsche zu erfüllen. Das Interesse und das Lob der anderen sind mein Antrieb.

Wie sind Ihre weiteren Pläne in diesem Bereich?

Im Kopf habe ich viele Ideen, was man so alles zusammenkleben könnte. Solange mich das erfüllt, werde ich Modelle basteln.

Das Interview führte Jana Kománková.
Übersetzung: Max Zaloudek

Copyright: protisedi.cz
November 2018
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