Kinder- und Jugendliteratur

Interview mit Sylvia Heinlein

Sylvia Heinlein; © Andreas Bock

Ihr Buch ist eine bezaubernde und humorvolle Geschichte über eine liebevolle Beziehung zu behinderten Menschen. Wie sind auf dieses Thema gekommen, und noch dazu, es in einem Kinderbuch zu verarbeiten?

Ich hatte bis vor einigen Jahren noch nie Kontakt zu jemandem mit Behinderung gehabt. Aber eines Tages sprach mich auf der Straße ein Mann mit geistigem Handicap an und bat mich um eine Zigarette. Wir rauchten gemeinsam und hatten eine wunderbare Unterhaltung der anderen Art. Danach wollte ich mehr wissen und habe einige Jahre ehrenamtlich mit geistig behinderten Menschen gearbeitet. In einer Schreibwerkstatt. Dort habe ich auch all die Menschen getroffen, die in „Mittwochtage“ auftauchen. Sie waren wunderbar und haben sich in mein Herz geschlichen - ich musste einfach über sie schreiben.

Sie haben Kunstgeschichte, Politologie und Literatur studiert, sind aber der Literatur treu geblieben. Warum hat gerade die Literatur bei Ihnen gesiegt?

Weil das Leben voller guter Geschichten steckt, die erzählt werden wollen. Und weil es ein Zitat von Octavio Paz gibt, das mich antreibt: „Morgen gilt es aufs Neue, die Wirklichkeit dieser Welt neu zu erfinden“.

LISTOVANI ist ein Projekt, das bei Kindern Lust am Lesen wecken möchte. Wie sieht es bei den deutschen Kindern mit dem Lesen aus?

Deutsche Kinder lesen gerne, aber noch lieber gucken sie fern oder sitzen am Computer. Deshalb gibt es bei uns sehr viele Bücher-Festivals, Veranstaltungen und Schullesungen für Kinder. So etwas Besonderes wie Listovani gibt es in Deutschland aber nicht. Ich glaube, das gibt es überhaupt nirgendwo sonst auf der Welt.

Woran arbeiten Sie gerade?

Gerade an drei Projekten gleichzeitig: am Drehbuch zu „Mittwochtage“ (denn aus dem Buch soll ein Film werden), an einem Buch über Superhelden für ganz kleine Leser und an einer Reportage über eine Reise nach Südafrika für eine Frauenzeitschrift.

Sie schreiben auch kulinarische Reportagen. Wie ist Ihr Verhältnis zum Essen und zur Gastronomie? Die schwere tschechische Küche ist der deutschen nicht ganz unähnlich. Ahnen Sie schon, was auf Sie in Tschechien zukommt?

Ich ahne nur gutes! Ich liebe deftige Küche und freue mich ungemein auf Gulasch und all die unterschiedlichen Knödel. Und das gute Bier! Mein Mann hatte eine böhmische Großmutter und ein herrliches Rezept von ihr geerbt: süße Knödel, mit Marillen gefüllt, mit Butter übergossen und mit Semmelbröseln und Zimt-Zucker bestreut. Himmlisch!

Freuen Sie sich auf Ihren Besuch in Tschechien?

Ich freue mich ungemein! Ich war noch nie in Tschechien und bin sehr, sehr gespannt, auf das Land und die Menschen dort. Immerhin kenne ich Krteček, den kleinen Maulwurf, und liebe ihn. Und natürlich lerne ich jetzt etwas tschechisch: „Ahoj, a je to tady! Jak to jde? Promiňte, nemluvím česky.“

Sylvia Heinlein; ©  foto: Richard Cortés, Česká pozice
Das Interview entstand für die Lesetournee von Listování mit Sylvia Heinlein und ihrem Buch Mittwochtage.

Copyright: Goethe-Institut Tschechische Republik
Januar 2015

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