Svetlana Žuchová (Slowakei) – Porträt

Svetlana Žuchovás Prosatexte sprechen den Leser auf den ersten Blick durch ihre experimentelle Form und thematische Besonderheit an. Žuchová debütierte mit der Erzählsammlung Dulce de leche (2003) und obwohl sie seitdem nur die Novelle Yesim (2006) herausbrachte, konnte sie sich in der gegenwärtigen slowakischen Literatur als Autorin mit einer erkennbaren Handschrift etablieren. Sie konkretisiert diverse Umgebungen mit ihren spezifischen Düften, Gewohnheiten, aber vor allem Menschen: der alte Mann aus der Geschichte Vom Geheimnis hätte woanders nicht leben können als am Fuße des Vulkans in Spanien, ähnlich wie die türkische Sängerin Yesim, die gerade nach Wien übersiedelte. Mehrere Figuren migrieren von einem Ort zum anderen, um dort andere Leute zu treffen, die ihnen vom Schicksal vorherbestimmt wurden. Diese Bewegung hängt mit der natürlichen Migration des heutigen Menschen zusammen, stellt jedoch auch seine Suche nach einem Ort auf der Erde dar. Der Weg zum Erfolg kann erfolgreich sein, die innere Harmonie erreichen Žuchovás Helden allerdings nur schwer: Yesim erlebt Applaus, sie bleibt trotzdem nur eine Ausländerin, die ihr österreichischer Freund vor Bekannten verschweigen wird. Nach ihrem Wegzug von Izmir gehört sie nirgendwo dazu. Žuchová zeichnet ihre Helden aus der Peripherie mit Empathie und einer sensiblen Wahrnehmung der sozialen Differenzierung der globalen Gesellschaft. Die Helden suchen sich selber ihren Lebensort aus, sie bezahlen dafür jedoch mit der Einsamkeit.

Im Vergleich zum experimentellen Debüt, das von Forminnovationen (parallele Geschichten der Helden, Thematisierung des Schreibens, Kontaktaufnahme mit dem Leser, verschiedene Textvarianten, Äquilibristik der Sprache usw.) dominiert werden, kreiert Žuchová in der Novelle Yesim eine integrierte Geschichte mit dem Leitmotiv des Ausländertums. Auch hier teilt die Autorin die monologische Erzählung in kürzere, eigenständige Sätze, oft Nebensätze, mit häufig frequentierten Vergleichen. Der epische Text wird auf diese Art und Weise lyrischer, rhythmischer, Yesims Rede dringlicher, der Eindruck der Verfremdung verstärkt – in der Novelle fehlt die Kommunikation unter den Personen, nicht einmal Yesim weiß ihre Emotionen zu verbaliseren. Man kann es aber auch als Weg sehen, das Sentiment zu vermeiden. In Žuchovás Texten wird vom Wesentlichen (von der Liebe und den Beziehungen) vor allem zwischen den Zeilen gesprochen.

Marta Součková
Ins Deutsche übertragen von Eva Gruber

Svetlana Žuchová; Foto: ©
Svetlana Žuchová

geboren 1976
lebt in Prag

letzte Buchveröffentlichung: Zlodeji a svedkovia (2009)