Cord Riechelmann

© Pavlina Jachimova
© Pavlina Jachimova

Ist es möglich ein Tier ohne mythologische oder shakespearsche Subtexte zu porträtieren?

Anmerkungen zu drei Kurzfilm-Porträts von Romuald Karmakar, Ken Wardrop und Chen Seinberg

Cord Riechelmann

Tiere im Film leiden generell an einer semantischen Überbelastung. Wenn selbst große Dokumentarfilmer wie Sir David Attenborough nicht darum herumkommen, Kämpfe von Winker-Krabben am Strand nach dem Muster altgriechischer Tragödien zu inszenieren, bekommt man eine Ahnung von der Überdetermination gewöhnlicher Tiere durch Mythen, Literatur und Philosophie im Filmbild. Es gibt im Film aber immer die Möglichkeit des Zusammenbruchs der symbolischen Assoziationsmaschinen einfach dadurch, dass das Tier als Tier ja auch noch schlicht da ist. Am Beispiel von drei Kurzfilmporträts soll dieser Moment der Reduktion der Assoziationen auf die Tiere selbst gezeigt werden.

Cord Riechelmann studierte Biologie und Philosophie an der FU Berlin. Nach Lehraufträgen für Sozialverhalten von Primaten und Geschichte biologischer Forschung unterrichtet er nun im Studium Generale der Universität der Künste, Berlin. Er schreibt für diverse Zeitungen, u. a. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Süddeutsche Zeitung, Merkur, taz und jungle world. Seine Publikationen umfassen Bestiarium (2003), Wilde Tiere in der Großstadt (2004) und Krähen (2013). Demnächst erscheint ein Essay zum Wald im Merve Verlag. Mit Marcel Schwierin kuratierte er das Sonderprogramm zum Kino der Tiere bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen 2011.
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