Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei. Unter den frauenbewegten Frauen der DDR war die Wiedervereinigung umstritten, da man Rückschritte für Frauen in der Gesellschaft befürchtete. Tatsächlich wäre der Einigungsvertrag zwischen beiden Teilen Deutschlands an einer Frauenfrage und -forderung, nämlich am § 218, beinahe gescheitert. Unter der Beibehaltung von zweierlei Recht in Ost und West wurde die Neuregelung des „Abtreibungsparagrafen“ bis 1992 ausgesetzt.Die Vereinigung brachte diverse Spannungen und Probleme mit sich und diese spiegelten sich auch im Verhältnis von Feministinnen in Ost und West wider. Nach einer kurzen Phase „euphorischer Schwesterlichkeit“ traten schon bald massive Kommunikationsstörungen auf. In der ersten Hälfte der 1990er-Jahre wurde der Versuch unternommen den 8. März zur Annäherung der Frauenbewegungen in Ost und West zu nutzen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu thematisieren.
1991 hielt die Bürgermeisterin und Senatorin für Arbeit und Frauen, Dr. Christine Bergmann, anlässlich des Frauentages eine Rede im Roten Rathaus in Berlin. Sie betonte die Gemeinsamkeiten der Frauen in Ost und West und plädierte für eine Beibehaltung des Frauentages und neue politische Forderungen. 1994 wurde in ganz Deutschland in der Woche 5.–8. März zum ersten Frauenstreik aufgerufen.
Ulrike Baureithel schrieb in einem Artikel über zehn Jahre deutsch-deutsche Frauenbewegung für die Wochenzeitung Freitag (29. September 2000): „Wer die damaligen Kongresse und Beratungen im Vorfeld des Frauenstreiks am 8. März 1994 miterlebte, bekam eine Ahnung davon, dass dieser Streik mehr war als der Versuch politischer Gegenwehr. In den vier Nachwendejahren war es zwischen den Schwestern zu erheblichen Irritationen gekommen, und auch die Begegnungen während der Streikvorbereitungen blieben nicht aggressionsfrei. Die geplante Aktion war auch der Versuch, Risse zu kitten und beigebrachte Wunden notdürftig zu entschmerzen, indem frau auf die alles einende Formel »Frau« setzte.“
Der Streik richtete sich „Gegen den Abbau von Grundrechten, gegen die zunehmende Armut von Frauen, gegen die Zurückdrängung bereits erreichter Frauenrechte, gegen die Vorbereitungen zu deutscher Kriegsbeteiligung, gegen den Abbau von Sozialleistungen und die Zerstörung der Umwelt.“ Einige autonome Feministinnengruppen veranstalteten Spektakuläres, zum Beispiel fuhren sie mit einem Sonderzug zur Zugspitze, um dort eine Fahne zu hissen mit der Aufschrift „Das ist der Gipfel“. Der Streikaufruf wurde von den verschiedenen Frauenvertretungen in Politik, Gewerkschaften und autonomen Gruppen unterschiedlich aufgegriffen und bewertet.
Gleichzeitig kam es zu verstärkter Ausländerfeindlichkeit in Gesamtdeutschland. Die Solidarität mit den „internationalen“ Frauen im eigenen Land und im Zuge der Globalisierung in der ganzen Welt wird in den 1990er-Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends ein wichtiges Thema am 8. März.
1993 fand im Rathaus Schöneberg in Berlin am 8. März das erste politische Frauenfrühstück unter dem traditionsreichen Motto „Brot und Rosen“ statt, organisiert von einer überfraktionellen Fraueninitiative. Die Tischrede hielt Fahimeh Ilya mit dem Thema „Einwanderinnen und ihr Platz in der Gesellschaft und in der Frauenbewegung“.
In den 1990er-Jahren wurde der Frauentag in den unterschiedlichsten Formen begangen. Mit fantasievollen bis realpolitischen Aktionen wurde der Vielfalt der in der Frauenbewegung vertretenen Organisationen und Gruppierungen Rechnung getragen. So vergab zum Beispiel die Stadt München seit 1992 jährlich zum Internationalen Frauentag am 8. März den Anita Augspurg-Preis für „vorbildliche Beiträge zur Gleichberechtigung in München“ an eine oder mehrere Fraueninitiativen. 1995 wurde in Berlin ironisch für den Internationalen Frauentag geworben: „Die Eura ist da – endlich sind wir gnadenlos unabhängig, unendlich befreit, unbeschreiblich selbstbestimmt, problemlos glücklich …“ Statt des Euros soll zum Internationalen Frauentag das „Frauengeld“ eingeführt werden, „die Eura“. Statt zur Demonstration zu den altbekannten Themen der früheren Jahre „(gähn)“, wird, in Berlin zum „Konsumbummel“ eingeladen.
In Bayern nutzten 1999 die Grünen den Internationalen Frauentag, um 15 Wunschkandidatinnen für die Ruhmeshalle (diese Halle beherbergt Büsten verdienstvoller Menschen aus Wissenschaft und Kunst) zu präsentieren. 1997 waren zum ersten Mal zwei Frauen in die Gedenkstätte aufgenommen worden (von insgesamt 91 Büsten). Am Wochenende 6./7. März 1999 wurde in München die Messe „Woman ’99“ veranstaltet, eine Infobörse für Frauen.
Am Ende der 1990er-Jahre und zu Beginn des neuen Jahrtausends vernetzen sich die Institutionen, Organisationen und Initiativen der Frauenbewegung in verstärktem Maße, begünstigt durch die Möglichkeiten des Internets. Zum 8. März 2000 wurden die deutschen Frauen von Initiativen aus England, Spanien und den USA im Netz zum „Globalstreik“ aufgerufen, mit dem Angebot, die Art des Streiks selbst zu bestimmen.











