
Programm der „Frauen-
gesellschaft“, 1993„Kvindeligt Selskab“ setzte ihre provokative Linie fort, indem sie am 8. März 1994 in der grauen Halle in Christiania den ad-hoc Preis „Årets Pikhoved“ (sinngemäß: Macho des Jahres) an Frank Dahlgaard (konservativer Politiker) ausgaben. Eine „Ehrung“, die ein großes Medieninteresse fand. 1999 war „Kvindeligt Selskab“ wieder mit einer unkonventionellen Veranstaltung dabei. In Rundetårnet feierte man das neue Wissen über „das weibliche Lustorgan“ unter der Überschrift „Kvindeligt Selskab kører med klitten“ (sinngemäß etwa: „Die Frauengesellschaft lässt Perlen perlen ...“).
1994 initiierten die „Professionellen Hexen“ eine Veranstaltung zum 8. März, einen Frauentag in „Cikaden“, unter dem Motto „Natten er vores“ („Die Nacht gehört uns“), ein Slogan, der sich an das englische „Take back the night“ anlehnt und an die Verwendung durch die Emanzen in den 1970er-Jahren mit dem Ausdruck „Tag natten tilbage“ (Nehmt (Euch) die Nächte zurück) erinnert. Die Veranstaltung bestand aus kurzen Einleitungsvorträgen über Feminismus, Körper, Sex, Vergewaltigung, Flüchtlingsfrauen in Dänemark, Gentechnologie und Abtreibung. Die „Professionellen Hexen“ definierten sich so:
„Wir sind eine Gruppe von Frauen, die sich die Professionellen Hexen nennen, PROFH. Wir haben Wurzeln in der Frauenbewegung der 70er Jahre. Wir wollen Frauenbilder schaffen, die nicht von Männern definiert sind. Wir gehen als Ausgangspunkt von den jetzigen Lebensumständen der Frauen aus. Wir wollen Begrenzungen abbauen, den Frauenkampf fortsetzen und auf die Vielfältigkeit von Frauen aufbauen, die Vielfältigkeit die vom Patriarchat als gefährlich, regelwidrig und chaotisch erlebt wird. Daher der Vergleich mit den früheren Frauen, die als Hexen bezeichnet wurden. Fegt das Patriarchat weg, und braut selbst weiter!“
Das neunzigjährige Jubiläum des 8. März 2000 wurde in Kopenhagen damit gefeiert, dass nahezu alle Frauenorganisationen und Netzwerke, Gewerkschaften, Kvindeligt Selskab und KVINFO eine große Veranstaltung im Diamanten, der Königlichen Bibliothek, abhielten. Das Programm am Nachmittag bestand aus Reden, unter anderem der Gleichstellungsministerin Jytte Andersen und einer Reihe von Workshops, die von den einzelnen Organisationen und Netzwerken durchgeführt wurden. Am Abend wurde gefeiert, mit Auftritten der Jazzsängerin Katrine Madsen, Hanne-Vibeke Holst (Autorin), der Frauenband „Jodelladies“ und vielen anderen.
Der Internationale Frauentag hat sich in den 90 Jahren, in denen er existiert, von einem sozialistischen Arbeiterfrauentag hin zu einem Tag gewandelt, der alle Phasen und Umstände eines Frauenlebens beleuchtet, diskutiert und debattiert. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass das Wort Kampf mehr oder weniger weggefallen ist (Anmerkung: Im Dänischen heißt es Internationaler Frauenkampftag) und der 8. März in der Regel als der Internationale Frauentag oder als Internationaler Frauenfesttag bezeichnet wird.







