Sicherheit für Kids im Netz

Um zu vermeiden, dass Kinder bei ihren Surfabenteuern auf die falschen Seiten gelangen, gibt es spezielle Suchmaschinen für Kinder.
"Sich mit Freunden treffen" und "draußen spielen" steht immer noch an der Spitze der Freizeitaktivitäten von Kindern. Doch schon zwei Drittel der Sechs- bis Dreizehnjährigen nutzen regelmäßig einen Computer – vorwiegend zu Hause, aber auch in der Schule oder bei Freunden. Fast jeder Haushalt verfügt heute über einen Computer, etwa ein Sechstel der Kinder besitzt schon einen eigenen PC, und vier Fünftel aller Haushalte, in denen Kinder aufwachsen, verfügen über einen Zugang ins World Wide Web. Das Internet hat bei den jüngeren Kindern, unter acht Jahren, noch eine relativ geringe Bedeutung, doch mit dem Alter nimmt die schnell zu.
Erste Schritte im Internet
Angebote gibt es schon für die Kleinsten. Für die Vor- und Grundschulkinder sind hauptsächlich Spiele interessant. Memory, Puzzles, Ausmalbilder oder Geschicklichkeitsspiele, die in der Regel auch ohne Internet funktionieren und den "Offline-Spielen" nachempfunden sind. Doch der frühe Kontakt mit dem Internet regt das Denken und die kognitive Entwicklung an. Kinder lernen vernetzt zu denken, mit medialen Inhalten umzugehen und diese richtig einzuschätzen.Sicher surfen im World Wide Web
Spannender wird das Internet für Kinder, wenn sie gut lesen können. Mehr als die Hälfte der Zwölf- bis Dreizehnjährigen sind täglich oder mehrmals pro Woche online. (Bei den über 14-Jährigen, den Jugendlichen, sind es bereits mehr als 80 Prozent.) Regelmäßig suchen sie Informationen für die Schule oder über ihre Hobbys und Interessen.
Um zu vermeiden, dass Kinder bei ihren Surfabenteuern auf die falschen Seiten gelangen, gibt es spezielle Suchmaschinen für Kinder. Denn ein Buchstabendreher in der Eingabezeile, "de" statt "com", ein vergessener Punkt oder Bindestrich können ebenso gezielt auf Gewalt- oder Pornoseiten führen, wie doppeldeutige Suchbegriffe, deren Doppeldeutigkeit den Kindern nicht bewusst ist.
Weniger erschreckend und verunsichernd ist Werbung für Kinder im Internet, doch fehlt besonders ihnen die Kompetenz, Werbung von informellen Inhalten zu unterscheiden. Und teuer wird es, wenn die jungen Surfer auf so genannte Dialer-Seiten kommen und unbemerkt die Online-Rechnung der Eltern in die Höhe treiben. Doch es gibt kindgerechte Suchmaschinen wie die Blinde Kuh.
Die Blinde Kuh, 1997 als private Initiative gegründet, wird seit 2004 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Gesucht wird hier nicht im gesamten Internet, sondern in einem manuell zusammengestellten Schlagwortkatalog. Jede Webseite, die hier auftaucht, wurde geprüft, ob sie für Kinder interessant, verständlich und geeignet ist.
Die gefundenen Seiten werden mit einer Altersangabe aufgelistet und mit einem kurzen Hinweis, was die Seite bietet. Kinder-Suchmaschinen berücksichtigen die Logik von Kindern bei der Eingabe von Suchbegriffen, gleichen Schreibfehler aus und sie können sogar etwas Umgangssprache. Mit rund 600.000 Zugriffen täglich gehört blinde-kuh.de zu den meist genutzten Seiten für Kinder im Netz.
Gute Kinderseiten
Doch alleine die Abwesenheit von pornografischen Inhalten oder Werbung, kann nicht das Kriterium für eine gute Kinderseite sein. Gute Kinderseiten bereiten Inhalte so auf, dass Kinder sich gerne damit beschäftigen, sie sind aktuell und man kann auch nächste Woche noch auf sie zugreifen. Und es gibt viele gute Kinderseiten. Klick-Tipps, ein Projekt der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest und jugendschutz.net, hat gemeinsam mit den jungen Surfern eine Liste erstellt, Seiten bewertet und kommentiert. Das Projekt will so Anbieter guter Seiten unterstützen, bestehende Vernetzungen ergänzen und dem Recht von Kindern auf Informationen ein Stück weit Vorschub leisten.
Für die Qualität von Kinderseiten setzt sich auch der Erfurter Netcode ein. Diese Initiative von Landesmedienanstalten, den Kirchen, der Karl-Kübel-Stiftung, dem Deutschen Kinderhilfswerk und vielen anderen, vergibt Siegel für gute Websites. Das Netcode-Siegel soll einerseits den Seitenbetreibern Orientierung zur Gestaltung ihrer Angebote liefern, andererseits Eltern und Kindern mehr Sicherheit im Netz bieten.
Chatten? – Aber sicher!
Doch Kinder wollen sich im Internet nicht nur informieren. Sie wollen Freunde treffen, sich austauschen. Sie wollen neue Leute kennen lernen und sie wollen auch mal unter dem Deckmantel der Anonymität jemand-anderes-sein: Sie wollen chatten.Doch beim Chatten sind Kinder am stärksten den Gefahren des Internets ausgesetzt. Von Beschimpfungen im Chatraum, Beleidigungen bis hin zu sexueller Belästigung. Der größte Teil der chattenden Kinder kennt solche Übergriffe, die bis zum sexuellen Missbrauch im realen Leben gehen können. Bei einer Online-Umfrage der Blinden Kuh, berichteten 160 von 200 Kindern schon mit solchen Übergriffen konfrontiert gewesen zu sein. Hier sind sichere Räume für Kinder also besonders wichtig, damit sie nicht beschämt und verunsichert werden, sondern lernen, sich frei und kompetent im Internet zu bewegen. "Chatten ohne Risiko?", ein Projekt der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und jugendschutz.net, untersucht seit 2004 zahlreiche Chats und Instant Messenger auf ihre Risiken für Kinder und Jugendliche. Zur Orientierung ist ein Chat-Atlas entstanden, der detaillierte Informationen zu Öffnungszeiten, Zugangsvorrausetzungen, angesprochene Altersgruppe, Themen des Chats und allgemeiner Stimmung enthält und Labels von "kein Risiko" bis "hohes Risiko" vergeben. So gilt ein Chat als sicher, bei dem ein Moderator anwesend ist, der in die Dialoge eingreifen kann oder wenn jeder Beitrag gesichtet wird, bevor er tatsächlich online geht.
Damit Kinder einen verantwortlichen Umgang mit dem Internet lernen und Eltern und Pädagogen sie dabei kompetent unterstützen können, suchen beispielsweise der Erfurter Netcode oder das Projekt "Chatten ohne Risiko?" den Dialog mit Anbietern und Betreibern, auch kommerziellen, von Chats und Webseiten. Denn nur gemeinsam kann Sicherheit im Netz für Kinder geschaffen werden.
arbeitet als freie Hörfunkjournalistin in Berlin
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November 2007



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