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Social Web – Das Mitmachen wird zum Normalfall

Mitmachen im Netz; Copyright: www.colourbox.com
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Mitmachen im Netz
Web 2.0
MP3, 2:25 Min.
Die Utopie, die Bertolt Brecht in den 30er Jahren noch für das Radio formuliert hat, ist heute im Web 2.0, dem Mitmach-Internet, für viele Realität. Der Nutzer ist nicht mehr dazu verurteilt nur zu empfangen, er kann selbst senden. Und im Web 2.0 braucht niemand mehr die technischen Hintergründe, die das möglich machen, zu kennen.

Web 2.0 in Deutschland

Die USA, quasi die Erfinder des Internet, sind Vorreiter bei der Entwicklung des Web 2.0. Deutschland liegt in dieser Hinsicht noch weit zurück, und so haben viele der großen deutschsprachigen Portale im Netz ihren Ursprung in den USA. flickr zum Beispiel kommt aus Kalifornien. Die Idee für eine Plattform zum Speichern und Austauschen digitaler Fotos entstand 2004 aus einem Online-Spiel. Heute hat flickr rund sechs Millionen Nutzer und jede Minute werden hunderte Fotos aus der ganzen Welt hochgeladen. Jeder kann seine Fotos hier ablegen, Freunden zugänglich machen oder der ganzen Welt. Für bewegte Bilder wurde 2005 youtube entwickelt, eine Plattform für selbstgedrehte kleine Videos. Hundert Millionen Downloads täglich werden hier gezählt.

Gerade um Videos am PC-Bildschirm anzuschauen oder sich in der virtuellen Welt des second life zu bewegen, wird ein "schnelles" Internet benötigt. 2003 hatten nur knapp über zehn Prozent aller deutschen Haushalte einen Breitband-Anschluss. Mit heute etwa vierzig Prozent liegt Deutschland unter dem westeuropäischen Durchschnitt, doch schon im kommenden Jahr soll die fünfzig Prozent-Marke überschritten werden.

Austausch und Kontakte knüpfen

Copyright: BERTRAND BECHARD/MAXPPP; www.colourbox.commyspace gehört zu den beliebtesten Websites der Welt. Die deutsche Variante des Online-Netzwerks heißt dugg.de – du gehörst zu meinen Freunden und hat laut eigenen Angaben schon über zwei Millionen jugendliche Teilnehmer. StudiVZ wendet sich in erster Linie an Studierende, die Hauptakteure im Web 2.0, und ist Kontaktbörse, Studentenzeitung, Diskussionsplattform und schwarzes Brett in einem.

Auch der Heiratsmarkt ist online. Bis zu 2000 Online-Partnerbörsen gibt es, von denen jedoch lediglich ein kleiner Teil eine relevante Größe hat. In der Regel sind diese Portale kostenpflichtig und 2005 erzielte die Branche in Deutschland schätzungsweise 76 Millionen Euro und Experten prognostizieren einen weiteren Anstieg, heißt es in einem Sonderheft des Nachrichtenmagazins Spiegel. Wie viele glückliche Ehen auf diesem Weg geschlossen werden, ist nicht belegt.

Selbstdarstellung und Schutz der Persönlichkeit

Copyright: www.colourbox.comSehr kritisch wird gesehen, dass immer mehr Menschen, insbesondere Jugendliche, ihr Leben öffentlich machen. So stelle bereits jeder Fünfte, in der Gruppe der 14-29Jährigen schon jeder zweite, private Informationen ins Internet. Entweder auf eigenen Homepages, in Online-Communitys, wie etwa StudiVZ oder auch in Partnerbörsen. Nicht immer sind diese Profile aus Filmchen und Fotos, Angaben zu politischen Einstellungen oder sexuellen Vorlieben nebst Handynummer im World Wide Web gut aufgehoben. Lassen sich diese Profile wieder leicht entfernen und so vor der Öffentlichkeit verbergen, sind Meinungsäußerungen in Foren, Blogs oder Chats im Prinzip unauslöschbar. Datenschützer warnen daher einerseits vor zu viel Offenheit im Internet, beobachten andererseits, auf Grund der öffentlichen Diskussionen über die heimliche Ausspähung privater Computer zum Schutz vor Terrorismus, auch wieder eine höhere Sensibilität gegenüber der Wahrung der Persönlichkeitsrechte.

Nebeneinander der neuen und alten Medien

Am beliebtesten bei den Deutschen ist Wikipedia. Mehrere zehntausend Menschen weltweit schreiben hier neue Beiträge, ergänzen oder korrigieren Bestehendes. Zu etwa 580 Tausend deutschen Artikeln kommen täglich 500 neue. Für die einen ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia ein basisdemokratisches und sich selbst kontrollierendes Projekt, welches die "Weisheit der Massen" verbreitet, für die anderen ist es ein Netz von Dilettanten und Besserwissern und sie trauern um eine Welt, in der zwischen Autor und Publikum klar getrennt wurde.

Diese Vermischung von Konsumenten und Produzenten, der Verlust der traditionellen Meinungsbildner Presse und Rundfunk, findet sich besonders in der Blogosphäre und der Podosphäre. Das, was immer journalistisches Handwerk war, kann heute jeder Internetnutzer selbst produzieren und veröffentlichen. So wird eine enorme Vielfalt von Meinungen geschaffen und auch die Interessen von Minderheiten finden ihre Plattform. Einschaltquoten oder Verkaufszahlen entscheiden nicht mehr über Formate und Inhalte, keiner ist auf Sendeplätze oder Frequenzen angewiesen.

Doch das Nebeneinander von neuen und klassischen Medien erfordert ein hohes Maß an Medienkompetenz der Bürger. Bei der Vielfalt von Informations- und Unterhaltungsangeboten ist es nicht einfach, sich zu orientieren. Daher werden nach wie vor die Angebote der etablierten Redaktionen bevorzugt genutzt, denn auch die gehen immer häufiger online. Sie bloggen, Hör- und Fernsehbeiträge findet man als Podcast im Netz, und sie motivieren ihre Leser, Hörer und Zuschauer zum Mitmachen.

Kaufen und Verkaufen

Die meistgenutzte Anwendung der Deutschen sind jedoch die Marktplätze im Internet. Fast vierzig Prozent haben 2006 Waren oder Dienstleistungen über das Internet erstanden. Das ist ein Zuwachs von fast 50 Prozent gegenüber 2003 und damit liegen sie deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Einen Grund für diese Entwicklung sehen Experten darin, dass Angebote von Konsumenten für Konsumenten glaubwürdiger sind, als Informationen von Händlern und Herstellern.

Zukunft

Das Internet wird in der Zukunft immer stärker von der Interaktivität der Nutzer geprägt sein und so das gesellschaftliche Leben ergänzen und bereichern, sagen die Experten der Studie "Deutschland Online 4" hervor. Bei dieser Entwicklung wird die Welt allerdings auch wieder kleiner: Die Inhalte mit Bezug zum unmittelbaren lokalen Umfeld werden zunehmen, man surft also durchs World Wide Web zum Buchladen an der nächsten Straßenecke.
Brigitte Hagedorn
arbeitet als freie Hörfunkjournalistin in Berlin

Copyright: Goethe-Institut, Online-Redaktion

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November 2007

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