Interview mit Amy Arif von der „Cairo Urban Initiative Platform“

Die auf einem interaktiven Stadtplan basierende bilinguale (Arabisch/Englisch) Website bietet einen Überblick über in Kairo ansässige zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich mit Urbanisierung und städtischem Raum befassen, und will den stetig wachsenden Pool an Organisationen und Projekten in Kairo greifbar machen. Wir sprachen mit Amy Arif (CUIP).
Wie ist das Projekt CUIP entstanden?
Die Idee für CUIP kam von Beth Stryker und Omar Nagati von CLUSTER (Cairo Lab for Urban Studies, Training and Environmental Research) 2011. Mit der ägyptischen Revolution 2011 entstand eine Dynamik mit mehr Freiräumen, die die Gründung neuer Initiativen gefördert hat. Durch neue Finanzierungsmöglichkeiten für kulturelle, kommunale oder städtische Initiativen und unklare rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen entstand der Bedarf für eine Plattform zum Kartieren der zahlreichen Initiativen, um den Austausch von Informationen & Ressourcen zu erleichtern. Eine derartige Plattform gab es bis dahin nicht in Ägypten. Mit den zunehmenden Aktivitäten vieler Initiativen verknüpft mit dem wachsenden Interesse und Engagement der Zivilgesellschaft an der Stadt, des urbanen Umfeldes und des öffentlichen Raumes wurde die Notwendigkeit einer Plattform wie CUIP immer klarer. Wir arbeiteten bei CUIP mit
Was ist neu bei CUIP? Mit Portalen wie cairo360° gibt es ja bereits Veranstaltungskalender für Kairo.
CUIP unterscheidet sich von cairo360° darin, dass es nicht nur einen weitaus breiteren und facettenreicheren Bereich an Veranstaltungen abdeckt, sondern auch einen weitgehend anderen Fokus hat. Wir orientieren uns nicht an Unterhaltung, so wie es cairo360° primär tut, und wir arbeiten nicht kommerziell. CUIP ist gemeinschaftsorientiert und abgesehen von Kunst- und Kulturveranstaltungen bieten wir zusätzlich Informationen zu den Bereichen Architektur, Technologie, Stadtentwicklung, zivilgesellschaftliche Interessengruppen, Nachhaltigkeitsbezogene Veranstaltungen und der Arbeit von Universitäten. Der ursprüngliche Gedanke des Projektes war es, eine Plattform für Initiativen zu schaffen, die sich mit Stadtentwicklung und dem öffentlichen Raum in Kairo befassen und deren Koordination und Kollaboration zu fördern.
CUIP ist mehr als nur ein Veranstaltungskalender für Kairo. Was sind eure Ziele?
Das Herzstück des Projektes ist ein Verzeichnis der Initiativen und ein Kalender, verbunden mit einem interaktiven Stadtplan Kairos, um eine Übersicht über die zahlreichen Initiativen aus den verschiedenen Kategorien wie Kunst, oder Architektur sowie interdisziplinäre Projekte zu städtischem und öffentlichem Raum in Kairo visualisiert darzustellen. Mit diesem Werkzeug soll CUIP auch eine Ressource für die Initiativen selbst sein, sowohl für die eigene Repräsentation als auch zur Kontaktaufnahme zwischen den Initiativen. CUIP ist nicht nur eine Plattform um die eigenen Veranstaltungen bekannt zu machen, sondern soll auch als Werkzeug für die Initiativen dienen während der Planung von Veranstaltungen auf die Ressourcen anderer Projekte zurückgreifen zu können. Man kann sehen was andere Initiativen aus dem gleichen Arbeitsbereich planen, Möglichkeiten zur Zusammenarbeit finden oder Doppelungen verhindern. Unser Ziel ist es DIE Referenz-Website für Veranstaltungen im Großraum Kairo zu werden.
Welche Rolle hat CLUSTER im CUIP-Projekt?CLUSTER ist die Organisation, die CUIP entwickelt und angestoßen hat. Sie ist darauf ausgerichtet kritischen Raum für städtische und kommunale Diskurse auch auf theoretischer Ebene zu schaffen, basierend auf professioneller Praxis und der verschwommenen Grenze zwischen formellen und institutionellen Regeln und täglicher städtischer Informalität.
Was hat sich in Ägypten und Kairo seit der Revolution 2011 verändert, insbesondere in Bezug auf Urbanisierung und Gentrifizierung der Kulturszene und was sind eure Erwartungen für die Zukunft?
Nach der Revolution entstand eine neue Art von Meinungsfreiheit und der Wunsch diese neuen Freiheiten gestalterisch auf die Zivilgesellschaft zu übertragen. An diesem Punkt begann CLUSTER mit der Arbeit am CUIP-Projekt. Eine große Anzahl von Initiativen entsprang diesen Veränderungen, es war der Wunsch der Menschen den öffentlichen Raum für sich zurückzugewinnen und ihn aktiv mitzugestalten. Es gab eine Zunahme an Projekten in den Bereichen Nachhaltigkeit und Grüne Technologien sowie Forschung in Genderfragen und Stadtentwicklung. Wie man auf unserer interaktiven Karte sehen kann sind die meisten auf unsere Website integrierten Initiativen in Kairos Innenstadt angesiedelt. Im Stadtzentrum befinden sich viele historische Cafés, Kinos oder im Kultursektor arbeitende Organisationen. Auch die Lage ist zentral und gut erreichbar, daher erklärt sich die Konzentration auf diesen Stadtteil. Für die Zukunft allerdings erwarten wir, dass sich der Fokus von der Innenstadt auf andere Teile Kairos ausbreiten wird, vor allem in die informellen Stadtteile, in denen sich immer mehr lokale Interessengruppen und Nicht-Regierungs-Organisationen gründen.
stellte die Fragen. Er lebt und arbeitet als freier Journalist in Kairo.
Copyright: Goethe-Institut Kairo
September 2013
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