Der Richter und sein Henker

Friedrich Dürrenmatt - Der Richter und sein Henker © Diogenes VerlagFriedrich Dürrenmatt
Der Richter und sein Henker


Diogenes Verlag, 1992, 181 Seiten

Ausgangspunkt dieses Kriminalromans von Friedrich Dürrenmatt ist die Nichtberechenbarkeit der Welt. Damit verletzt er die üblichen Regeln des Genres, das die Berechenbarkeit des menschlichen Handelns und die innere Ordnung der Welt durch ausgleichende Gerechtigkeit voraussetzt: der Zufall spielt die Hauptrolle. In „Der Richter und sein Henker“ werden weitere Genre-Erwartungen enttäuscht: Der Kommissar macht sich schuldig – er ist dem Verbrecher in seinem Verhältnis zur Gerechtigkeit sehr ähnlich – und der Verbrecher wird für ein nicht begangenes Verbrechen bestraft.

Zentrale Figur ist der alte, kranke Kommissar Bärlach, ein konservativer Mensch von altem Schrot und Korn. Er hält wenig von den Techniken der modernen Kriminologie und folgt lieber seinem durch Erfahrung geschärften gesunden Menschenverstand. Doch es bleibt ihm nicht mehr viel Zeit, den Verbrecher zu überführen, denn Bärlach ist todkrank. Die Figur des Bärlach steht in der Tradition von Chandlers Philip Marlowe und Georges Simenons Maigret.

Der Richter und sein Henker erschien zunächst 1950/1951 in acht Folgen als Fortsetzungsroman in der Wochenzeitschrift „Der Schweizerische Beobachter“.

Es ist nicht das Bedürfnis nach geistigem Rasten, das hier den bekannten Schweizer Dramatiker zum Kriminalroman gedrängt hat. Das Thema ist konfliktreicher, die Form anspruchsvoller als bei vielem, was sich bildungsstolz Literatur nennt und über den Kriminalroman die Nase rümpft.
(Die Furche)

Diese verwickelte Geschichte erzählt Dürrenmatt so geschickt und so klug, dass man ihm bis zu den letzten Seiten mit erregter Spannung zuhört.
(Rundschau)

Friedrich Dürrenmatt gehört zu den unverwechselbaren Figuren der europäischen Literatur nach 1945. Dürrenmatt ist beinahe ein Genie. Er gehört – und das gibt es in deutschen Landen nur sehr selten – zu den Predigern mit Pfiff, er fungiert als ein professioneller Prophet, dem es gefällt, Schreckliches zu verkünden, und dem es gelingt, dabei niemandem die Laune zu verderben.
(Marcel Reich-Ranicki in Frankfurter Allgemeine Zeitung)



DER AUTOR
Der 1921 in Konolfingen bei Bern als Sohn eines Pfarrers geborene Friedrich Dürrenmatt gilt heute als der Übervater der Schweizer Literatur. Nach dem Studium der Literatur und Philosophie begann er schon bald zu schreiben: Erzählungen, Theaterstücke und Romane. Dürrenmatt starb 1990 in Neuenburg.

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