Melle, Thomas

Sickster

© Rowohlt VerlagThomas Melle – Sickster © Rowohlt VerlagThomas Melle
Sickster


Rowohlt Verlag, 2013, 336 Seiten

Zwei junge Männer stehen an vorderster Front einer überhitzten Konsum- und Leistungswelt – und halten stand, bis die Beschleunigung ihr Leben erfasst, überwuchert: Der idealistische Magnus Taue schreibt für das Kundenblatt eines Ölkonzerns, fühlt sich als Loser und hasst seine Arbeit mit der Wut eines Schläfers. Thorsten Kühnemund, Manager und Macho, leidet insgeheim am erfolgreichen Hochglanzleben voller Druck und Alphatierneu¬ro¬sen, er betäubt sich mit Alkohol, schnellem Sex und Abstürzen im molochartigen Clubbing der Stadt. Aus Schulzeiten bekannt, freunden die beiden sich zögerlich an. Doch dann brechen die Fassaden ein. Magnus fühlt sich zu Thorstens Freundin Laura hingezogen, und alle drei strudeln ins Haltlose. So beginnt eine Suche nach irgendeiner Wahrheit des Empfindens, Denkens und Tuns – eine Suche im Rausch, Schmerz und Wahn, und in der eigenen Seele …

Einfühlsam und radikal erforscht Thomas Melle ein sich immer schneller um ein leeres Zentrum drehendes Leben – bis an die Grenzen des Ichs und darüber hinaus. Sickster ist ein großes diagnostisches Zeitbild – und das Romandebüt eines Autors, dessen Sprache, so Iris Radisch, „bis ins letzte Komma aufgeladen“ ist. (Verlagsinformation)

Thorsten Kühnemund arbeitet in der Berliner Zentrale eines Mineralölkonzerns. Thorsten ist ein Wrack: Von der Bilderflut der Medien abgestumpft und durch die Anforderungen der Arbeitswelt zum Alkoholiker geworden, bekommt er eben gerade alles so hin: Beziehung, Affäre, Job. Doch Sickster beschränkt sich nicht darauf, in Bret-Easton-Ellis-Manier den Ennui der Gegenwart zu inszenieren – er wechselt die Perspektiven, und spätestens als mit Magnus Taue, dem vor Jahren die Diagnose Schizophrenie gestellt wurde, das erzählerische Ruder übernimmt, wird deutlich, dass Melle hier auf mitreißende Weise das Pathologische selbst sprechen lässt. Eine formale und inhaltliche Radikalität dieser Art findet man selten in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: Sickster kreist um eine Leerstelle, die man Geborgenheit nennen darf. (Christoph Schröder)

„Von Melles kraftvoller Prosa aufgeladen wird aus den hochsensiblen Psychogrammen ein gesellschaftskritisches und hochpolitisches Buch, das die Beschädigungen einer ganzen Generation verhandelt.“
(kulturnews.de)



DER AUTOR
Thomas Melle – geboren 1975 in Bonn, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie und lebt in Berlin. Er ist Autor vielgespielter Theaterstücke und übersetzte u. a. William T. Vollmanns Roman Huren für Gloria. Sein Debütroman Sickster war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. (Verlagsinformation)

    Übersetzungsförderung

    Das Förderprogramm des Goethe-Instituts unterstützt ausländische Verlage bei der Publikation deutscher Literatur.