Schneider, Peter

Die Lieben meiner Mutter

© Kiepenheuer & WitschPeter Schneider - Die Lieben meiner Mutter © Kiepenheuer & WitschPeter Schneider
Die Lieben meiner Mutter


Kiepenheuer & Witsch, 2013, 304 Seiten

Jahrzehntelang haben ihre Briefe aus der Kriegs- und Nachkriegszeit ungelesen im Schrank gelegen. Als Peter Schneider sich endlich entschließt, die in Sütterlin geschriebenen Briefe seiner Mutter transkribieren zu lassen, stößt er auf eine unglaubliche Geschichte – eine offene Dreiecksbeziehung. Eine aufwühlende Recherche beginnt. Peter Schneiders Erinnerungen an die Jahre, die er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern nach der Flucht im bayrischen Dorf Grainau unterhalb der Zugspitze verbrachte, sind noch sehr lebendig – aber sie kreisen um jemand anderen. Willy, der sieben Jahre ältere Jugendliche, schlug Peter und seine Schwester in seinen Bann, weil er ihnen etwas Großes versprach: Dank seines guten Drahts zum Erzengel Michael würde er sie das Fliegen lehren. Während die Geschwister den Erzengel mit Geld und gestohlenen Naturalien aus dem Vorrat der Mutter gnädig zu stimmen versuchten, bewegte sich ihre Mutter in ganz anderen Sphären. In ihren Gedanken und ihren Briefen war sie beim fernen Ehemann, einem Komponisten und Dirigenten – und bei ihrem Geliebten, einem bekannten deutschen Opernregisseur, der in den Nachkriegsjahren mit aufsehenerregenden Inszenierungen Furore machte.

Aus ihren Briefen und seinen Erinnerungen rekonstruiert Peter Schneider seine Kindheit und entwirft das vielschichtige Porträt einer faszinierenden Frau, die ohne Rücksicht auf die Konventionen der Zeit ihren Leidenschaften folgte und viel zu früh starb. (Verlagsinformation)

Über Jahrzehnte hinweg bewahrte der Schriftsteller Peter Schneider, Jahrgang 1940, die Briefe seiner Mutter auf. Lesen konnte er die Sütterlinschrift nicht. Als er sich entschloss, die Dokumente transkribieren zu lassen, stieß er auf eine erstaunliche Geschichte: Die Mutter lebte in einem Dreiecksverhältnis mit Schneiders Vater und dessen besten Freund. Eine verzweifelte Liebe. Schneider erzählt dezent und einfühlsam von einer bemerkenswerten Frau in unruhigen Zeiten und zugleich von seinem Aufwachsen in einem bayerischen Dorf der Nachkriegszeit. Kein Pathos schwingt mit und auch nicht der Gedanke, mit der Elterngeneration abzurechnen. (Christoph Schröder)

„So privat, so persönlich diese Geschichte auch ist, so unverkennbar vollzieht sie sich im Schatten des politischen Wahnsystems der NS-Zeit. In dieser Verknüpfung des Einzelfalls mit historischer Zeitgeschichte liegt die Leistung autobiografischer Literatur.“
(Ursula März, DIE ZEIT)

„Eine anrührende und allgemeingültige Erzählung - über das, was eine ganze Generation von Frauen in dieser Zeit durchgemacht hat.“
(NDR Fernsehen)



DER AUTOR
Peter Schneider – geboren 1940 in Lübeck, studierte in Freiburg Germanistik, Geschichte und Philosophie. Im Bundestagswahlkampf von 1965 schrieb er Reden für SPD-Politiker, 1967/68 avancierte Schneider zu einem der Wortführer der 68er-Bewegung. 1973 wurde ihm als Referendar das Berufsverbot erteilt. Er schrieb Erzählungen, Romane, Drehbücher und Reportagen sowie Essays und Reden. Seit 1985 unterrichtet Peter Schneider als Gastdozent an amerikanischen Universitäten, unter anderem in Stanford, Princeton und Harvard. Er lebt in Berlin. (Verlagsinformation)

    Übersetzungsförderung

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