Stanišić, Saša

Vor dem Fest

© Luchterhand LiteraturverlagSaša Stanišić – Vor dem Fest © Luchterhand LiteraturverlagSaša Stanišić
Vor dem Fest


Luchterhand Literaturverlag, 2014, 320 Seiten

Es ist die Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Das Dorf schläft. Bis auf den Fährmann – der ist tot. Und Frau Kranz, die nachtblinde Malerin, die ihr Dorf zum ersten Mal bei Nacht zeigen will. Ein Glöckner und sein Lehrling wollen die Glocken läuten, das Problem ist bloß: die Glocken sind weg. Eine Füchsin sucht nach Eiern für ihre Jungen, und Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA, findet mehr Gründe gegen das Leben als gegen das Rauchen.

Niemand will den Einbruch ins Haus der Heimat beobachtet haben. Das Dorfarchiv steht aber offen. Doch nicht das, was gestohlen wurde, sondern das, was entkommen ist, treibt die Schlaflosen um. Alte Geschichten, Sagen und Märchen ziehen mit den Menschen um die Häuser. Sie fügen sich zum Roman einer langen Nacht, zu einem Mosaik des Dorflebens, in dem Alteingesessene und Zugezogene, Verstorbene und Lebende, Handwerker, Rentner und edle Räuber in Fußballtrikots aufeinandertreffen. Sie alle möchten etwas zu Ende bringen, in der Nacht vor dem Fest. (Verlagsinformation)

Stanišićs zweiter Roman ist bereits jetzt der Roman des Jahres, und das völlig zurecht, so komisch und blitzgescheit, so sanft und doch zwingend erzählt Stanisic aus dem uckermärkischen Dorf Fürstenfelde. Die Jungen gehen weg; die Alten sterben weg. Doch bevor es endgültig zu Ende geht, gibt es noch einiges zu tun. Ein Fest zu feiern, beispielsweise, so geschieht es seit Jahrhunderten, das Annenfest, „was wir feiern, weiß niemand so recht. Nichts jährt sich, nichts endet oder hat genau an diesem Tag begonnen. Vielleicht feiern wir einfach, dass es das gibt: Fürstenfelde.“ Stanišić unternimmt Tiefenbohrungen in die Geschichte des Dorfes. Und er bedenkt jede seiner Figuren mit Sympathie. Er nimmt sie Ernst, aber er beschreibt sie mit Humor. Das findet man selten. (Christoph Schröder)

„Dies ist ein komischer Patchwork-Provinzroman, vollgesogen mit Gegenwart, Familiengeschichten, Wendezeit und Vergangenheit, voller Dialoge, die das Groteske streifen, und einer Füchsin, die auf Eierjagd geht. Der Chor, das anonyme ‚Wir‘ hält das Fest zusammen. Sein Echo klingt im Leser lange nach.“
(Lothar Müller | Süddeutsche Zeitung, 10. März 2014)

„So schlicht und ergreifend Stanišić über Heimat, Fremde und die Sehnsucht nach Frieden erzählt, so komisch wie poetisch ist dieses an burlesken Einfällen und tragikomischen Geschichten überbordende Buch.“
(Focus)



DER AUTOR
Saša Stanišić – geboren 1978 in Visegrad in Bosnien-Herzegowina, lebt seit 1992 in Deutschland. Sein Romandebüt Wie der Soldat das Grammofon repariert begeisterte Leser und Kritik gleichermaßen, es gelangte 2006 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde bisher in 30 Sprachen übersetzt. Stanišić erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Adelbert-von-Chamisso-Preis und zuletzt für Vor dem Fest den Preis der Leipziger Buchmesse 2014. (Verlagsinformation)

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