Erfinderwelten – Eine kurze Geschichte der Technik

Reinhard Osteroth - Erfinderwelten – Eine kurze Geschichte der Technik © Rowohlt Verlag Reinhard Osteroth
Erfinderwelten – Eine kurze Geschichte der Technik

Rowohlt Verlag, 2008, 222 Seiten, für Jugendliche und Erwachsene

Reinhard Osteroth gibt in „Erfinderwelten. Eine kurze Geschichte der Technik“ einen Überblick über die Entwicklung des Menschen und seines Werkzeugs vom Faustkeil bis zur Gentechnologie, von der Steinzeit bis in unsere Gegenwart.

Der Autor entführt uns in die Welt der großen Erfinder. Er erzählt davon, wie Buchdruck, Dampfmaschine und Transistor, Glühbirne, Telegraph und Raumfahrt das Leben der Menschen verändert haben. Wir lernen exzentrische Tüftler kennen, begnadete Ingenieure wie Rudolf Diesel, die Luftfahrtpioniere Montgolfier und Hugo Junkers oder den Erfinder des Computers, Konrad Zuse. Die plötzliche Eingebung, der bloße Zufall, der lange Irrweg und die rettende Idee – all das gehört ebenso zur Geschichte ihrer Erfindungen wie der Streit um Patente, um den Lohn für all die Mühe und um die Ehre, der Erste gewesen zu sein.

Neben den Erfindungen selbst gilt Osteroths Blick immer auch den Zeitumständen, in denen sie entstanden sind, sowie natürlich ihren Urhebern, den Erfindern. Das Buch entfaltet ein Panorama gesellschaftlicher Einflüsse und Abhängigkeiten, durch das spürbar wird, warum manche Erfindungen erst in dieser Zeit möglich, begünstigt oder noch unmöglich waren.

Lesenswert wird es vor allem auch durch die Schilderung der Geschichten hinter den bahnbrechenden Tüfteleien. Wer hätte gewusst, dass der Gummi-Erfinder Charles Goodyear jahrelang Kautschuk in der Bratpfanne schmolz, bis er endlich die richtige Rezeptur fand – und seine Schulden zurückzahlen konnte? Oder dass sich die Frau des deutschen Chemikers Heinz Haber, berühmt für sein Verfahren zur Stickstoff-Synthese, das Leben nahm, nachdem das Giftgas, das ihr Mann während des 1. Weltkriegs entwickelt hatte, erstmals Tausende gegnerische Soldaten dahin gerafft hatte? Das Buch liefert jenen Kontext, der in vergleichbaren Werken gern auf der Strecke bleibt.

Erfinderwelten. Eine kurze Geschichte der Technik“ ist ein packend geschriebener, unterhaltsamer Streifzug durch die Welt der Technik – von der Urzeit bis hinein ins 21. Jahrhundert, uneingeschränkt empfehlenswert für alle, die es genau wissen wollen.

Seine Stärke entfaltet das Buch auch dann, wenn es die Geschichten verfolgt, die zur oft mühsamen Entwicklung einer neuen Erfindung geführt haben. Ein Prozent Inspiration, 99 Prozent Transpiration, lautet das bekannte Diktum von Thomas Alva Edison. Viele Versuche und Irrtümer waren nötig, bis das erste Luftschiff sich erhob, die erste Glühbirne länger als ein paar Stunden brannte und der sparsame Dieselmotor endlich lief. Erfinderwelten […] versammelt vor allem grundlegende Ideen, die die Welt entscheidend geprägt haben. Einen enzyklopädischen Anspruch könnten die 220 großzügig bedruckten Seiten dieses Buches auch kaum erfüllen. Trotzdem gelingt es Osteroth, mehrere tausend Jahre Technikgeschichte im Groben sichtbar zu machen, ohne dabei die Folgen der neuen Errungenschaften aus den Augen zu verlieren.
(Deutschlandradio)



DER AUTOR
Reinhard Osteroth, geboren 1958 in Helmstedt/Niedersachsen, lebt als freier Autor und Journalist in Berlin. Der studierte Historiker schreibt regelmäßig für die Zeit. Kultur- und Technikgeschichte zählen zu den Schwerpunkten seiner Arbeit. 2004 erschien sein Sachbuch „Ferdinand Porsche“.