Die Zauberflöte. Oper und Mysterium

Jan Assmann - Die Zauberflöte © Carl Hanser VerlagJan Assmann
Die Zauberflöte. Oper und Mysterium

Carl Hanser Verlag, 2005, 383 Seiten

Mozarts Zauberflöte ist die bekannteste Oper in der abendländischen Musiktradition und ein symptomatisches Dokument west-östlichen Kulturtransfers. Doch bis heute gibt das Werk Rätsel auf. Der international renommierte Ägyptologe Jan Assmann hilft nicht, diese aufzulösen. Vielmehr deutet er sie sinnvoll, indem er die im Werk enthaltenen Bezüge auf die Freimaurerei, auf ihre Vorstellungen vom alten Ägypten und auf die damit verbundene Mysterienkultur beschreibt.

Besonders unter den Freimaurern, denen der Autor des Librettos der „Zauberflöte“, Emanuel Schikaneder sowie auch Wolfgang Amadeus Mozart angehörten, herrschte im späten 18. Jahrhundert eine regelrechte „Ägyptomanie“. Motiviert durch ihr leidenschaftliches Interesse am Mysterium gab das alte Ägypten den Wiener Freimaurern Impulse für die Ausgestaltung ihrer Zeremonien und gesellschaftlichen Visionen. Der als überlebt empfundenen Habsburger Monarchie sollte die Utopie einer grundlegenden Veränderung der gesellschaftlichen, politischen und religiösen Verhältnisse entgegen gesetzt werden.

Das durch irreale Vorstellungen eines symbolischen und phantastischen Ägyptens gespeiste Mysterium sollte diesen Weg weisen. Mozarts „Zauberflöte“ ist Ausdruck dieser Ideen – weniger dadurch, dass sie die Mysterien nacherzählt als dadurch, dass sie sie als Ritual erlebbar und die Zuschauer zu Mitspielern machen will – auf dass sie sich der läuternden Wirkung des Rituals nicht entziehen können. Die „Zauberflöte“ bringt ein Ritual auf die Bühne und lässt es nicht nur vor den Zuschauern ablaufen, sondern bezieht diese auch auf eine ebenso subtile wie intensive Weise in dieses Ritualgeschehen ein.

Assmanns eng am Werk entlang geführte Untersuchung (vier Kapitel, die die beiden Akte kommentieren, werden an plausiblen Schnittstellen von spezielleren thematischen Essays unterbrochen) schärft den Blick für aktuelle Interpretationen des Werkes. Für sein profundes Buch wertete er die unübersehbare Menge der zu dieser Mozartoper erschienenen Literatur souverän aus, studierte Text und Musik gründlich, kam dabei zu neuen Einsichten und auch zu kritischen Stellungnahmen gegenüber der gängigen Rezeption der „Zauberflöte“.

Darüber hinaus dokumentiert der Autor ebenso lebendig wie überraschend den Orientalismus des ausgehenden 18. Jahrhunderts und die Geschichte einer künstlerischen Befruchtung zwischen West und Ost. Das Buch ist glänzend geschrieben, voller fulminanter Formulierungen und interessanter Querverweise und so auch für außerakademische Leser ein Genuss. Man merkt der Untersuchung die Begeisterung des Autors für seinen Gegenstand an.

Zudem ist das Buch glänzend, im besten Sinne antiakademisch geschrieben; farbig, pointenreich, voll überraschender Einfälle. Da spricht kein Gelehrter mit überreichem Wissen, sondern ein vom Kunstwerk enthusiastisch Affizierter, der nicht nur die Ägypten-Rezeption genauestens kennt, sondern auch in musikalischen Detailfragen bewandert ist.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Assmanns glänzende Studie bereichert unsere Kenntnisse über die „Zauberflöte“, und die Lektüre ist nicht zuletzt deshalb ein Gewinn, weil das schriftstellerische Temperament des Autors seinem „Gegenstand“ – der Liebe zu Mozart – sprachlich gewachsen ist.
(Literaturkritik.de)



DER AUTOR
Jan Assmann wurde 1938 in Langelsheim geboren. Studium der Ägyptologie, Klassischen Archäologie und Gräzistik in München, Heidelberg, Paris und Göttingen, Professur für Ägyptologie in Heidelberg, Gastprofessuren in Paris, Jerusalem und USA. Seit 1967 Epigraphisch-archäologische Feldarbeit in Theben-West. Buchpublikationen und Aufsätze zur ägyptischen Religion, Geschichte, Literatur und Kunst sowie zur allgemeinen Kulturtheorie und Religionswissenschaft. 1998 erhielt er den Preis des Historischen Kollegs, der als deutscher Historikerpreis vergeben wird.

    Übersetzungsförderung

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