
Ilija Trojanow, Ranjit Hoskoté
Kampfabsage
Blessing, 2007,
„Das einzig Ewige ist die Veränderung, sagt ein altes Sprichwort. Wenn die westliche Welt sich abschotten will, so glaubt sie also an das Ende der Geschichte. Sie glaubt, dass ihr System das beste und letzte ist, dass die westliche Kultur abgeschlossen und fertig ist. Sie ist dem Tod geweiht.“ (Ilija Trojanow)
Die Definition der eigenen kulturellen Identität und Zugehörigkeit durch Abgrenzung ist unsinnig, weil unmöglich. Der Versuch der Bewahrung einer kulturellen Scheinreinheit durch Unterdrückung von schädlichen Einflüssen muss scheitern. „Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen“, so heißt es im Untertitel dieses Buches. Die Autoren zeigen darin, dass dieses Zusammenfließen von Kulturen ein Naturgesetz ist. Es ist der dynamische Prozess, der kulturelle Identität und Zivilisation überhaupt erst möglich macht. Was wir heute allzu bereitwillig als „Kampf der Kulturen“ zu akzeptieren bereit sind, ist nichts anderes als der verzweifelte und letztlich nutzlose Versuch, diesen fruchtbaren Prozess aufzuhalten. Trojanow und Hoskote behaupten nicht, dass das Zusammenfließen von Kulturen ein stets friedlicher Vereinigungsprozess ist, bei dem die eine Kultur die andere freudig umarmt. Aber sie werden zusammenfließen, ob uns das passt oder nicht. (Verlagsinformation)
Trojanows und Hoskotés Buch richtet sich dezidiert gegen das wirkmächtige Paradigma vom „Clash of Civilizations“ von Samual Huntington, der 1993 die These aufstellte, dass die Weltpolitik des 21.Jahrhunderts nicht von Auseinandersetzungen politischer, ideologischer oder wirtschaftlicher Natur, sondern von Konflikten zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturkreise bestimmt sein werde. Trojanow und Hoskoté zeigen hingegen den „Normalfall“ kultureller Entwicklung auf: Die Kulturgeschichte sei eine der Vermischung und des Zusammenflusses, was gern verschwiegen werde; die Identitätsdebatten unserer Zeit folgten einem groben Raster der Abgrenzung. Ein rasanter, philantropischer Streifzug durch 2000 Jahre welchselseitiger Kulturannäherung. (Adam Soboczynski)
DIE AUTOREN
Ilija Trojanow, 1965 in Sofia geboren, floh mit seiner Familie 1971 über Jugoslawien und Italien nach Deutschland, wo sie politisches Asyl erhielten. 1972 zog die Familie weiter nach Kenia. Von 1985-89 studierte Trojanow Rechtswissenschaften und Ethnologie an der Universität München. Seit 2003 lebt der Schriftsteller in Kapstadt.
Ranjit Hoskote, geboren 1969 in Bombay, ist Kulturkritiker für die Bombay Times und The Hindu, Dichter und Sekretär des indischen PEN.








