Vogl: Das Gespenst des Kapitals

Joseph Vogl - Das Gespenst des Kapitals © Diaphanes VerlagJoseph Vogl
Das Gespenst des Kapitals

Diaphanes Verlag, 2010, 224 Seiten

Einer ebenso historischen wie theoretischen Sondierung folgend, hegt der Essay einen grundlegenden Zweifel darüber, ob die alte liberale Hoffnung auf die ausgleichende Ordnungsmacht des Marktes – Adam Smiths berühmte ‚unsichtbare Hand‘ – noch gerechtfertigt ist. So wenig der Kapitalismus als reiner Rationalisierungsprozess beschrieben werden kann, so wenig lassen sich Spekulation und Spekulanten als verworfene oder pathologische Ausnahmegestalten begreifen. Das liegt nicht zuletzt an den Dynamiken der modernen Finanzökonomie, die sich auf die Wirkungsweise einer stets offenen und ungewissen Zukunft verpflichtet. Für die Märkte der futures und Derivate ist Zukunft, d.h. Zeit zur unerschöpflichen Ressource geworden. Im Zentrum steht das Wissen um jene scheinbar irregulären Ereignisse, in denen die finanzökonomische Welt unlesbar und undurchschaubar geworden ist: Hier wirken Ungewissheit und Instabilität im Herzen des Systems; und hier vollzieht sich ein Angriff der Zukunft auf die übrige Zeit – das Gespenst des Kapitals. (Verlagsinformation)

Die weltweite Bankenkrise hat vor Augen geführt, wie sehr wir einerseits auf funktionierende Märkte angewiesen sind, und wie ohnmächtig die Nationalstaaten angesichts der global ausgerichteten Wirtschaft heute andererseits sind. Der Berliner Kulturwissenschaftler Joseph Vogl zeigt in seinem rasanten Essay auf, wie der Glaube an einen rationalen Markt eine bloße Chimäre ist, der man trügerischer Weise erlegen war. Der moderne Kapitalismus hebe die Unterscheidung von realen und fiktiven Werten auf. Gleichzeitig müssen wir, um unser Leben zu gestalten, an einen wohlwollenden Markt glauben. Damit ist der Kapitalismus die letzte Metaphysik der Moderne. (Adam Soboczynski)

„Das schmale Buch ist glänzend geschrieben: Kein anderer Theoretiker vermag die Irrationalität, das Chaos des Marktes so inspiriert auszumalen wie Joseph Vogl.“
(Deutschlandradio Kultur)

„Vogl [entwickelt] in seiner desillusionierenden Studie ‚Das Gespenst des Kapitals‘ ein scharfes Bewusstsein dafür, wie man die überaus komplexe Logik spekulativen, die Realwirtschaft übertrumpfenden Handelns begrifflich fassbar machen kann. Es geht hier um nichts weniger als darum, den blinden Fleck, unter dessen Prämisse Finanzökonomen Tag für Tag Gewinne erzielen, mit einem kulturphilosophischen Perspektivwechsel aus seinem Schattendasein zu holen.“
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

„Joseph Vogls Essay ‚Das Gespenst des Kapitals‘ unternimmt nichts Geringeres, als diesen Glauben an die Alternativlosigkeit kapitalistischen Wirtschaftens eingehender zu untersuchen und, so viel vorweg, nachhaltig zu erschüttern.“
(Frankfurter Rundschau)



DER AUTOR
Joseph Vogl, geboren 1957, ist Inhaber des Lehrstuhls für Neuere deutsche Literatur: Literatur- und Kulturwissenschaft/ Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin und Permanent Visiting Professor an der Princeton University, USA. Er lehrte u.a. an der Bauhaus Universität in Weimar und der Ludwig-Maximilians-Universität in München und hat zahlreiche Monographien und Artikel veröffentlicht. Für seine Übersetzungen von Schlüsselwerken der neueren französischen Philosophie erhielt er 1988 den Übersetzerpreis zur Förderung der deutsch-französischen Beziehungen. (Verlagsinformation)

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