Vinken, Barbara

Angezogen – Das Geheimnis der Mode

© Klett-Cotta VerlagBarbara Vinken – Angezogen © Klett-Cotta VerlagBarbara Vinken
Angezogen
Das Geheimnis der Mode


Klett-Cotta Verlag, 8. Auflage 2014, 255 Seiten

Ist der Wandel der Moden eine unvorhersehbare Laune der Kultur? Mitnichten, sagt Barbara Vinken, auch wenn wir, die diese Moden tragen, meist keine Ahnung davon haben, was wir tun, wenn wir uns anziehen. Modewandel hat System. Fragt sich nur, welches? Sobald eine Mode vergessen ist und damit nicht mehr altmodisch wirkt, kann sie zum letzten Schrei wachgeküsst werden. Man hat deswegen von der Tyrannei der Mode gesprochen, die aus dem Blauen heraus ihre Launen diktiert. Doch bei genauerer Betrachtung entpuppt sie sich als ein Spiel nach Regeln – und als ein differenziertes Zeichensystem im historischen Wandel. Im bürgerlichen Zeitalter ist Mode weiblich geworden, Männer kommen unscheinbar im Anzug daher. Doch das war nicht immer so. Heute ist der angeblich herrschende Trend der zum Unisex. Doch wenn sich Frauen wie Männer anziehen, ziehen sich dann beide gleich an?
(Verlagsinformation)

Mode hat immer eine doppelte Funktion: sie verhüllt und enthüllt zugleich. Insbesondere auf die Präsentation des weiblichen Körpers richten sich kulturell und historisch bedingte Ansprüche oder Vorschriften. Das gilt in besonderer Weise für islamische Gesellschaften, aber eben nicht nur. Auch im Westen lässt sich die Mode als fundamental wichtiges Indiz für das Verhältnis zwischen den Geschlechtern beschreiben. Dass es zum Beispiel gar nicht selbstverständlich ist, wenn Frauen Beine zeigen und eine körperliche Silhouette präsentieren, zeigt die Romanistin Barbara Vinken in diesem Buch über die Sprache der Mode. Noch in der höfischen Kultur Europas war es genau anders herum: Männer präsentierten ihre Beine, die in langen Strümpfen steckten, während Frauen weite und lange Kleider trugen, die die Form des Körpers weitgehend kaschierten. Dass überhaupt eine weibliche Mode entstehen konnte, begreift Vinken als einen Effekt der Moderne, den sie etwa an der Figur der Königin Marie Antoinette sehr anschaulich vorführt. Erst im modernen Bürgertum begannen Frauen damit, ihre Körperlichkeit zu präsentieren, während sich die Entwicklung für Männer rückläufig entwickelte. Der moderne Anzug ist nichts anderes als ein Nachkomme der soldatischen Uniform, und damit das Gegenteil einer das Individuum akzentuierenden Kleidung. Wie die Mode immer schon eine Frage der Macht und gesellschaftlicher Hierarchien war, das verfolgt dieses kluge Buch bis in die Antike zurück.
(Ronald Düker)

„...eine unglaublich lehrreiche, amüsante und horizonterweiternde Lektüre!“
(Denis Scheck, ARD Druckfrisch, 15. Dezember 2013)

Auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2014
Die Jury über das Buch:
„Die Beine der Damen von heute gleichen den Beinen der Herren von gestern? Wer sich auf Barbara Vinkens erhellenden Blick auf Mode einlässt, erkennt, statt rasant wechselnder Trends, langlebige Strukturen.“



DIE AUTORIN
Barbara Vinken ist Professorin für Allgemeine Literaturwissenschaft und Romanische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie ist Gastkolumnistin in DIE ZEIT, Neue Zürcher Zeitung und CICERO.
(Verlagsinformation)

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