Abdelwahab Benmansour
Tradition via Moderne – an dieses stets aktuelle Thema wagt sich Abdelwahab Benmansour. Dabei beweist er ein bemerkenswertes Erzähltalent und zeichnet sich nicht nur als phantasievoller Autor aus, sondern ebenfalls als scharfsichtiger Kenner und kritischer Archivar der Volkskultur. Daraus entsteht ein gehaltvoller Cocktail, der passagenweise an den phantastischen Realismus erinnert, passagenweise durch seine erzählerische Schlichtheit überrascht.
Abdelwahab Benmansour wurde 1964 in Westalgerien in der bekannten Stadt Nedroma bei Tlemcen geboren und damit an einem Ort, der vielleicht wie kein anderer Vergangenheit und Gegenwart miteinander vereint. Bis heute ist dort die andalusische Kultur lebendig, die muslimische Einwanderer, die sich nach 1492 hier niederließen, aus Spanien mitbrachten.
Bekannt wurde Abdelwahab Benmansour durch seinen Debütroman Die Ehrenrichter, der den Druck und die Zwänge ans Licht bringt, denen der Einzelne in der traditionellen westalgerischen Gesellschaft ausgesetzt ist. In Die Ehrenrichter stellt sich der Protagonist gegen die sozialen Konventionen. Er will sein Leben selbst in die Hand nehmen. Dabei gerät er an seinen Vater, der, als geistiger Führer einer Bruderschaft, traditionelle Wertvorstellungen vertritt. Als der Konflikt offen ausbricht, verstößt ihn sein Vater aus der Bruderschaft...
Wie in einem klassischen Abenteuerroman legt Abdelwahab Benmansour in Die Ehrenrichter einen großangelegten Spannungsbogen an. Gleichzeitig erhält der Roman durch seine einfühlsame Sprache und treffende Metaphorik eine Tiefenstruktur, die ein anhaltendes Lese-Erlebnis verspricht.






