Atef Talal Abu-Saif
Aus dem Erzählband Alles ist wie immer
Übersetzt von Helene Adjouri
Der Vogel fliegt am Himmel. Der Himmel ist blau. Alles ist wie immer.
...................
Die Schritte der Frau auf dem Lehmboden der Seitengasse. Alte Bilder einer Prozession, die zu einem Gebet wird. Der Soldat stellt sein Gewehr beiseite, während die Alte ein Kleid aus Seufzern näht und sich auf dem Teppich der Erinnerung entspannt. Die Angst, in die Dinge einzudringen. Der kleine Streit artet in eine Krise aus, die der Polizist nicht beilegen kann. Eine junge Frau spricht über ihre Beziehung zum Ort: «Die Jahre in der Fremde haben uns zu Schatten werden lassen, die Geographie schützt uns weder vor dem Frost des Exils noch vor dessen Hitze.» Drei junge Männer ärgern den Schatten, der aus den Dornenfeldern am Rande des Flüchtlinglagers kommt. Und die französische Journalistin sagt einem jungen Mann, der sie über die Situation im Lager aufklärt: «Sartre! Hier, im Flüchtlingslager Dschabalia, sind die Wege der Freiheit!». Zwei Stunden später saugt sie den Schweiß vom Dickicht seiner Brust auf und murmelt: «Verfluchter Orient.» So kommt der Wind in Richtung der verschlossenen Fenster.
..........................
Er glaubt fest daran, daß er der Künstler im Flüchtlingslager ist. Die Blicke der Mädchen aus den oberen Klassen, die er schöner zeichnet als die „Mona Lisa“, bestätigen es ihm. Der Soldat drängt darauf, von ihm porträtiert zu werden. Nach drei Stunden sieht sich der Soldat auf dem Bild mit einem verrosteten Gewehr: «Das ist nicht die Realität». Der Alte vergisst das Mittagsgebet, da er sich mit dem Greis, der sich nicht von seinem Backgammon-Spiel trennen kann, länger über das Paradies Gottes ausgelassen hat. Ein Esel frisst sich durch einen Haufen von Blumen, die für Weihnachtsfeiern im Westen bestimmt waren. Die fliegenden Händler verfluchen die Belagerung, die ihre Preise sinken lässt. Die Sperre lässt das Geschwätz der Leute zu wetteifernder Polemik über das nächste Abkommen werden. Sie scheinen dem Gemälde eines westlichen Orientreisenden des 19. Jahrhunderts entsprungen zu sein: «Sie stellen Hirten dar, die Jesus empfangen». Der Künstler des Flüchtlingslagers kennt nur die düsteren Farben, weil diese Teil der Erzählungen des Windes über den Dächern der Häuser sind.
So ist es nur diesem Gemälde möglich, die Vergangenheit wiederzubringen.






