H’mida Ayachi
(Algerien)
Aus unerwünschten Meinungen und traumatischen Ereignissen formt H’mida Ayachi eine vielschichtige literarische Erinnerung Algeriens. Er gerät somit in Konflikt mit einer algerischen Main-Stream-Literatur, die eine kulturelle Einstimmigkeit vorgibt. Seine Literatur öffnet sich unterschiedlichen Diskursen der Geschichte, um das derzeitige Dilemma der algerischen Gesellschaft in ihrer ganzen Tragweite aufzudecken.
H’mida Ayachi wurde 1958 in Westalgerien in der Nähe von Sidi Bel-Abbès in Makdara geboren. Nach dem Studium der Politikwissenschaft arbeitete er am Theater zusammen mit Kateb Yacine, von dem er einige Stücke ins Arabische übersetzte. Seit 1988 ist H’mida Ayachi journalistisch tätig und beschäftigt sich dabei speziell mit der islamistischen Bewegung. Mit seinem Buch Die Islamisten zwischen Macht und Kugelhagel und einigen Aufsätzen über den damals offiziell noch unerwünschten Ray, zog er den Argwohn der Regierung auf sich. H’mida Ayachi gründete mehrere Zeitungen, die sich gegen Gewalt als ein politisches Mittel aussprechen und zu Toleranz und Vernunft aufrufen. Zur Zeit ist er Chefredakteur der Zeitung El Djazaïr News.
Mitte der Achtzigerjahre wurde H’mida Ayachi mit seinem ersten Roman Erinnerung an Irrsinn und Selbstmord bekannt, der nach einer Ablehnung des nationalen Schriftstellerverbandes im Laphomic-Verlag erschien. Er erzählt die Liebesgeschichte von Zana und Didouh. Zana ist eine selbstbewusste Frau, die weiß, was sie will. Als sie jedoch feststellen muss, dass sie sich von den Fesseln der Tradition nicht zu lösen vermag, droht sie den Verstand zu verlieren.
In Irrgärten – Die Nacht der Versuchung thematisiert H’mida Ayachi die anhaltenden politischen Spannungen in Algerien seit Anfang der Neunzigerjahre. Dabei geht er auch auf die islamische Kultur ein, die er vom Blickwinkel der maghrebinischen Geschichte aus beleuchtet. Vor dem Hintergrund dieser sozio-historischen Betrachtungen konfrontiert er den Leser mit unmittelbaren erlebten Gewaltszenen aus der jüngsten Geschichte Algeriens. Er beschreibt die Massaker an der algerischen Bevölkerung in ihrer unfassbaren Sinnlosigkeit.
Die Romane von H’mida Ayachi zeichnen sich durch eine komplexe Struktur sehr verschiedener Subtexte aus. Sie stellen Bezüge zum Koran, zu „Tausendundeine Nacht“ oder genauso zu Samuel Beckett her, die sein Werk als ein Beispiel für eine zwar engagierte, aber doch offene Literatur ausweisen.
- Erinnerung an Irrsinn und Selbstmord wurde von der Reformbewegung nahestehenden Wochenzeitung Algérie Actualité zum besten Roman des Jahres 1986 gewählt.






