Gazim, Muhammad

Muhammad Gazim

(Jemen)

Muhammad Gazim beschäftigt sich in seinem Werk mit dem beinahe in Vergessenheit geratenen traditionellen jemenitischen Landleben. Er stellt dabei zwei verschiedene Welten gegenüber: das Land, das ohne die modernen technischen Erneuerungen den alten Zeiten verhaftet ist, und die Stadt, wo die Sehnsucht nach dem Landleben noch präsent ist. Diese Sehnsucht der Städter erweist sich jedoch als trügerisch, da sie sich vom Dorfleben entfremdet haben und im eigenen Heimatdorf Gäste bleiben.

Muhammad Gazim wurde 1969 in einem Dorf bei Taiz, Jemen, geboren. Er wuchs bei seiner Familie in einem kleinen Dorf auf und kam bereits in frühen Jahren durch seinen Großvater, der Religionslehrer war, mit arabischer Literatur in Berührung. Seit 1987 veröffentlicht er regelmäßig Kurzgeschichten in jemenitischen Zeitungen. Seinen ersten Kurzgeschichtenband stellte er im Jahr 2001 der Öffentlichkeit vor, zwei Jahre später folgte sein erster Roman. Muhammad Gazim studierte Arabische Sprache an der Universität Taiz und schloss sein Studium mit dem Bachelor of Arts ab. Er arbeitet heute in der Schulbehörde in Sanaa, Jemen.

In seinem bekanntesten Buch Die weizenfarbenen Enden thematisiert der Autor die jemenitische Revolution von 1962. Er erzählt dabei die Geschichte von den Träumen und Hoffnungen der Revolutionäre und ihren Erben, die sich wie „Feiglinge“ von der Revolution abgewandt und somit zu ihrem Scheitern beigetragen haben. In diese Chronik verlorener Träume und Hoffnungen flossen zahlreiche Berichte von Zeitzeugen ein, wodurch dieses Werk dem Leser einen fundierten Einblick in die historischen Ereignisse - jenseits der offiziellen Geschichtsschreibung - ermöglicht.

In dem Erzählband Arten des Dufts setzt sich Muhammad Gazim eingehend mit dem Verlust von Vergangenheit und Identität auseinander, aber auch mit den möglichen Erwartungen an die Gegenwart. So schreibt er beispielsweise über Städter, die auf dem Land aufgewachsen sind und nach langer Zeit wieder in ihr Heimatdorf zurückkehren, dort aber nicht mehr vorfinden, was sie in der Erinnerung aufbewahrt haben. Auch erzählt er von vergeblichen Hoffnungen einer in die Jahre gekommenen Mutter, deren Söhne in der Stadt Karriere gemacht und sie darüber vergessen haben. Sehnsuchtsvoll erspäht sie jedes Auto, das die steile Bergstraße zum Dorf heraufkriecht, doch jedes Mal wird ihre Hoffnung aufs Neue enttäuscht.

 

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