Muhammad Gazim
Hamama Faus (Auszug)
Aus dem Erzählband Arten des Dufts
Übersetzt von Hartmut Fähndrich
Zur Zeit, da das Schnarchen alle verband und hinaus in die Nacht ging und da die Nacht in alle Orte eindrang, blieb der Schlaf weg. Die alte Hamama Faus wälzte sich unruhig auf ihrer Lagerstatt hin und her. Diese bestand aus nichts als einer zerschlissenen Matte und einer schwarzen Decke aus zerrissener Wolle. Diese war halbiert. Der eine Teil lag auf einer Matte, den anderen, größeren, deckte sie sich über ihren schmächtigen Körper, verborgen auf dem staubigen Boden des vierten Stockwerks in dem riesigen Haus voller Bewohner.
Hamama Faus war nicht mehr wie damals in der ersten Hälfte des Lebens. Jetzt war sie wie ein Knochen – und Wassersack, in dem das Leben nur noch röchelte. Dieses Leben, ein wilder Esel, der schimpft, aber nicht tötet. Die Zeit hatte die schönen Ufer des Lebens weggefressen. Übrig war nichts mehr als diese aschgrauen Nickerchen in der Stille der Faseleien. Die Haut wand und drehte sich überall, die Knochen mumifizierten sich. Die Sicht pulsierte an Abgründen. Die Farben verschwanden. Ja, eigentlich waren alle Sinne getränkt vom Verschwinden und fielen ab wie die höhnenden Blätter der Lepra.
Die Rückkehr (Auszug)
Aus dem Erzählband Arten des Dufts
Übersetzt von Hartmut Fähndrich
Umweit unseres Hauses blieb ich stehen und suchte, nach einem viertelstündigen Marsch von der Haltestelle, die Schatten der untergehenden Stille. Es war genau ein Uhr. Die Geflechte der Bäume wiegten im durchsichtigen Wind der Jahreszeit. Zwölf Monate war es her, da hatte ich das Dorf verlassen, es verlassen, beschwert von den Düften der Wolken, gehüllt in Tücher der Felder. Die Brisen, keimfrei durch augustene Regenwolken, hatten mich weggetragen. Im Streit mit mir lagen heiße Liebe und das Weinen der Wasserräder. Und seit einem Jahr stießen mich undurchsichtige Hände, während ich zum geheiligten Heimatort irrte, angeschaut allein vom Eisen, gekerbt von der Rache. Durch schmutzige Städte tappte ich, mein Körper rossschwer, meine Rippen beladen mit rostigen Wolken.
Scharf und schmerzend legte sich der Fuchsgestank über mich, malle Farben von den Pulvern der Petrochemie. Und nun stehe ich hier in meinem lieben Heimatort, wo die Häuser Minarettnasen haben, Burgfassaden, regenbogene Augen und Zähne aus Blitz.






