Leseprobe

Jamal Fa’iz

(Qatar)

Aus Tanz auf dem Rand der Wunde
Übersetzt von Günther Orth



Das Flugzeug hielt. Die Türen öffneten sich. Eine dicke Blonde stieg aus der Tür zur Ersten Klasse. Ein schlanker Dunkelhäutiger stieg aus der Tür zur Zweiten Klasse.

Irgendwann während sie die Treppe hinabstiegen, trafen sich unversehens die Blicke. Die Atemzüge umarmten sich. Wir erinnerten uns an den Anfang, als der Mensch noch für den Menschen da war. Ein Tuch aus weißem Licht umhüllte unsere Körper, die Sonne schenkte es uns gönnerhaft. Seit wir geschaffen wurden, gewährt sie es uns zu gleichen Teilen.

Im selben Augenblick befanden sich hinter uns immer mehr Menschen. Ihre Stimmen durchbrachen die Mauer des Augenblicks. Jeder von uns ging seiner Wege.

1

Ein Hund. Krank, das Fell zerzaust. Er lief zum Müllcontainer. Suchte. Stieß auf einen gammeligen Knochen. Ein Stückchen Fleisch klebte noch daran. Er neigte den Kopf hin. Er sah ein Ungeziefer, das sich ein Eckchen von dem Fleisch wegnahm. Er schaute es lange an.



2

Er näherte wieder seine Schnauze. Er schnüffelte und öffnete das Maul. Er streckte die Zunge heraus. Speichel tropfte herab und vermischte sich mit Erdkrumen. Seine Eckzähne packten den Knochen. Er lief in Richtung seiner Jungen. Erst an der Straße blieb er stehen. Ein Auto fuhr vorbei. Dahinter noch eines. In der Ferne sah er ein drittes. Er überquerte die Straße. Doch er schaffte es nicht bis zu seinen Jungen.