Laila ag-Guhani
Aus dem Roman Das zerstörte Paradies
Übersetzt von Claudia Knieps
„Komm...“
Die Stimme der Frau überrascht mich, als sie oberhalb meines Kopfes steht. Ich folge ihr zu einem abgelegenen Zimmer. Der Durchgang ist finster, außer, als zu meiner Linken die Tür eines Zimmers geöffnet wird, in dem ich zwei spielende Kinder sehe. Ich höre laute Musik von einem Fernseher, den ich nicht sehe. Sie öffnet das andere Zimmer und mich streift der Hauch meiner Träume und meines Alpdrucks. Als ich eintrete, überfällt mich die Gefühlskälte der Dinge um mich herum: ein nackter Boden wie meine innere Verfassung. Die Frau schließt die Tür, ein Stuhl aus Holz, ohne Lehnen, eine lange, mit einem vergilbten weißen Tuch bedeckte Liege, ein Tisch, auf dem ich eine Schere, eine Pinzette, ein Katheterröhrchen, eine Spritze, Medizin, einen Baumwollverband und Musselin ausmache.
Sie nimmt meine Abaja und nimmt mir meine Kleider ab und hilft mir, mich auf der Liege hinzulegen. Sie zieht Gummihandschuhe über ihre Hände, während meine Augen auf der Suche nach einem Fenster oder einer Lichtöffnung im Zimmer umherwandern, durch die ich die Wolken, den Himmel und die kleinen Vögel sähe, doch sie kehren enttäuscht zurück. Sie legt meine Beine auseinander und streckt ihre Hand aus, da frage ich:
- Ohne Betäubung?!
Sie hebt ihren Kopf nicht, um mich anzublicken und ruft nur mit Gefühlskälte.
- Betäubung gibt es nur bei Operationen mit Nähen!
Sie führt ihre Hand ein. Da wendet das Meer sein Gesicht von Dschidda ab. Ich höre das Schlagen kraftloser Flügel, als sie an einem Ort in der Nähe herabstürzen. Ich halte meine Schreie zurück. Die Frau verändert indessen ihre Gesichtszüge niemals. Sicher fuhr sie mit ihren Fingerspitzen über dein Gesicht und hat dich berührt. Ach, wo bist du jetzt, mein Kind? Zwischen ihren Händen? Oder haftest du noch an mir fest? Sie nimmt sich die Schere, um sie einzuführen. Das ist das Ende. Es zitterte und ich sage: Nein. Sie ignoriert mich und führt sie ein. Der Schmerz raubt mir die Sinne, und ich weiß, du bist zornig. Ich weiß, ich bin verflucht. Ich weiß, eine der ersten, die mich verfluchen, ist diese Frau, die ihre Schere in mein Fleisch hineinsticht, um dich zu zerstören.
Ach.
Halte es aus. Ich beiße auf meine Lippen. Die Frau nimmt sich das kleine Katheterröhrchen und führt es ebenfalls ein. Wenn doch nicht noch mehr Dinge eingeführt würden! Ich schließe meine Augen und erinnere mich an nichts. Ich denke an dich und frage:
- Hast du es herausgeholt?
- Noch nicht. Ich werde dir ein Katheterröhrchen legen, dann spritze ich eine Lösung hinein. (Sie zwinkerte mit ihrem Auge.) Danach wird ein Stück abgehen, und du wirst Schmerz spüren.
Ich schreie auf, während mein Blick die Decke absucht. Doch ihr Anblick zerstreut diese Bitterkeit nicht.
- Mehr noch als dieser Schmerz?
Wie soll ich jetzt an dich denken? Wenn du noch nicht aufgehört hast, an meinem Inneren zu haften und du noch weitere Tage als ein Stück Fleisch bleiben wirst, wie werde ich diese Nacht schlafen? Ich wollte ohne dich nach Hause zurückgehen. Ich empfinde Schmerz wegen dir und beweine deinen Verlust und meinen Verlust. Ich wollte dass, dass, was? Was bleibt mir noch zu wünschen übrig?






