Leseprobe

Hafedh Mahfoudh

(Tunesien)

Aus dem Erzählband
Biographie eines Mannes, der zwei Tage lebte
Übersetzt von Mona Naggar



Draußen heulte der Wind, dort war bestimmt keiner. Er fuhr fort in seinen Bewegungen, die ich nicht verstand. Wenn jemand eintreten würde, dachte ich, was würde er wohl sagen? Er würde sicher die große Ähnlichkeit zwischen uns bemerken. Oder sollte ich der einzige bleiben, der das bemerkte? (…)

Als ich das Essen auf den Tisch setzte, kam er eilig herbei und begann mit dem Appetit eines Wolfes zu essen. Ich wies ihn darauf hin, dass ich für einige Zeit das Haus verlassen würde. Er nickte mit dem Kopf, ohne mit dem Essen aufzuhören. Ich öffnete die Tür und ging hinaus. (…)

Ich hatte kein bestimmtes Ziel. Mein einziges Anliegen war die Flucht vor dem Gesicht jenes Mannes, in dessen Gesichtszügen ich kein einziges Wort fand, das die Bedeutung des Windes hätte, dieser Taubstumme, der Besitzer der zylinderförmigen Kiste und des merkwürdigen Appetits. Für einen Augenblick überlegte ich, was er wohl gerade machte? Hatte er das Haus verlassen? Schlief er? Oder hatte er sich nur aufs Bett gelegt? (…)

Das Gesicht des Mannes, den ich zuhause zurückgelassen hatte, kehrte zurück. Ich konnte nicht mehr klar denken. Ich überlegte, was er wohl tun mochte? Unvermittelt machte ich mich auf den Heimweg, ohne mich um den Regen zu scheren, der sich zu Fäden verwandelt hatte, die die Erde und den Himmel in Täler und Rechtecke aufteilten.

Bevor ich die Tür öffnete, überkam mich ein Gefühl der Angst. Sobald ich die Türschwelle überschritten hatte, verschwand es. Er war nicht da. Ich schaute aus dem Fenster und unters Bett. Ich schwankte zwischen Erleicherung und Schuldgefühlen. Der Zustand hielt nicht lange an, als mein Blick auf die Holzkiste fiel, die in einer Ecke stand. Ich wollte sie öffnen, aber etwas hinderte mich daran. Vielleicht kam er plötzlich zurück und würde wütend über mich. Ich war nass, und mir wurde kalt. Ich zog meine Kleidung aus, trocknete meinen Körper und zog mir eine schwere wollene Djellaba über. Mein Wunsch die Kiste zu öffnen, um zu erfahren, was darin war, wuchs. Ich stürmte zu der Kiste und hob mit viel Mühe den Deckel hoch.

Nur alte Kleidungsstücke waren darin. Ich legte sie auf den Boden und untersuchte sie. Ich kannte sie gut. Es waren die Kleidungsstücke, mit denen er in mein Haus gekommen war. Aber ich hatte sie auch schon früher gekannt, vor ihm. Es waren die Kleidungsstücke meines Vaters.

 

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