Hosni Hassan
Aus dem Roman Die Schlafwandler
Übersetzt von Doris Kilias
Über uns ragte das Kloster mit seinen Gebäuden und Mauern empor. Es sah aus, als suchte es Schutz beim Berg. Ein Stück, gebrochen aus dem Herzen der Stadt und schwebend auf halber Strecke zwischen Erde und Himmel. Einmal mit schier unmenschlicher Kraft dem kahlen Felsboden einverleibt, blieb es dort oben haften, hielt es das Gleichgewicht zwischen der Sehnsucht nach der Höhe und der Anziehungskraft des Abgrunds. Zu seinen Füßen schlummerte das kleine Dorf mit seiner schlichten Kirche, den Häusern, die sich aneinander drängten, und seinen Bewohnern, die mit ihren Füßen fest auf dem lehmigen Boden des Tals standen und den Blick auf das Himmelreich und die Einsiedelei der frommen Beter richteten. Im hellen Sonnenlicht oder in finsterer Nacht - immer stand Nagi schweigend vor dem alten Altar. Er betrachtete den flackernden Schein der Kerzen, ließ seine Blicke über den Himmel schweifen, der einem weiten, klaren Meer glich. Er biss ein Stück vom bitteren Brot des Gedenkens ab, nahm einen Schluck vom Wein des Bluts der Jahre, beides heilig gesprochen während anstrengender, abgenutzter Weihen. Tag und Nacht vergingen bei seltsamen religiösen Riten, die einem Herrn galten, dessen Wollen das ganze Leben beherrschte. Gleichförmig überschütteten es seine Wogen, ganz wie der Schlag eines gestrengen Herzens, der vom Verstand unberührt bleibt. Wir fuhren den gepflasterten, sich windenden Weg hinauf, bis wir schließlich vor dem gewaltigen Eisentor standen, das, tat man nur einen Schritt hinein, zwei Welten und zwei Hoffnungen voneinander schied.
„Autos dürfen nicht hinein“, sagte der Fahrer.






