Leseprobe

Abd-al-Majeed al-Hawwas

(Marokko)

Prosastück
Übersetzt von Imke Ahlf-Wien



Die Autos bewegen sich langsam, putzen die Straßen. Sie stoßen Rauch aus, in dem die Eingeweide der ganzen Nacht enthalten sind. Einige Fahrräder kauen die Luft, gierig nach Umdrehung. Männer kommen aus den Haustüren hervor, tragen schwarze Schirme und erwarten den Regen. Wankend wie Schlafwandler entfernen sie sich in ihren schweren Mänteln. In Decken gehüllte Frauen treten aus den Häusern, zerren mit der einen Hand ein Kind, mit der anderen halten sie ihre Handtaschen fest. Kleine Angestellte tasten in den Hosentaschen nach ein paar Münzen, um auf der Terrasse eines Cafés einen Tee zu trinken. Wägen mit Brot, verteilen ihre Ladung an die kleinen Läden. Postboten lassen ihre Taschen, Frauen ihre Hüte zu Hause liegen. Krämer warten darauf, dass es acht Uhr wird, um das Geld für das Leergut zurückverlangen zu können. Alle sind zu demselben Punkt in dieser Stadt unterwegs, in der der Sonntagshimmel sich färbt.

Ziellos streife ich durch die Stadt. Wie es die anderen tun. Ich setze meine Schritte wohlgeordnet aufs Pflaster. Bleibe an einer Kreuzung stehen, wo die Ampeln nicht den Jahreszeiten angepasst sind. Die Frauen der Station sind die Frauen der Situation. Wie üblich stehen sie neben der Hecke. Warten darauf, dass die Zeit verstreicht, während die Autos sich darauf vorbereiten, die Straßen zu säubern und die Kleider zu waschen. Sie sehen in die Weite, halten sich an der Hecke des Parks fest oder gehen spazieren, auf den Anbruch des Abends wartend. Jetzt ist Morgen. Der Park ist, passend zu Hecke und Spatzen, von einem Baumdach bedeckt. Wie ein blauer Fleck entrinnt der Himmel durch die schwärzlichen Schatten der Blätter; der Himmel ist das einzige Gemälde der Welt, das im Keller des Museums vergessen wurde: Es trägt nicht die Signatur eines Malers. Deshalb ist der Himmel ein Dach von innen. Oder der Boden eines Speichers. Oder ein begrenzter Fleck - wie ein See. Oder eine Wäscheleine, auf der sich die Geschöpfe der Hoffnung ausbreiten. Oder ein Bett, dessen Kissen verstreut sind wie an einem Wolkenhimmel. Der Himmel ist ein blaues Tuch, aufgehängt in seiner Einsamkeitssphäre. Wolken dringen ein wie Angreifer und verschwinden wie flüchtende Angreifer. Ich betrachte sie ohne Hintergedanken. Wie die Frauen sie betrachten.

 

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